Essen & Trinken

Beim Schalke-LKW wird das Schnitzel serviert: Seit mehr als 40 Jahren kriegt man in Gifhorns Grill-Kate deftige Imbisskost

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 12.11.2022
Beim Schalke-LKW wird das Schnitzel serviert: Seit mehr als 40 Jahren kriegt man in Gifhorns Grill-Kate deftige Imbisskost

Ein Imbiss wie ein Weltkulturerbe: In der Gifhorner Grill-Kate lässt es sich Test-Esser Malte Schönfeld bei Burger und Bratkartoffeln gutgehen.

Foto: KURT Media

Was mögen wir eigentlich so an Lokalen und Kneipen? Wohl, dass sie uns um den Finger wickeln. Angesprochen möchte man werden von etwas Eigentümlichen. Die Grill-Kate – vom Calberlaher Damm aus zu sehen, postalisch aber in der Pyritzer Straße verortet – hat das drauf. Kaum eine Gastronomie steht für Gifhorn so sehr wie das von Roman Steinkamp geführte Imbiss-Häuschen mit den dicken Glasbausteinen. KURTs Gastro-Tester Malte Schönfeld schnappte sich seine Begleitungen und bestellte, was bestellt gehört: Bohnensuppe und Burger. Das hat hier was mit Benehmen zu tun.

Mit leerem Magen und zu früh aufgezogenen Winterreifen kurven wir so auf den Parkplatz der Grill-Kate, dass sich das Heck leicht zur Seite bewegt. Schon wieder hier. Denn bereits einen Monat zuvor hatten meine Begleitung und ich die Idee, die Grill-Kate aufzusuchen, scheiterten aber am Mittwoch. Passiert.

Diesmal läuft alles besser, wir sind sogar zu dritt und treten ein. Tür auf. Wie ein Faustschlag knallt einem der Imbiss direkt einen vor den Latz, Dunstabzugshaube hin oder her. Ja, es riecht nach Imbiss, aber nicht im negativen Sinne. Man hört es zischen.

Wir nehmen Platz. In der Karte findet sich Essen, wie man es erwartet. Schnelle Küche, deftige Küche, vom Schnitzel bis zum halben Hähnchen. Zu regionaler Berühmtheit brachte es die Grill-Kate vor allem wegen der Currywurst, auch aber wegen ihrer generationsübergreifenden Präsenz. Wie ein Weltkulturerbe steht sie da, ein bisschen aus der Zeit gefallen. Kanzler-Bungalow, Palais Schaumburg, Karstadt, sonntags zur Kirche im Anzug und montags zur Schicht, in der Tageszeitung wird von Banküberfällen berichtet und Rio Reiser hat noch gelebt – in diese Gedankenkette reiht sich für mich die Grill-Kate ein.

Wir ordern. Tomatensuppe, Hühnersuppe, serbische Bohnensuppe, Schnitzel, Salat, Bratkartoffeln und – Hosianna! – Veggie-Burger. So viel Menükarten-Evolution dann doch. Zügig steht alles vor uns. Ich amüsiere mich zunächst mit der Suppe, schöner Brummer, dunkel und kräftig, ordentliche Würze. Super Kombi natürlich mit dem Tunke-Brot. Empfehlenswert: dazu ein Malzbier. Macht man eh viel zu selten, ist aber vielleicht gerade deswegen so super.

Während ich so schlürfe, blicke ich nach links. Dort stehen in der unverwüstlichen Vitrine sorgfältig aufgereiht die bekannten LKW in Fußball-Verein-Optik. BVB, S04 und so weiter – man könnte daraus eine Truck-Tabelle bauen, nach Sieg oder Niederlage wöchentlich Positionen tauschen und die Gäste sportlich auf Höhe halten. Davor ein Mann im Norweger-Pulli und mit Bild-Zeitung. Was Deutschland auf Seite 3 interessiert: Corona-Alarm in der Nationalmannschaft sowie die Brüste von Erotikmodel und DJ Micaela Schäfer. Na ja.

Bohnensuppe, Schnitzel und das fast sagenumwobene Salat-Dressing: In der Grill-Kate bleibt vieles beim Alten. Die treue Kundschaft dankt es dem Gifhorner Imbiss.

Foto: KURT Media

Weiter im Programm geht‘s mit dem Burger, dessen Patty – und jetzt wird‘s hip – ein Kartoffelpuffer ist. Irre clever, geht geschmacklich auch voll auf. Bekanntermaßen setzen Gaststätten eher auf Gemüsebratlinge oder eine Fleisch-Attrappe, da ist die Grill-Kate-Variante eine willkommene Abwechslung. Meine Idee wäre noch ein zweiter Puffer, in der Höhe geht beim Burger nämlich noch was. Demgegenüber ist meine Begleitung mit ihrem Schnitzel beschäftigt, dem eine Zitrone beigelegt ist. Doch nicht nur das Schnitzel hinterlässt einen guten Eindruck, es ist vor allem das Salat-Dressing, dieses auf ewig gute Dressing, das restlos begeistert.

Wir zahlen. Inzwischen – es ist früher Abend – hat sich das Lokal gefüllt. Personen, die ihren Schal an die Garderobe hängen. Draußen warten welche auf ihre Abholung. Alles wie immer, seit mehr als 40 Jahren, aber: Irgendwann wird alles vergehen und vorbei sein, das Palais Schaumburg und auch die Grill-Kate. Es wird ein trauriger Tag sein. In der Zwischenzeit hänge ich meinen Pullover zum Lüften in den Wind.

Grill-Kate
Pyritzer Straße 2, Gifhorn
Mo. – Di., Do. – Fr. 11 bis 22 Uhr
Sa. – So. 11 bis 17 Uhr
Tel. 05371-52616