Musical

Für das Licht in der Nacht: Gifhorner Musical bringt Emmie Wegner aus Wahrenholz und Matilda Camehl aus Dannenbüttel in die Hauptrolle

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 01.01.2026
Für das Licht in der Nacht: Gifhorner Musical bringt Emmie Wegner aus Wahrenholz und Matilda Camehl aus Dannenbüttel in die Hauptrolle

In „Für das Licht in der Nacht“ geht es um die heilende Kraft von Fantasie und Trost. Das Musical, produziert von den Gifhornerinnen Vanessa Donelly und Nathalie Wagner-Börner, feierte Weltpremiere in der Stadthalle Gifhorn.

Foto: Michael Uhmeyer

Die Kraft der Bühne ist bahnbrechend. Das Faszinierende ist: Alle fühlen. Die Schauspielerinnen und Schauspieler unter dem Scheinwerferlicht genauso wie das Publikum, was gebannt seine Fingernägel in die Armlehne schlägt. Einen solchen Abend erlebten die Zuschauer gleich zweimal in der Gifhorner Stadthalle mit dem Stück „Für das Licht in der Nacht“, einem Musical, das die preisgekrönte Gifhorner Komponistin Vanessa Donelly zusammen mit Natalie Wagner-Börner von der Tanzschule Wagner produzierte. Sie waren nicht die einzigen Stars des Abends: Emmie Wegner (11) aus Wahrenholz und Matilda Camehl (9) aus Dannenbüttel spielten jeweils einen Abend die Protagonistin Lucy, die in tiefer Trauer den Tod ihrer Mutter verarbeiten muss. KURT blickte hinter die Kulissen.

„Wir entführen mit dem Musical das Publikum in die Fantasiewelt von Lucy, die aus den Erzählungen des Vaters entsteht“, berichtet Vanessa Donelly. „Trauer kann leider auch kleine Menschen treffen, wie die Lucy. Wir möchten sagen: Trauer ist ein Spektrum. Verzweiflung, Einsamkeit, große Gefühle, trotzdem auch Lachen – all das gehört dazu.“ Die Geschichte zu dem Stück schrieb ihr Freund James Coleman aus London. Ins Deutsche übersetzte Anett W. Schilde, die auch den Chor Albertinies von der Albert-Schweitzer-Schule leitet, der zusammen mit Chorissimo aus Osloß und Vocal Street aus dem Gifhorner Freizeit- und Bildungszentrum Grille für den raumgreifenden, traumhaften Gesang sorgte.

Ohnehin ist „Für das Licht in der Nacht“ ein bis dato einzigartiges Projekt gewesen, wie Vanessa Donelly – Komponistin, Produzentin, Musikerin, Songwriterin, Kabarettistin – erklärt: „Für mich sind mehrere Welten gecrasht. Gifhorn ist meine Heimat, hier habe ich sonst meine Ruhe und fühle mich behütet. Die Regisseurin Joyce Diedrich stammt aus meiner Berlin-Welt, der Bookwriter aus meiner London-Welt, und für mich war das ultra aufregend, wie diese Welten hier in Gifhorn im Prozess verschmolzen sind.“ Plötzlich wird Gifhorn so zum Schmelztiegel der Kulturen. Angereist sind unter anderem die vier Musikerinnen des weiblichen Streichquartetts Eklipse.

Eine große Reise, nämlich des emotionalen Wachstums und der blühenden Imagination, unternimmt derweil auch Lucy in „Für das Licht in der Nacht“. Während für die erwachsenen Figuren mit Sebastian Smulders (Vater), Elena Otten (Mutter), Lisa Hintzke (Tante) und Rafael Albert (Onkel) professionelle Musical-Darstellerinnen engagiert wurden, greifen die Produzentinnen Donelly und Wagner-Börner beim Herzstück des Musicals absichtlich auf junge Talente aus dem Landkreis Gifhorn zurück.

An zwei Wochenende wurde das Stück „Für das Licht in der Nacht“ gezeigt. Backstage wurde deswegen auch fleißig geschminkt und kostümiert.

Foto: Michael Uhmeyer

Emmie Wegner trainiert in der Tanzschule Wagner, Matilda Camehl erfuhr über eine Freundin vom Casting für das Musical. „Ich war ein bisschen aufgeregt“, gesteht Matilda, und Emmie nickt: „Ich wollte das aber gerne machen, denn mir macht die Schauspielerei Spaß.“ Das Einprägen der frisch eingetippten Dialoge, für viele sicherlich eine Herausforderung, ist kein unüberwindbares Problem für die beiden. „Wie Gedichte auswendig zu lernen. Das ist ganz einfach!“, findet Matilda. Sie lernen eine Szene, in der Lucy und ihr Papa zusammensitzen. „Ich fand den Text gleich cool, denn ich mag‘s gerne, wenn ich den Papa ärgern darf“, lacht Emmie über das Casting.

Wer seinen Text kennt, der steht auf sicherer Grundlage. Doch zum Schauspiel in einem Musical gehört natürlich noch einiges mehr, wie die beiden wissen. „Auf der Bühne muss man auch Kostüme anziehen, was mir auch sehr gefällt. Froh bin ich allerdings, dass wir nicht singen mussten, denn das kann ich nicht so gut“, sagt Emmie verschmitzt. Zumal die Nervosität weiter eine Rolle spielte, wie Matilda erklärt: „Von der Grille ging es mit den Proben irgendwann in die Stadthalle. Da war ich schon aufgeregter.“ Hilfreich, dass sich die beiden Lucy-Darstellerinnen aber gegenseitig absicherten.

Auch konnten die beiden auf die Unterstützung von Vanessa Donelly, Natalie Wagner-Börner und Joyce Diedrich setzen. „Mit Joyce haben wir am meisten Zeit verbracht, sie hat uns bei vielem geholfen“, ist Emmie dankbar. Beim Tanzen lockerer sein, wenn auf der Bühne etwa die Haare im Turban hängenbleiben, einfach in die Wut reinspielen. „Und man darf das Mikro in den kurzen Pausen nicht anlassen“, lacht die vorbildliche Matilda.

Wenn man auf der Bühne steht und ins Publikum blickt, sieht man von den Gästen in der ersten Reihe jede Regung, so ausgeleuchtet sind sie. Der Rest allerdings verschwimmt im diffusen Dunkel. So konnten die Mädchen zwar nicht jeden Bekannten im Publikum erkennen, doch der Applaus sprach schon eine klare Sprache. Das erste Gefühl: Schön, wie alles geklappt hat. Gleich danach: Schade, dass alles vorbei ist. Ein Anflug von Trauer sogar, wie Matilda meint.

Emmie Wegner (links) und Matilda Camehl durften für jeweils einen bewegenden Abend in das Kostüm der Hauptfigur Lucy schlüpfen.

Foto: Michael Uhmeyer

„Die Kids haben das so toll gemacht“, schwärmt Vanessa Donelly. Die Gifhornerin blickt auf das Musical voller Glückseligkeit zurück. Nur ein paar tontechnische Mätzchen in der ersten Aufführung – bei insgesamt 300 beteiligten Personen auf und neben der Bühne ist das zwar enorm schade, die Situation konnte aber später gelöst werden. Insgesamt ein „gigantischer Aufwand“, wie Vanessa Donelly beschreibt: „Alle zu koordinieren, war nicht einfach. Jeder hat großes Engagement gezeigt, um das möglich zu machen.“ Und so ist am Ende ein Teamgeist entstanden, der alle Beteiligten zusammengeschweißt hat. „Ein großer Dank gilt auch der Grille und vor allem Marion Friemel, die immer dabei war und so viel von der Organisation übernommen hat. Eine gigantische emotionale Hilfe.“

Wie es nun weitergeht – alles ist denkbar, wie Vanessa Donelly erläutert. „Jedes Projekt bringt andere Gefühle mit sich. Das Musical bedeutet mir sehr viel. Wir möchten es gern an alle Theater schicken.“ Eine Aufnahme von Kai Schelenz, Fotograf und Kameramann, macht‘s möglich. „2026 soll das Stück auf Englisch auch Industry-Publikum gezeigt werden.“ Gifhorn goes global: Wer weiß, ob dieses Musical nicht irgendwann auch in Hamburg, im West End in London oder am Broadway in New York aufgeführt wird.


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