Essen & Trinken
Tafeln wie zu besten Zeiten des Biedermeier: Das Kleine Café auf dem Lande in Rethen verzückt beim Gastro-Test
Malte Schönfeld Veröffentlicht am 05.04.2025
Einen Bärenhunger sollte man mit Beerenkonfitüre, Camembert, Weintrauben und Co stillen. KURTs Gastro-Tester Malte Schönfeld jedenfalls hat sich im Kleinen Café auf dem Lande in Rethen dick ein Brot belegt.
Foto: Bastian Till Nowak
Schlichte Eleganz, ein Seufzen im Idyll und der Rückzug in die häusliche Gemütlichkeit zeichnen den Biedermeier im besten Sinne aus. Denn manchmal möchte man genau das: Geruhsamkeit, einen gut gerösteten Kaffee und die Gewissheit, dass heute höchstens noch die Kirchglocken schrillen. Wenn man im Kleinen Café auf dem Lande in Rethen sitzt, wird man genau in diese Zeit zurückversetzt – oder zumindest in eine moderne Zeit, die man sich verbiedermeiert. Hier wird serviert, was sich für einen guten Start in den Tag gebührt. KURTs Gastro-Tester Malte Schönfeld und seine Begleitungen haben sich in Gifhorns Südkreis eingefunden, um sich von Käseplatte, Szenecafé und Joghurtbowl begeistern zu lassen.
Langsamen Reifens tuckern wir die einsame Landstraße entlang. Die warme Morgensonne drückt aufs Seitenfester. Schafft sie es rein, ist sie kräftig genug?
Unser Ziel ist das Kleine Café auf dem Lande in Rethen, das wir ohne Probleme finden. Wir parken den Wagen, steigen aus und ziehen tief die kristallklare Luft ein. „Ist da mehr Sauerstoff drin als sonst?“, dröhnt das Prusten meiner einer Begleitung als, meine andere steckt sich eine Zigarette an.
Das Kleine Café auf dem Lande – geführt von Kerstin Wegener und Tochter Caro – ist ein Schmuckkästchen, das fällt noch in dem Moment auf, als wir durch die Tür gehen. Altholztheke, verschnörkelte Stühl wie von Oma Hildegard, deren Sitzkissen bunte Muster spannen, Tischdecken mit Rüschen, ein wildes, aber verdammt gemütliches Allerlei. Im Hintergrund haucht The Acid, so wie 2014 in einem wholesome Szenetreff in Berlin-Friedrichshain.
Neben saftigen Kuchen setzt das Kleine Café auf dem Lande auf Frühstückvariationen und lockt derart viele Gäste nach Rethen, ein Dorf, wovon einige wohl noch gar nicht gehört hatten. Wir bestellen große Frühstücke, tauschen das Wurstangebot gegen mehr Käse, dazu Konfitüren, Saft, Kaffee. Es dauert nicht lange, bis serviert wird – in der Zwischenzeit flitzt die kleine Isi, ein Dackel-Terrier, zwischen unseren Beinen umher, bis meine Begleitung den kleinen Racker plötzlich auf dem Schoß sitzen hat.
So einen hübschen Kurkuma Latte sieht man sonst nur in einem Szenecafé in Berlin-Friedrichshain.
Foto: Bastian Till Nowak
Wir tafeln nun wirklich wie die Fürstenfamilie. Vier verschiedene Käsesorten liegen auf dem formschönen Holzbrettchen, garniert mit Blattsalatmix, Gurke und Paprika, dazu eine Erdbeer- und eine Pflaumenmarmelade, ein Gläschen Curry-Dattel-Dip und Weintrauben. Meine Begleitung ist so angetan vom Joghurt mit Müsli und Blaubeeren, dass sie sich eine große Portion bestellt. Man hört das Klackern des Löffels in ihrem Kurkuma Latte. Auch das Brot und die Brötchen schmecken hochwertig und keinesfalls oll – alles macht einen vorbildlich frischen Eindruck.
Während ich meinen Ingwer-Zitronen-Tee schlürfe und mir das nächste Brot mit dem superleckeren Dip bestreiche, lasse ich meinen Blick auf ein Regal hinter meiner Begleitung wandern. Dort ist doch auch noch irgendwas, denke ich mir. Und siehe da, kunterbunte Tassen, selbstgebastelte Lichthäuser, Handmade-Ohrringe und weitere Konfitüren für den eigenen Kühlschrank warten hier auf glückliche Abnehmer.
Die Joghurtbowl ist ein gesundes, reichhaltiges Frühstück im Kleinen Café in Rethen.
Foto: Bastian Till Nowak
Wir unterhalten uns gut im Kleinen Café auf dem Lande. Denn unsere Frühstücke laden einfach dazu ein. Man kommt richtiggehend in Schwung, die Laune macht einen Hops, bei dieser Schlemmereinlage. Wir bestellen gleich noch etwas nach, Brot und Getränke. Ein Schluck roter Multivitaminsaft zwischendurch. Inzwischen haben sich die Plätze gefüllt, bestimmt
15 Personen sitzen jetzt im Café, trotzdem fühlt man sich zu keinem Zeitpunkt von anderen Gesprächen unterbrochen oder gar belästigt. So isst und genießt man doch gern.
Was unterscheidet das Kleine Café auf dem Lande in Rethen von vielen anderen Lokalen, mag man sich fragen. Durch die aufbereiteten Second-Hand-Möbel stellt sich beim Schlemmen das Gefühl ein, dass man hier schon einmal war, dass man genau hier schon einmal saß, ja, das ein guter Geist hier eingekehrt ist. Es sind die Gemütlichkeit, die Herzlichkeit und die Freude der Betreiberinnen, die das wunderbare Topping sind – wie der Puderzucker auf einer duftenden Waffel.
Das kleine Café auf dem Lande
Schulstraße 10, Rethen
Di. – So. 9.30 bis 18 Uhr
Tel. 05304-9086188
hallo@das-kleine-cafe.de
das-kleine-cafe.de