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Grüne Weide und saftiges Gras für glückliche Kühe: Was artgerechte Tierhaltung ist, zeigt Marcel Behrens in Helmerkamp bei Celle

Daniela Stephan Veröffentlicht am 06.06.2022
Grüne Weide und saftiges Gras für glückliche Kühe: Was artgerechte Tierhaltung ist, zeigt Marcel Behrens in Helmerkamp bei Celle

Neben den Angus-Rindern hält Marcel Behrens auch zwölf Rinder der Rasse Harzer Rote Höhevieh. Von denen gibt es nur noch wenige Tiere, darum beteiligt sich der Landwirt daran, die Zucht zu erhalten.

Foto: Michael Uhmeyer

Da darf die Kuh noch Kuh sein und gemeinsam mit der Herde über die Weiden flitzen: Bei Landwirtschaftsmeister Marcel Behrens in Helmerkamp im Celler Land haben rund 90 Rinder ihr Zuhause – einige Kälber werden auch noch erwartet. Der Jung-Landwirt hält zwei Rassen in vier Herden: die Angus-Limousin-Rinder, deren Name dem französischen Ort Limousin entstammt, und das robuste Harzer Rote Höhenvieh. „In jeder Herde leben Kühe, Kälber und je ein Bulle zusammen“, erklärt Marcel. „Die Kälber wachsen hier muttergebunden auf und bleiben bis zu einem Jahr bei der Mutterkuh.“

Ursprünglich kommt Marcel Behrens aus keiner Landwirtsfamilie und hatte als Junior lediglich Kaninchen in seiner Obhut. Er ist gelernter Tischler. Doch bereits kurz nach Beginn seiner Lehrzeit ist der heute 30-Jährige dann schon auf die Kuh gekommen. So wohnten fortan zwei Angus-Rinder-Damen in seinem Garten oder auf den benachbarten kleinen Wiesen im Dorf. Namen hatten sie keine, aber bis heute weiß Marcel die Ohrmarken auswendig: „503 und 508“.

Schon damals half Marcel ab und zu beim befreundeten Landwirt Hans-Joachim Cantrup-Knoop aus, bis dieser ihn 2011 fragte, ob er nicht bei ihm anfangen möchte. Marcel musste nicht lange überlegen. Um es dingfest zu machen, entschloss er sich für eine Ausbildung zum Landwirt und hängte bald darauf den Landwirtschaftsmeister hinten dran – den er als Prüfungsbester bestand und seitdem auch im Prüfungsausschuss tätig ist. Marcel arbeitet weiterhin auf dem Hof, auf dem er gelernt hat, dort werden überwiegend Getreide, Zuckerrüben und Mais angebaut. „Wir teilen uns die Arbeit“, sagt er begeistert. „Alles basiert auf gegenseitigem Vertrauen und geht Hand in Hand.“

Die zwei Rinderdamen von einst blieben nicht lange allein. „Es wurden stetig mehr Rinder, so dass ich immer weitere Weideflächen brauchte.“ Auch Unterstände und Hallen sind im Laufe der Zeit hinzugekommen, damit die Angus-Rinder gut überwintern können. Robuster ist da das Harzer Rote Höhenvieh. „Die stören die winterlichen Temperaturen nicht, auch kein Schnee. Nur das nasskalte Matschwetter mögen sie nicht – ähnlich wie wir“, lacht Marcel. Da es nur noch wenige Tiere dieser Rasse gibt, beteiligt sich Marcel seit einigen Jahren daran, diese Zucht zu erhalten. Er hält derzeit eine Herde mit zwölf Tieren, die voraussichtlich im Sommer um weitere acht Kälber heranwächst. „Das Harzer Urvieh kalbt von ganz alleine“, erklärt der Landwirt.

Auf den Weiden von Landwirtschaftsmeister Marcel Behrens grasen 78 Angus-Limousin-Rinder – 26 davon sind noch Kälber.

Foto: Marcel Behrens

Auf rund 40 Hektar verteilt können die Rinderherden grasen. Dafür fährt Marcel jeden Tag seine Runden und kontrolliert, ob alles in Ordnung ist. Unterstützt wird er dabei von fleißigen Helfern wie seinem Papa. Und die braucht er, wenn die Weideflächen gemäht und zu Heuballen gepresst, die Herden umgesetzt oder wieder eingefangen werden müssen – wie vor etwa zwei Jahren, als eine Herde ausbüchste. „Rinder trennen sich nicht, aber damals sind sie in verschiedene Richtungen entlaufen. Ein Zeichen dafür, dass der Wolf da gewesen ist.“

Inzwischen leben 78 Angus-Rinder bei Marcel, 26 davon Kälber. „Nach etwa drei Jahren werden sie dann vermarktet oder für die Zucht freigegeben“, berichtet der Landwirt. Artgerechte Haltung ist mehr als ein Trend, da ist sich der Landwirt sicher.

Das Qualitätsfleisch von Angus-Limousin-Rindern ist nicht nur kalorienarm, sondern auch außergewöhnlich zart und saftig im Geschmack, so Marcel Behrens. Es kann in küchenfertigen Paketen von 10 Kilogramm für 15,50 Euro das Kilo oder ab 20 Kilogramm für 14,50 Euro das Kilo erworben werden. Im Paket enthalten sind Gulasch, Rouladen, Braten, Steaks, Mett, Suppenfleisch, Beinscheibe und Hohe Rippe. Filet kostet 42 Euro pro Kilogramm. Außerdem sind auch verschiedene Wurstsorten im Angebot. Geschlachtet wird ab Oktober jeden Jahres oder nach Anfrage.

Marcel Behrens
Herdkamp 20, Hohne
Tel. 0174-1910754
m.behrens91@web.de