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Vom Probeschießen auf die Punktejagd: Gifhorns Fußballteams starten im Pokal und in der Liga in die Pflichtspielzeit

Jens Neumann Veröffentlicht am 16.08.2021
Vom Probeschießen auf die Punktejagd: Gifhorns Fußballteams starten im Pokal und in der Liga in die Pflichtspielzeit

Der Einsatz muss stimmen: Arne Jaeger (rechts) und der MTV Gifhorn sind in der Oberliga von Beginn an gefordert.

Foto: Jens Semmer/regios24

Endlich, endlich: Die Visiere sind so gut wie möglich eingestellt, die Platzpatronen werden gegen „scharfe“ Munition getauscht – das Probeschießen ist vorüber! Die Jagd nach Punkten und Siegen beginnt, es wird wieder ernst für die Fußballer im Kreis Gifhorn, für die auf Landes- und Bezirksebene im August die ersten Punkt- und Pokalspiele auf dem Programm stehen. Oberligist MTV Gifhorn durfte sogar schon ran – und vergeigte seine Saison-Premiere gegen BW Tündern.

Keine Frage, es war alles andere als eine normale Vorbereitungszeit, die hinter den Akteuren und Verantwortlichen liegt. Nach mehr als acht Monaten Corona-Zwangspause war der sogenannte „Re-Start“ vielerorts sogar ein Neustart – es ging praktisch bei null los. Und das zeigte sich auch in den zahlreichen Testspielen, in denen oftmals noch reichlich Sand im Getriebe war, in denen noch lange nicht ein Rädchen wie gewohnt ins andere griff.

Es dürfte noch einige Zeit dauern, bis die Teams da sind, wo ihre Trainer sie gerne sehen würden. Die späten Sommerferien haben einen weiteren Teil dazu beigetragen und dafür gesorgt, dass die Feinjustierung der Visiere noch nicht ganz abgeschlossen ist. Immer wieder fehlten urlaubsbedingt etliche Stammkräfte, die Automatismen können folglich noch nicht greifen. Und dennoch: Ab jetzt gilt es wieder, ab jetzt müssen die Fußballer wieder scharf schießen, wenn sie auf ihrer Tore- und Punktejagd nicht frühzeitig ins Hintertreffen geraten wollen.

Gleich den Vorwärtsgang müssen Rückkehrer Marvin Luczkiewicz (rechts) und der MTV Gifhorn beim Oberliga-Marathon bis zur Winterpause einlegen.

Foto: Jens Semmer/regios24

Die Oberliga-Kicker des MTV Gifhorn sind bereits seit dem 8. Juni wieder komplett im Training, das erste Pflichtspiel hätte am 8. August im Niedersachsen-Pokal gegen Oberliga-Staffelkonkurrent Eintracht Northeim stattfinden sollen. Aufgrund eines Corona-Falls im gegnerischen Team musste die Partie jedoch auf den 25. August verschoben werden. Also hatten die Schwarz-Gelben eine Woche länger Zeit, um sich auf den Oberliga-Start gegen BW Tündern vorzubereiten und Verletzungen auszukurieren. Doch auch das half dem MTV nicht: Mit 0:4 wurde das Team von Trainer Michael Spies äußerst deutlich geschlagen – eine herbe Enttäuschung, gerade auch weil mehrere Gegentreffer aus vermeidbaren Fehlern entstanden. Wenn es am Mittwoch, den 18. August, im Derby gegen Lupo Martini Wolfsburg weitergeht, ist eine verbesserte Spielmoral gefragt.

Das Tündern-Debakel ist der Auftakt zu einem wahren Marathon, den die Gifhorner bis zum 4. Dezember zu bewältigen haben. Alle 18 Partien sollen bis dahin absolviert werden, im Falle eines Weiterkommens im Pokal stehen also 20 Begegnungen bis zum Jahresende an – ein Hammerprogramm! Dafür bleibt‘s in der zweiten Saisonhälfte beschaulich mit lediglich zehn Punktspielen in der Auf- oder Abstiegsrunde.

Noch dicker kommt es – die reine Spielzahl gesehen – für die drei Gifhorner Vertreter in der Landesliga. An 34 Spieltagen bestreiten der SSV Kästorf, MTV Isenbüttel und SV GW Calberlah jeweils satte 32 Partien und sind obendrein noch im Bezirkspokal im Einsatz. Allerdings ist die erste Saisonhälfte für dieses Trio nicht ganz so vollgepackt: Sie müssen „nur“ 16 Ligaspiele absolvieren, ehe sie sich am 12. Dezember in die Winterpause verabschieden. Im Gegenzug heißt das aber auch: Das gleiche Programm gibt es dann im nächsten Jahr.

Mit dem Derby beim SV GW Calberlah geht’s für Neuzugang Nico Gercke (am Ball) und den SSV Kästorf los.

Foto: Sebastian Priebe/regios24

Für den MTV Isenbüttel beginnt die Landesliga-Saison 2021/22 bereits am Freitag, 20. August: Die Hehlenrieder eröffnen die neue Spielzeit dann um 18.30 Uhr mit der Partie beim SSV Vorsfelde im Drömlingstadion. Nur zwei Tage später steigt das erste Kreisderby, wenn Calberlah am Sonntag von 15 Uhr an den SSV Kästorf zu Gast hat.

Die Kästorfer dürfen sich eine Woche später in ihrem ersten Heimspiel auf einen echten Knaller freuen: Die Elf von Coach Sajmir Zaimi empfängt am 29. August (15 Uhr) die FSV Schöningen zum Duell zweier Titelanwärter. Die Gäste aus der Stadt der Speere haben sich einmal mehr prominent verstärkt – nicht nur mit Petrus Amin, dem bisherigen Torjäger des MTV Isenbüttel. Mit Sergej Evljuskin verpflichteten die Schöninger einen Ex-Profi, der als deutscher Junioren-Nationalspieler gleich zweimal mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet wurde – im Nationaltrikot Seite an Seite mit Mesut Özil, Benedikt Höwedes oder Jerome Boateng. Sergej Evljuskin war damals der „Überflieger“ – seine ehemaligen Teamkollegen wurden 2014 Weltmeister!

Vor einer hohen Hürde steht im ersten Heimspiel am 29. August auch der MTV Isenbüttel, der es mit der zweiten Mannschaft von Eintracht Braunschweig zu tun bekommt, die in der Vorbereitungsphase unter anderem Oberligist MTV Gifhorn mit 2:0 in die Schranken wies. Und Calberlah ist gleichzeitig bei der TSG Bad Harzburg im Einsatz – auf jeden Fall die einfachste Aufgabe für das Trio.

Lukas Grega (von links) und Arben Biboski wollen mit der SV Gifhorn über einen gelungenen Bezirksliga-Start jubeln, ehe es am zweiten Spieltag zum Stadtderby in Gamsen kommt.

Foto: Sebastian Priebe/regios24

Vom 22. August an ist auch das Gifhorner Stadttrio in der Bezirksliga 1, Staffel B, gefordert – und startet in die Saison. Während die SV Gifhorn es vor heimischer Kulisse mit dem FC Brome zu tun bekommt, empfängt der VfR Wilsche-Neubokel den VfL Germania Ummern – und will mit einem Heimsieg gleich den ersten Schritt in Richtung Aufstiegsrunde setzen. Für diese qualifizieren sich bekanntlich die ersten Drei der drei Staffeln, in die die Bezirksliga 1 in dieser Saison aufgeteilt wurde.

Dafür hat sich das Team von „Trainer-Dino“ Bernd Huneke, der in seine zwölfte Saison als VfR-Coach gehen wird, „nicht nur in der Breite, sondern auch in der individuellen Qualität verstärkt“, freut sich Wilsches Coach auf „die gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern“. Und er ist „froh, dass meine Spieler es schon so lange mit mir aushalten“, merkt der Trainer schmunzelnd an.
Der dritte Stadt-Klub im Bunde, er muss zum Auftakt auswärts ran: Der MTV Gamsen startet mit der Partie beim VfL Wahrenholz am 22. August in die neue Spielzeit. Dafür sind die Schwarz-Weißen dann eine Woche später der erste Gastgeber in einem Stadtderby: Sie empfangen am 29. August die SV Gifhorn, während die Wilscher gleichzeitig zum FC Brome reisen.

Dann wird sich zeigen, Woche für Woche, wie gut die Visiere der heimischen Fußballer eingestellt sind und inwieweit sie noch nachjustieren müssen. Das Probeschießen ist vorüber, die Punktejagd beginnt. Und gerade zum Auftakt sollte die Zahl der Fehlschüsse möglichst gering gehalten werden, damit die Saisonziele nicht frühzeitig außerhalb der Sichtweite geraten.