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Hochgekochte Gefühle: MC Fittis fresher Abend - KURT traf Gifhorns Rapstar nach seinem ersten Auftritt auf dem Altstadtfest

Matthias Bosenick Veröffentlicht am 30.09.2022
Hochgekochte Gefühle: MC Fittis fresher Abend - KURT traf Gifhorns Rapstar nach seinem ersten Auftritt auf dem Altstadtfest

Cool and the Gang: Der Gifhorner MC Fitti trat in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Altstadtfest auf, Unterstützung bekam er von der Waterloo-Kapelle, die sonst auf dem Schützenfest für Stimmung sorgt.

Foto: Michael Uhmeyer

Mit Pauken und Trompeten erklomm MC Fitti die Rathaus-Bühne beim Gifhorner Altstadtfest: Die Waterloo-Kapelle begleitete nämlich den Sohn Gifhorns bei seinem ersten Auftritt auf dem wichtigsten Fest der Stadt. Ein Traum ging für den als Dirk Witek geborenen Vollbart-Rapper in Erfüllung! Im Gespräch mit KURT schwärmt der 45-jährige Wahl-Berliner von diesem bewegenden Auftritt – und berichtet von neuen Ideen für seine Heimatstadt sowie einer Crossover-EP, die er mit der Kölner Trap-Core-Band Akuma Six veröffentlicht. Metal und Rap neu verquickt!

„Ich bin immer noch nachhaltig begeistert, das war ein schönes Gefühl“, sprudelt es aus Dirk heraus. Zur besten Zeit begrüßte Gifhorn auf der größten Bühne den Musiker, der vor zehn Jahren mit dem Miami-Vice-Hit „30° Grad“ erstmals die Republik in Partylaune versetzte – und auch seine Heimatstadt im Handumdrehen für sich gewann. Schon der Auftakt konnte mehr Gifhorn nicht sein: Als Anführer der Waterloo-Kapelle, die traditionell Schützenfestmusik spielte, überquerte Dirk von außen den Platz und enterte mit den uniformierten Musikern die Bühne. „Das war ein cooler Anblick und hat gut funktioniert“, strahlt Dirk.

Da war auch das letzte bisschen Lampenfieber vergangen. „Ich war mega aufgeregt“, gesteht der Rapper. Schließlich wusste er nicht, ob seine Show bei den Gifhornerinnen und Gifhornern überhaupt ankommen würde – das Altstadtfest-Programm besteht traditionell eher aus Folk, Rock und Coverbands. „Ich stand mit gemischten Gefühlen da. Doch als der Startschuss gefallen war, war auch die Aufregung gefallen“, so Dirk erleichtert.

Den Startschuss gestaltete Dirk typisch unkonventionell: „Ich habe ein paar Sprüche gezogen und ein paar Beats angemacht.“ Dafür hatte er Unterstützung auf der Bühne: Die Sounds kamen von DJ Danny D, MC Izzo trug stimmliche Unterstützung bei und als Überraschungsgast erschien plötzlich DJ Katzenmaske neben Dirk. „Das ist ein alter DJ aus Celle, der kam einfach vorbei und hat rumgetanzt“, lacht Dirk. Passend zum Braunschweiger Izzo, „der ist eine Frohnatur, der hat immer gute Laune“, so der Künstler. „Es hat sich ergeben, dass er zum zweiten Mal für mich Backup-Vocals macht, das hat super geklappt.“ Denn Izzo kann nicht nur singen: „Der ist einfach immer super cool und ein Bewegungstalent, das hat Spaß gemacht.“ Und DJ Danny ist sowieso ein Profi: „Der legt sonst auf Trashpartys in Berlin auf“, erzählt Dirk, „und ist der ehemalige DJ von Casper.“ Zusammen performten sie MC-Fitti-Hits wie „Autoscooter“, „Megalodon“, „Einhorn fang“ und natürlich „30° Grad“.

Vollständig austoben konnte sich Dirk indes nicht: „Von der Setlist musste ich eine Menge streichen, ich hatte nur eine Stunde, mein Standard sind zwei Stunden.“ In dieser einen Stunde brannte er trotzdem das bestmögliche Konfettifeuerwerk ab.

Was Dirk von der Bühne sah: Publikum so weit das Auge reicht. „Ich hab das Strahlen bei den Leuten gesehen!“ Und überhaupt die positive Stimmung: „Die Leute haben getanzt, sich unterhalten, sich angeprostet – die Zuschauer waren happy.“

Dirk nicht minder, für ihn war das Altstadtfest ein „Familientreffen“, er begegnete Freunden, Kumpels, früheren Weggefährten und Familienmitgliedern. So holte er zum letzten Song seinen Vater Rolf Witek auf die Bühne – seine Mutter war verhindert. „Ich habe mich bei ihm bedankt, dass ich nur durch ihn auf dem Altstadtfest spielen konnte.“

Ein lustiges Missverständnis gab es zwischendurch mit Ex-Kollege Mike, mit dem Dirk einst die Berufsschulbank während der Elektriker-Ausbildung drückte. „Der stand unten in der ersten Reihe“, erzählt der Rapper, der in die Menge rief: „Wer möchte stagediven?“ Der Kollege hatte das nicht gehört, winkte aber fröhlich, was Dirk wiederum als Handzeichen auffasste und ihn auf die Bühne holte. „Ich dachte: Alter, cool, in dem Alter“, lacht Dirk, der ihm auf der Bühne zurief: „Jetzt spring!“ Mike war perplex: „Wie?“ Und ließ sich dann tatsächlich von der Bühne fallen. Das Publikum fing ihn mit den Händen auf, alles verlief sicher und gut, und Mike schrieb Dirk hinterher, seine Tochter habe sich „totgelacht“ darüber.

Eine andere Aktion von Dirk blieb indes ohne die erhoffte Resonanz. Zum Auftakt rief Dirk nämlich von der Bühne, dass er sich gern ins Goldene Buch der Stadt eintragen und Ehrenbürger werden würde. Dirk lacht: „Ich hab gehört, der Bürgermeister hat zugeguckt am Bierwagen, ich hätte ihn auch auf die Bühne geholt.“ Passiert ist jedoch nichts, aber vielleicht ja bei einem zweiten Altstadtfest-Auftritt. Überhaupt fragte sich Dirk: „Warum erst so spät?“ Denn: „Ich wollte schon immer mal auf dem Altstadtfest auftreten, es hat nie geklappt.“ Aber jetzt: „Dass ich das nochmal erleben durfte mit 45!“ Erst 45 übrigens, nicht bereits 46, wie es Wikipedia immer noch fälschlich behauptet. Er seufzt: „Krass – früher war man selber da, hat in der Zickengasse abgehangen und das Geschehen auf dem Marktplatz verfolgt.“ Und jetzt war er selbst dieses Geschehen.

Früher malte er mit Baumarkt-Cans auf Schallschutzwände: Der Gifhorner Rapper MC Fitti liebt Graffiti.

Foto: Philipp Gladsome

Teil des Geschehens möchte Dirk in seiner Geburtsstadt künftig gern häufiger sein: „Ich hab Bock, in Gifhorn immer was zu machen.“ So hatte er ursprünglich die Idee gehabt, eine „Coming-Home-Ding-Altstadtfest-Abrissparty von 0 bis 5 Uhr“ zu machen, doch dann durchkreuzte Corona diese Pläne. Er winkt ab: „Das kommt wann anders.“ Denn: „Es ist cool für Gifhorn, dass ein bisschen was geht“, und dazu möchte er wieder mehr beitragen. Früher veranstaltete Dirk selbst Hip-Hop-Partys, „aber es muss ja gar nicht Hip-Hop sein, ich bin ja nicht nur Hip-Hop“. So steht er etwa mit dem Gifhorner Produzenten kanne38 in Kontakt.Zudem trägt er die Idee von einer „Schloss-Session“ mit sich herum und kann sich auch eine weitere Zusammenarbeit mit der Waterloo-Kapelle vorstellen: „Was machen für Gifhorn!“ Neue Angebote liegen ihm noch nicht vor, doch er hofft, mit seinem Gig bei den richtigen Leuten für offene Ohren gesorgt zu haben.

So ganz der erste Auftritt in seiner alten Heimat war das Altstadtfest für Dirk indes nicht: Erst vor drei Jahren erlebte Gifhorn ihn im Kultbahnhof bei Unser Aller Festival. „Da bin ich auf einem Tourstopp reingerutscht“, erinnert sich Dirk. Vorab hatte ihn die Zucre Dance Crew gefragt, ob er nicht in ihrer Show auftreten wolle, „da habe ich während der Performance ein paar Songs gespielt“. Er ist hautnah, der Fitti.

Zwischen dem zweiten Album „Peace“ und dem aktuellen Nachfolger „Graffiti“ vergingen satte sieben Jahre, in denen Dirk ausschließlich Streaming-Singles auf den Markt brachte. In der Szene normal. Doch Dirk dachte sich: „Ich möchte ein Album machen, das ist untypisch mittlerweile.“ Dieses Album ist nun „so‘n Sammelding“ geworden, die Songs sind alle unterschiedlich alt. Und der Titel hat einen direkten Bezug zu Dirk: „Graffiti ist mein großes Hobby, ich habe früher schon bei Schlifski an der Wand gesprayt.“

So wie mit den Songs verhält es sich auch mit der Farbsprühkunst für Dirk: „Graffiti mischt alle Farben, macht alles bunt, mischt alle Formen.“ Auf dem Album hört man analog dazu einige Features, alles Bekannte des Rappers, darunter Blümchen alias Jasmin Wagner, „Evil“ Jared Hasselhoff von der Bloodhound Gang und Sascha „Hoss Power“ Vollmer von Bosshoss. Die Kontakte fand MC Fitti auf kurzem Wege in Berlin: Sie wohnen alle „bei mir im Viertel“, strahlt Dirk.

Ein Fitti-Selfie ist begehrt: Nach seinem Auftritt auf dem Gifhorner Altstadtfest traf der Rapper noch auf zahlreiche Fans.

Foto: Michael Uhmeyer

Musik nimmt MC Fitti weiterhin auf. Zuletzt mit den Gewinnern des Warsteiner Bandcontests, in dessen Jury Dirk saß und bei dem die Teilnehmer Songs der Castrop-Rauxeler Metalcore-Band Electric Callboy, früher Eskimo Callboy, und eben MC Fittis „neu interpretieren“ sollten. „Ein Cover hat mir so gut gefallen“, schwärmt der Rapper, und genau die Gruppe trug dann auch den Sieg davon: Die Trap-Core-Band Akuma Six aus Köln. „Das sind Youngsters Anfang 20“, die sich für „Gaming, Pikachu, Magic-Karten und Cosplay“ interessieren. „Ich fand das funny“, lacht Dirk und verrät: „Zocken ist auch mal ganz cool.“ Akuma Six nun coverten Dirks alten Hit „Geilon“ in einer brutalen elektronisch unterfütterten Metal-Version, was Fitti so umhaute, dass er prompt eine ganze EP mit den Kölnern aufnahm.

Die Stücke dieser „Pop Core Tuning EP“ kommen nach und nach auf Spotify heraus, das neue „Geilon“ begeistert die Fans beider Lager bereits. An diesem modernen Crossover hat Dirk einen Narren gefressen. „Das mache ich, weil ich Bock darauf habe“, schwärmt Dirk. „Ich mag Gitarrenmusik und supporte die ein bisschen.“

Außer der Musik hat Dirk noch viele weitere Betätigungsfelder: Schauspielerei, Synchronsprechen, Kunst und soziales Engagement. Zuletzt unterstützte er den Verein Royal Fishing Kinderhilfe, die Kindern das Angeln ermöglicht. „Ich angle auch gern, nicht hardcore, aber mit Freunden gern aufs Boot und ein paar Hechte ziehen“, erläutert Dirk. „Ich fand das cool, mit den Kids etwas zu machen.“ Denn: „Wenn man die Möglichkeit hat, etwas zu unterstützen, sollte man das auch machen.“

Die Synchronsprecherei hingegen „habe ich lang nicht gemacht“, winkt Dirk ab. Vor einigen Jahren lieh er der Zeichentrickserie „We Bare Bears“ seine Stimme. Er erzählt: „Zuerst war ich schüchtern“, so allein vor dem Mikrofon. „Aber irgendwann gehst Du drin auf und schreist rum – dann kannst Du gar nicht anders.“ Beim Schauspielen wiederum sagt er gern zu, sobald er sich quasi selbst spielen kann, „Cameos mache ich gerne“. Zuletzt in der Joyn-Serie „Das Internat“, in der er einen Major „im MC-Fitti-Look“ darstellt, der die Internatsschüler für die Armee begeistern will. „Ich soll den Kids sagen: Cool, kommt zur Bundeswehr, da könnt Ihr mit fetten Granaten schießen.“ Er lacht: „Ich sollte als Major die Kinder anschreien!“ Auch da war er vorher aufgeregt. „Man muss seinen Text wissen“, sagt der Profi, „denn wenn Du fünfmal verkackst, gucken die Leute komisch.“ Die Schauspielerei hatte er nie gelernt: „Wenn so etwas aufpoppt, muss man es machen!“

Und wenn die Einladung zum Altstadtfest aufpoppt, ebenfalls. „Das war ein fresher Abend auf dem Marktplatz“, sinniert MC Fitti, immer noch voll geflasht. „Das war ein wunderschönes Erlebnis, da sind Gefühle hochgekocht – mega!“

MC Fitti & Akuma Six: Geilon
Single, 3:11 Minuten
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