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Drohnen statt Autos: In seiner Kolumne hinterfragt Malte Schönfeld eine Re-Militarisierung von Produktionsstandorten

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 21.06.2026
Drohnen statt Autos: In seiner Kolumne hinterfragt Malte Schönfeld eine Re-Militarisierung von Produktionsstandorten

Wie bewegen wir uns in Zukunft fort, sodass unsere Umwelt so wenig Schaden wie möglich nimmt? Wie wird unsere Welt lebensfreundlicher und gerechter? Das sollte für unseren Redaktionsleiter Malte Schönfeld die Maßgabe eines Autobauers sein. Was ihm aber gar nicht zusagt, ist eine Re-Militarisierung von Produktionslinien und Standorten.

Foto: KURT Media via Dall-E

Baut Volkswagen jetzt wirklich bald wieder Kriegsgerät im großen Stil?

Es steht schlecht um die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die Probleme Deutschlands sind benannt: Energiekrise, demographischer Wandel, feindliche Einwanderungsgesetze, marode Infrastruktur wie das Schienennetz, schwindelerregende Mietpreise in Ballungsräumen und so weiter. Vieles kann mit Künstlicher Intelligenz gelöst werden, sagen sich Politiker, die Wirtschaftsweisen und Firmenchefs. Doch KI bringt keine Kaufkraft, baut keine Krankenhäuser, pflegt keine Bedürftigen und repariert keine Waschmaschine.

Über die wirtschaftliche Bedeutung von VW muss man kaum Worte verlieren. Unsere Region wäre eine andere, wenn es den Autobauer nicht gäbe. Und das Unternehmen ist für viele Beschäftigte fester Bestandteil der Biographie und des Status. Schon Opa und Oma fertigten Autos am Band, bauten Standorte auf. Das Werk. Der Käfer. Der Golf. Bisweilen verschmelzen für einige Angestellte Identität und Firmenagenda, dass Sigmund Freud seine blanke Freude daran hätte. Auf die Frage „Was arbeitest Du?“ antworten nicht wenige mit: „Ich bin bei Volkswagen.“

Aber auch der Industriegigant fürchtet sich vor der Wirtschaftskrise, ist in mancher Hinsicht ihr Motor. Früher floss jeder dritte Euro im Umsatz aus China in den Konzern; heute setzen Chinesen auf eigene Marken. Batterie, Software, Infotainment – nirgends ist der ehemals größte Autobauer wirklich spitze. Dieselgate. Das Festhalten, gemeinsam mit der Politik, am Verbrenner bleibt ein strategischer Fehler, obwohl man die Weichen bereits auf E-Mobilität umgestellt hatte.

Erstaunlich leise schien in den vergangenen Wochen da die Diskussion, ob VW nicht doch andere Wege gehen müsste. „Wir sind in Osnabrück weiterhin dabei, an einer Lösung zu arbeiten, (...) haben auch Gespräche mit Rüstungsunternehmen“, verriet VW-Chef Oliver Blume angesichts der baldigen Auftragslücke, die 2300 Arbeitsplätze bedroht, weil einige Modellproduktionen auslaufen. Rückendeckung hat er von Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Überlegt werden wohl Drohnen oder Fahrzeuge für den militärischen Transport wie beim Joint Venture Rheinmetall MAN Military Vehicles. Israels Iron Dome statt Mobilitätswende? Hand in Hand mit Rheinmetall, um den Volkswagen zurück aufs Kriegsfeld zu fahren?

Die Stadt des Kraft-durch-Freude-Wagens entspringt dem Wunsch Adolf Hitlers. Ab 1940 wurde der Fahrzeugbauer in Wolfsburg in ein Rüstungsunternehmen verwandelt, fertigte Bomben, den Kübelwagen VW 82 und später die „Vergeltungswaffe 1“. Vier Jahre später, 1944, machten rund 20.000 ausländische Zwangsarbeiter fast zwei Drittel der gesamten Belegschaft aus. Das Konzentrationslager „Arbeitsdorf“ umfasste 800 politische Häftlinge.

Historisch begründet gibt es ein moralisches Argument, als Volkswagen vom Wettrüsten die Finger zu lassen. Es gibt aber auch ein universelles. Internationale Beziehungen sollten nicht mit deutscher Rüstung ausgeführt werden, sonst macht man sich schuldig im Jemen, in Gaza und bei den Kartellkriegen in Mexiko. Könnte VW nicht einfach auf den Bau von Batterien, Bussen, Klimaanlagen oder Wärmepumpen setzen?


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