Schützenfest in Gifhorn

Als König wird man von beiden Korps hofiert: Für Gifhorns Schützenkönig Wilfried Albrecht ist das Eintracht und Bürgersinn

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 14.06.2026
Als König wird man von beiden Korps hofiert: Für Gifhorns Schützenkönig Wilfried Albrecht ist das Eintracht und Bürgersinn

Welch Ehre: BSK-Major Carsten Gries hängt Wilfried Albrecht die Königskette um. Nach 2009 ist es seine zweite Regentschaft.

Foto: Michael Uhmeyer (Archiv)

Wenn wir großzügig schätzen, sind ungefähr 1500 Personen Mitglied im Bürgerschützenkorps (BSK) oder Uniformierten Schützenkorps (USK) – manche auch in beiden Vereinen. Doch nur die wenigsten schaffen es, Schützenkönig zu werden. Noch geringer ist die Zahl derer, denen dieses Kunststück doppelt gelingt. Wilfried Albrecht ist einer dieser seltenen Spezies, so etwas wie ein kapitaler Hirsch auf der Lichtung des Gifhorner Schützenwesens.

Erstmals machte sich Wilfried Albrecht 2009 zum König. Das war gerade mal drei Jahre nach seinem Eintritt ins BSK, wo er dem 8. Zug angehört. Kurze Zeit später schloss er sich außerdem dem 4. Zug USK an. Auch in dieser Hinsicht ist er Schütze durch und durch, fest verwurzelt in Gifhorn und seinem Schützenwesen, und bloß parteiisch für seine Herzensangelegenheit.

„Das Protokoll ist so wie früher“, meint Wilfried Albrecht. „Als König wird man von beiden Korps akzeptiert und hofiert – das ist für mich Eintracht und Bürgersinn.“ Bei der ersten Krönung sei er noch unbefleckt gewesen, meinte er, jetzt durchlaufe er vieles sehr viel abgeklärter. Was auch daran liegen dürfte, dass er elf Jahre lang der Sprecher der Gifhorner Schützenkönige war. Wer so viel Kontakt zu den Königen hat, der gewöhnt sich vermutlich an den Umgang mit der besonderen Euphorie, die nur Menschen ausstrahlen, die gerade von ihrem Königsschuss erfahren.

Wenn man Wilfried Albrecht nach seinen Freuden und Erinnerungen an die vergangenen zwölf Monate als Gifhorns König fragt, dann holt er – vorher um Erlaubnis bittend – weit aus. Es geht dann um die blutige Geschichte Gifhorns, Heinrich den Löwen, die Welfen, die kriegerische Rivalität zwischen Hannover und Braunschweig, Salzstraße und Kornstraße. Das ist sein anderes großes Anliegen: die Tradition, die Herkunft.

Deswegen ist für ihn die Diskussion um den Königsschuss von 2024 inklusive des Ratsbeschlusses „ein Einwand, der das Schützenwesen fürchterlich erschüttert hat“, findet König Wilfried. Man habe der Stadt Gifhorn immaterielles Eigentum genommen. „Alle Personen auf eine Scheibe schießen zu lassen, das ist natürlich absoluter Blödsinn.“

Demgegenüber mag Wilfried Albrecht sehr die Geselligkeit des Gifhorner Schützenwesens. Und gerne nimmt er auch an den Schießen teil, an der sportlichen Ertüchtigung, „denn dabei muss man den eigenen Körper konditionieren“. Man habe zwar Wettbewerber, sagt er, trete aber auch immer gegen sich selbst an, weil man jedes Mal ein Stückchen besser werden möchte, besondere Atemtechniken inklusive. „Dieser Zustand stellt mich durchaus zufrieden.“

Wenn man ihn nach seinem Königsschuss fragt, ist er ganz bescheiden. Das sei nur Glück gewesen, trägt König Wilfried vor. Denn es gebe ja mehrere Arten, um König zu werden im Landkreis Gifhorn, und dann fängt eine weitere spannende Geschichtsstunde an…


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