Engagement

Eltern haften für ihre Kinder - Was Familie heute ausmacht...

Martin Wrasmann Veröffentlicht am 25.10.2020
Eltern haften für ihre Kinder - Was Familie heute ausmacht...

Die Familie ist der zentrale Ort, an dem Freiheit und Bindung positiv erfahren werden können.

Foto: Pixabay (Symbolbild)

Die Familie als eine Grundfeste unserer Gesellschaft steht in einem großen Veränderungsprozess. Passt die Familie zur Lebenswirklichkeit im 21. Jahrhundert? Steht das traditionelle Familienbild nicht konträr zu einer Gesellschaft, die sich zunehmend als offen, divers und liberal beschreibt und vielleicht ja auch erlebt? Fragen, die für die Zukunft unserer Gesellschaft eine hohe Bedeutung haben und nach Antworten suchen.

Es gibt in unserer Gesellschaft eine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit und Zusammenhalt, gerade in der jungen Generation – Treue steht an oberster Stelle der Erwartungen an eine gelungene Beziehung. Demgegenüber steht eine Realität, die auf diese Sehnsüchte keine ausreichende Antwort findet.

Noch nie gab es so viele Möglichkeiten der Kommunikation wie heute: Telefon, Festnetz oder Handy, soziale Medien, Chatrooms... Das Bedürfnis nach ständiger Kommunikation ist riesengroß. Warum eigentlich? Vielleicht ist dies eine Antwort darauf: Wir leben heute in einer Multioptionsgesellschaft, das heißt es gibt eine schier unendliche Vielzahl von Lebens- und Zukunftsentwürfen, eine Pluralität von Werten und Sinnvorstellungen. Um meine eigene Identität zu finden, muss ich ständig auf der Suche sein, flexibel bleiben, zukunftsoffen. Was heute noch passt, gilt vielleicht morgen schon nicht mehr. Und genau diese Entwicklung führt in eine Destabilisierung der eigenen Identität, sehr gut beschrieben in einem Song von Silbermond: „Gib mir ‘n kleines bisschen Sicherheit in einer Welt, in der nichts sicher scheint. Gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas das bleibt.“

Während wir auf der einen Seite die Suche nach einem sicheren Leben konstatieren, leiden gerade Kinder und Jugendliche an Beziehungsarmut und tiefer Unsicherheit. Viele leben in schwierigen familiären Beziehungen, erleben Abbruch, Neuanfang, Zerrissenheit, erfahren Enttäuschungen und Verletzungen. Die Beziehungen in einer Patchwork-Familie gut zu gestalten, ist eine hohe Anforderung an Erwachsene und Kinder. Wir wissen, wie wichtig Bezugspersonen gerade für das Heranwachsen von Kindern sind, seien sie innerhalb oder außerhalb der Familie. Kommunikation – Austausch von Meinungen, Denkweisen und Gefühlen – ist ein wesentlicher Bestandteil von guten Beziehungen. Keine Beziehung kann ohne Kommunikation existieren!

Doch Beziehung ist mehr als Kommunikation, eine tiefere Verbindung. Wenn ich eine Beziehung knüpfe, eine Bindung eingehe, da kommen andere Worte und Werte zum Tragen wie Hingabe, Liebe, Treue. Wie werden wir aber fähig zu solchen Bindungen und wollen wir sie überhaupt?

Oder empfinden wir zunehmend feste Bindungen als Freiheitsverlust? Familie ist dabei der zentrale Ort, an dem Freiheit und Bindung positiv erfahren werden können, sie gilt es zu stärken in jeglicher Hinsicht, wenn sie ein sicherer Hort für die Kinder sein soll.

Kinder brauchen einen Ort, an dem sie lernen, spielen, ausprobieren, heranwachsen und Kind sein können. Sie zu schützen heißt all das sicherzustellen. Im Alltag ist das natürlich nicht immer so einfach. Elternschaft bringt jede Menge Herausforderungen mit sich. Besonders Frauen jonglieren häufig mit Beruf, Kindererziehung, Partnerschaft, Freundschaften, Hobbys und so weiter. Für Alleinerziehende, Frauen wie Männer, ist das erst recht kompliziert. Deshalb verdient Elternschaft Unterstützung – unabhängig davon, wer die Eltern sind.

Soziale Sicherheit ist dabei ebenso wichtig wie ausreichend Wohnraum – mehr jedoch gilt es, die Rolle der Eltern in ihrer Beziehung zu ihren Kindern zu entfalten und zu stärken, sie sind Bezugs- und Orientierungspersonen.

Es braucht Eltern, die sowohl das Netzwerk Familie organisieren, wie auch den Raum für Träume schaffen. Dort, wo Eltern ihre Rollen klar und eindeutig leben, werden Kinder stark. Und vor allem, weil die Würde des anderen zur DNA des Zusammenlebens gehört, hat psychische wie physische Gewalt keinen Platz. Und deshalb: Eltern haften nicht nur für ihre Kinder, Eltern halten und tragen ihre Kinder.