Musik

Motivationshymnen für eine bessere Welt: B and the Rattlesnakes transportieren ihren Gifhorner Straßencharme gekonnt auf CD

Matthias Bosenick Veröffentlicht am 31.05.2021
Motivationshymnen für eine bessere Welt: B and the Rattlesnakes transportieren ihren Gifhorner Straßencharme gekonnt auf CD

Fabian Wolschendorf (von links), Sören Palucki, Sebastian Priebe, Björn Gasa und Winfried Hummel sind B and the Rattlesnakes. Vielen Gifhornerinnen und Gifhorner sind die fünf Jungs längst als erprobte Straßenmusiker bekannt, jetzt veröffentlichen sie ihr erstes Album „BatR One“ – und KURT durfte vorab exklusiv reinhören.

Foto: Michael Uhmeyer

Von der Straße ins Studio: Auf „BatR One“ hinterlassen die fünf Gifhorner Straßenmusiker von B and the Rattlesnakes vor Staunen geöffnete Münder. Natürlich fehlen Elemente, die man von den Konzerten gewohnt ist – und weil diese nicht so einfach in den Aufnahmeraum übertragbar sind, justiert das Quintett einfach seine Stoßrichtung und präsentiert ein lupenreines, brillant produziertes Pop-Album mit größter Stilvielfalt. Wo die Interaktion mit dem Publikum fehlt, steht hier eine bodenständige Perfektion, die den Heimgenuss des Albums zum privaten Fest macht.

Beim Hören vergisst man schnell, dass es sich bei B and the Rattlesnakes um eine Akustikband handelt – die Songs also auf Akustikgitarre, Akustikbass und für den unkomplizierten Transport selbsterfundenem Kofferschlagzeug gespielt sind. Der Sound der Fünf ist – dank Produzent und Bandmitglied Sören Palucki und Mixer Olaf Reitmeier – dicht, nicht überfrachtet, und lässt keine Lücken, keine Erwartungen unerfüllt, die man an wunderschöne Pop-Songs hat. Man muss für ein gelungenes Album eben nicht mit fetten Riffs und glatter Elektronik arbeiten. Dafür haben B and the Rattlesnakes einfach von sich aus zu viel zu bieten: straßengeübte Fertigkeiten in Komposition und Arrangement, mit musikalischen Finessen in den Songs, mit sonnigen Harmonien, mit mehrstimmigem Gesang, mit Fingerfertigkeiten jenseits einer Nabelschau.

Was die fünf Gifhorner seit jeher auszeichnet, ist eine Stilpalette, die man vielleicht noch einer weltgewandten Pop-Band der 80er im Radio zugetraut hätte, die es in diesen Tagen aber kommerziell schwer hätte, weil ihr Horizont einfach zu weit ist und sich eine Zielgruppe damit nur schwer definieren lässt. Da funktionieren B and the Rattlesnakes einfach anders. Sie überzeugten ihre Anhängerschaft bereits jahrelang live und filtrieren die Erlebnisse und Ergebnisse nun eben in diesem Studioalbum, dessen Diversität aus sich selbst heraus kommt und dadurch nicht widersprüchlich oder unorientiert wirkt.

Diese Offenheit spiegelt sich auch im Cover wieder, das eine von Seilen umwickelte Weltkugel zeigt – und mit diesen Seilen meinen sich die fünf Musiker selbst, die sich aus losen Fäden zu einer Einheit flechten.

Die Welt findet auch musikalisch Einzug in „BatR One“: Los geht es mit zweimal Rap, womit sich Rockmusikhörer seit Crossover längst arrangierten. Die nächsten beiden Titel sind introvertierte Balladen – eine mutige Reihenfolge für eine vermeintlich auf gute Laune gebuchte Straßenband. Nicht erst die diversen Schicksalsschläge der jüngeren Zeit untermauerten bei dem Quintett die Bodenhaftung, und so vielseitig, wie es musikalisch ist, ist es eben auch inhaltlich.

Der Reggae holt als fünftes die Sonne zurück, es folgen Motown-Soul, Indie-Pop-Rock, Swing, Seemannslied und Afrobeat. Doch selbst wenn die Musik fröhlich und die Inhalte humorvoll sind, schleicht sich immer etwas Ernsthaftigkeit in die Texte ein. Das mag manchmal etwas an Durchhalteparolen erinnern, doch sind diese Motivationshymnen die Resultate eigenen Erlebens und somit aus Überzeugung dargeboten. Mit eingestreuten Handclaps und Mitsingchören fühlt man sich auch als Zuhausegenießer dieser Straßencombo mitgerissen und ahnt, wie es sein wird, wenn diese 15 Songs – ein Mix aus Erprobtem und Neukomponiertem – dereinst wieder live genießbar sein werden.