KURTs Gastro-Serie

Im Gasthof Neuhaus trifft ländliches Flair auf niedersächsische Heimatküche

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 27.07.2020
Im Gasthof Neuhaus trifft ländliches Flair auf niedersächsische Heimatküche

Im Gasthof Neuhaus werden traditionelle niedersächsische Speisen angeboten. Zum Hirschkalbsbraten darf neben Kroketten natürlich auch Rotkohl nicht fehlen. KURT-Feinschmecker Malte ist äußerst angetan.

Foto: KURT Media

Schlemmerzeit auf Niedersächsisch: In der neuen Ausgabe zog es unseren KURT-Feinschmatzer Malte und seine Begleitung in den Gasthof Neuhaus. Die bewährte Kulinarik unseres norddeutschen Tieflands lebt von ihren deftigen Hauptgängen und den süßen Nachspeisen. Für den passenden Charakter sorgt dazu die Landhaus-Optik, was nicht verwunderlich ist, da der Gasthof seit mehr als 170 Jahren in Familientradition geführt wird.

Der Gasthof Neuhaus – gelegen an der B 188 auf dem Weg von der Dragen-Kreuzung nach Dannenbüttel – ist einer der letzten seiner Art und darf gelesen werden wie ein Märchenbuch. Im Landhausstil des 19. Jahrhunderts gehalten, befindet sich das Ambiente irgendwo zwischen Effi Briest und einem Heimatfilm, zwischen außerhalb der Stadt und innerhalb der Natur, umgeben von blühenden Wiesen, weiten Feldern und Waldarealen. Unweit des Gasthofs nistet ein eleganter Storch, abends hört man hier die Grillen zirpen. Die Aller schlängelt sich so durch, unberührt und in Ruhe gelassen. Als Tor zum Naturpark Südheide muss man hier – zwangsläufig – das Bild des niedersächsischen Idylls verwenden, immer die Jäger- und Heimatdichtung von Hermann Löns vor Augen.

Meine Begleitung und ich fahren in einem geräumigen Geländewagen vor, den English Springer Spaniel haben wir heute zu Hause gelassen, was nicht davor schützte, dass ich mich auf der Anreise umständlich in seiner Leine verhedderte, die noch im Fußraum lag. Schon bei der Ankunft auf dem Parkplatz fällt vor allem eines zu unseren Ungunsten auf: Die Terrasse ist vollbesetzt. Kurzer Blick um den Gasthof herum, aber auch da findet jeder Stuhl einen Abnehmer. „Hätten wir mal besser reserviert“, raunt mich meine Begleitung an, und ich nehme das auf meine Kappe. Man hätte erwarten können, dass der Gasthof Neuhaus an einem Sonntag zum Mittagstisch hervorragend besucht sein müsste.

Die Tomatensuppe als Entrée macht nicht nur optisch ordentlich was her. Auch geschmacklich trifft die Kreation voll ins Schwarze.

Foto: KURT Media

Erleichterung macht sich dann allerdings beim Empfang im Lokal breit. Auch Inhaberin Ulrike Brandes-Kunkel, die nun nach mehr als 170 Jahren Familientradition den Gasthof führt, steht zur Begrüßung hinterm Tresen. „Natürlich haben wir noch einen Platz für Sie“, wird uns der Weg in ein Nebenzimmer vom alten Schlag gewiesen: glattgebügelte weiße Tischdecken, kleine Blumensträuße, die frisch gepflückt sein müssen, eine Kerze in der Tischmitte. Fernab dessen fallen die feinen Zeichnungen auf, die in schwarzen Bilderrahmen an den Wänden hängen und zum beruhigten Flair beitragen. Es kommt die Karte.

Gäste des Gasthof Neuhaus finden sich hier vor allem wegen des Menüs ein, das heute eine Hochzeitssuppe, Spare Ribs mit Rosmarinkartoffeln, Barbecue-Dip und Salatgarnitur sowie ein Mousse au chocolat mit Orangeneis an Himbeersauce empfiehlt. Dennoch wandert unser Blick weiter die Sonntagskarte herab, und wir werden anderswo fündig: Meine Begleitung wählt das gebratene Seehechtfilet mit Porreegemüse und Salzkartoffeln, wobei sie für ein Spiegelei auf den Fisch verzichtet (was kein Problem darstellt), und ich entscheide mich für den Hirschkalbsbraten mit Waldpilzsauce, dazu Rotkohl, Kroketten und Preiselbeerbirne.

Deftiger Hauptgang mit kecker Preiselbeerbirne.

Foto: KURT Media

Auf Nachfrage wird uns eine Tomatensuppe als Entrée gereicht, die für heute nicht mal auf der Karte stand; den Gasthof zeichnet also nicht nur seine Tradition, sondern auch seine Flexibilität aus. Verfeinert mit Reis, einer leichten Crème und Lauchzwiebelringen ist die Tomatensuppe ein sehr angenehmer Start, der trotzdem auch Gäste mit kleinem Hunger zufriedenstellen sollte. Bei sommerlichen Temperaturen kommen wir ein wenig ins Schwitzen, aber mit der beigelegten Serviette darf man ja tupfen.

Im Anschluss erreicht uns der Hauptgang – und es ist mal wieder die klassische Küche Niedersachsens, die bei mir punktet. Der Hirschkalbsbraten ist zart und besticht durch eine geschmackliche Ausgewogenheit, er ist intensiv, aber nicht zu Wild. Die dunkle Waldpilzsauce ist hier logischerweise die einzig richtige Wahl, die Pilze greifen auch inhaltlich schön das Thema des Ortes auf und geben einem auch kulinarisch das Gefühl von gesundem Wald. Für die Süße zu dem doch deftigen Hirsch sorgt die Preiselbeerbirne, die auf einem grünen Salatblatt serviert wird. Beigestellt ist eine große Portion Rotkohl, die ebenfalls das Fleisch in seiner Pilzsauce unterstützt. Freunde des rustikalen Tons werden hier definitiv ihre helle Freude haben, aber – wie sich bei der Bestellung meiner Begleitung herausgestellt hat – findet auch der vegetarische Gourmet hier seine Nische. Beim hinreißenden Anblick ihres Spiegeleis bin ich fast geneigt über den Tisch zu greifen! Ich kann dann doch an mir halten und trinke einen Schluck von meinem Pils.

Vanilleeis mit heißen Schattenmorellen, die sich wie ein eleganter Gletscher den Sahneberg herunterziehen.

Foto: KURT Media

Absichtlich hatte ich die kleine Portion gewählt, um der Nachspeise noch etwas Raum zu lassen. Meine Begleitung ist ganz verzückt, als sie auf der Dessertkarte einen Espressobecher mit einer Kugel Espresso-Krokanteis, Kaffeelikör und Schlagsahne entdeckt. Mich dagegen hat das Vanilleeis mit den Schattenmorellen erwischt. Auch hier macht der Gasthof alles richtig: Er setzt für die Kaffeetrinker auf eine ordentliche Auswahl an Getränken, die wie beim Latte macchiato auch mit Haselnuss-Sirup oder Baileys kombiniert werden dürfen, oder gibt dem geneigten Schleckermäulchen die Möglichkeit, seine Eiskreation zusammenzustellen. Somit lohnt sich der Besuch auch für Familien, um sich nach einer längeren Landpartie für den Rückweg zu stärken.

Wir begleichen die Rechnung, verabschieden uns und machen noch einen Spaziergang an den Waldesrand. Es ist hier ganz still, und ich bin mir sicher, dass wenn man ganz genau die Ohren spitzt, hört man die Bäume wachsen und sein eigenes Herz langsam pochen.

Gasthof Neuhaus
Neuhaus 1, Sassenburg
Mo. – Mi., Fr. 11.30 bis 14.30 Uhr
und 17.30 bis 22 Uhr
Sa. 18 bis 22 Uhr
So. 11.30 bis 14.30 Uhr