Theater
Dieses Gemälde weckt ungeheure Begehrlichkeiten: Theaterverein Gifhorn zeigt ab 6. März sein brandneues Stück
Malte Schönfeld Veröffentlicht am 22.02.2026
Kunst, Krimi und Klamauk verbinden sich im brandneuen Stück des Gifhorner Theatervereins „Ein Gemälde auf Abwegen“. Für einzelne der sechs Vorstellungen im März gibt‘s noch Tickets.
Foto: Martin A. Seth
Tuscheln und Flüstern im Publikum, bis der zweite Gongschlag ertönt, plötzlich zieht sich der schwere Vorhang auf, alle Blicke richten sich gebannt auf die Bühne: In wenigen Tagen ist der Theaterverein Gifhorn wieder im Einsatz. An seinem inzwischen angestammten Spielort, der Psychiatrischen Tagesstätte an der Pyritzer Straße, spielt das Ensemble vom 6. bis zum 15. März sechs Aufführungen von „Ein Gemälde auf Abwegen“, eine Komödie aus der Feder des Gifhorner Autors Peter Futterschneider, die den Wahnsinn der Kunstbranche, Krimi und Klamauk vereint.
Die Geschichte ist schnell erklärt: Mit der neuen Kuratorin Thea von Holtmannshagen hält die ganz große Kunst Einzug in der Galerie Nouveau. Das 100 Millionen Euro teure Gemälde Vision wird in Kürze eintreffen, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Das sorgt für Stress bei der Kuratorin und ihrem Team und ruft außerdem hellhörige Langfinger auf den Plan.
Hört sich fast so an, als hätte Peter Futterschneider genüsslich die Nachrichten des Louvre-Raubs aus dem vergangenen Oktober gelesen, bei dem vier Täter in nur vier bis sieben Minuten acht historische Schmuckstücke aus der napoleonischen Sammlung im Wert von rund 88 Millionen Euro stahlen. Oder war es doch „Der Schrei“ von Edvard Munch, zeitweise das teuerste Gemälde der Welt, ebenfalls Ziel ausgetüftelter Diebe, sogar gleich zweimal 1994 und 2004, der ihn inspirierte?
„Unsere aktuelle Komödie habe ich bereits vor der Geschichte mit dem Louvre geschrieben“, verrät Peter Futterschneider und lächelt: „Und die Sicherheitsmaßnahmen des Louvre zum Zeitpunkt des Raubs waren offenbar keinen Deut besser als das, was das Publikum ab 6. März auf unserer Bühne sehen wird.“ Was ihm außerdem zusagt: „Kunst ist Krimi – schon immer. Und tatsächlich kann man da gut auf den Louvre verweisen, in dem Vincenzo Peruggia im Jahr 1911 die Mona Lisa stahl. Kunst ist manchmal echt und manchmal gefälscht, auch das ist spannend. Und außerdem liebe ich Krimis.“
Die Kunstszene, dieses faszinierende Milieu aus Idealisten und Handwerkern, selbstverliebten Kritikern und vermeintlichen Genies, Anlageberatern und fellkragigen Snobisten, eignet sich perfekt für den Theaterverein Gifhorn. „Kunst ist spannend, besonders die große Bandbreite an Bewertungen eines Exponates. Es liegt im Auge des Betrachters, wie wir auf der Bühne ganz deutlich zeigen werden. Wer hat letztlich die Deutungshoheit?“, fragt Peter Futterschneider.
„Figuren aus unterschiedlichen Schichten und Klassen und die damit verbundenen Gegensätze haben ihren Reiz„, sagt Peter Futterschneider, Theaterautor und Regisseur im Theaterverein Gifhorn.
<p class=“rights">Foto: Martin A. Seth

43 Stücke hat der Gifhorner bereits geschrieben, rund vier pro Jahr. Man findet sie und vieles mehr im Theater- und Buchprojekt Groll und Schmoll, zwei Verlage vertreiben sie. Erster glücklicher Abnehmer war meist der Theaterverein Gifhorn, bei dem Peter Futterschneider Mitglied ist. Und weil er gerne Regie führt, übernahm er seit 2017 auch die inszenatorische Leitung. Diesmal allerdings gibt Birgitta Below die Anweisungen, weil der Schreiber aus beruflichen Gründen keine Zeit findet, was aber kein Problem darstellen sollte: „Birgitta hat bereits Erfahrung und sicher wird auch unter ihrer Regie das Publikum gut unterhalten werden. Zudem kann es nicht schaden, wenn die Regie mal wechselt. Das hilft gegen Scheuklappen und Betriebsblindheit.“
Es ist nicht unüblich, dass Schauspieler mehrere Rollen übernehmen. Oder dass ein Autor den eigenen Stoff auch inszenieren möchte. Häufig ist es aber auch einfach eine Ressourcenfrage – vor allem im Amateurtheater, aber eigentlich generell in der Kultur. Das Spielen ist Freizeit, nicht Beruf. Und auch wenn Schreiben, Proben und Aufführen unheimlich Spaß bereiten, die Bereitschaft, im Amateurtheater mitzumachen, nimmt ab. Diesen Status teilt der Theaterverein Gifhorn mit vielen anderen Vereinen.
So fehlt dem Theaterverein beispielsweise ein junger Mann im Ensemble, wie Peter Futterschneider erklärt. Mit einem solchen könne man flexibler Stücke spielen. Und früher, ja, da wurden sogar Märchen mit Schülerinnen und Schülern gespielt, heute fehle dieser Zweig komplett, wegen Corona und der Ganztagsschule und der fehlenden Betreuung, weshalb die Mitgliederzahl von mehr als 100 auf rund 60 purzelte. Aktiv dabei sind die wenigsten. Eine feste Kraft für die Maske, eine für die Kostüme, jemand der die Regie übernimmt. „Uns fehlt das Personal, um mehr zu machen. Das ist problematisch. Wir haben Helfer, die sind fast 80 Jahre alt. Und ein Lager mit Werkstatt würde uns auch helfen.“
Peter Futterschneider macht sich Sorgen. Weil er weiß, wie viele Amateurtheater dicht gemacht haben. Wie viele Bühnen ihre letzten Stücke gespielt haben. Doch er sieht auch das Gute. Im Landkreis Gifhorn ist da noch die Kieselbach-Bühne, benannt nach Theaterautor Erwin Kieselbach, der den Theaterverein Gifhorn 1968 im Streit verließ und ein zweites Angebot eröffnete. Außerdem hebt er die Theatergruppe Isenbüttel und die Theatergruppe Barwedel hervor. Ins Schwärmen gerät er, wenn er an die Schunterbühne Lehre denkt und die Freilichtbühne Bökendorf, bei der rund 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauer pro Sommer im Publikum sitzen. „Das ist gewaltig“, staunt er. „Für mich echte Profis.“
Der Theaterverein Gifhorn, gegründet 1891, spielte in seiner Anfangszeit Operetten wie „Die Försterchristl“ und „Alt Heidelberg“.
Foto: Martin A. Seth

Ganz so viele werden es im März wohl nicht, wenn das eingespielte Ensemble zurück auf die Bühne in der Psychiatrischen Tagesstätte tritt. Ein Spielort, der „ein Sechser im Lotto“ sei, wie Peter Futterschneider es nennt, auch weil man keine Miete zahlen müsse. Dasselbe gelte für die Partnerschaft mit dem Verein Stellwerk. Das Publikum kommt gerne. Diesmal bietet die Projekt-Theatergruppe der Psychiatrischen Tagesstätte bei den Nachmittagsvorstellungen mit einem kleinen Sketch sogar das Vorprogramm. Es gibt Kaffee und Kuchen. Und sicherlich wird wieder herzlich gelacht über die kleinen Witze, Slapstick und die Pfiffigkeiten in „Ein Gemälde auf Abwegen“.
Auffällig ist, dass die Figuren immer auch etwas verraten über ihre Stellung in der Gesellschaft. Diesmal sind etwa der Hausmeister Max Schramm oder Stadtrat Dr. Gerd Trössler dabei, die Kuratorin heißt Thea von Holtmannshagen. Peter Futterschneider ist bekannt für seine wohlklingenden Namen, in denen sich viel verbirgt. „Figuren aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten und Klassen und die damit verbundenen Gegensätze haben ihren Reiz“, erläutert er.
Wiederkehrende Themen sind bürgerliche Scheinidylle, Generationenkonflikte und Systemversagen, ob bei der Deutschen Bahn oder in der Arztpraxis, der Politikbetrieb, Szenen einer Ehe oder auch Rivalitäten unter Verwandten. „Viele Dinge kann man nur mit Galgenhumor ertragen und sie bieten wunderbare Steilvorlagen, es humoristisch aufzubereiten und gleichzeitig dezent Kritik zu verpacken“, erläutert Peter Futterschneider, der mehr als 500 Rollennamen für Stücke, Bücher und mehr erdacht hat.
Bemerkt und genossen hat er diese riesig wichtigen Details bei Loriot. „Sein Beobachten von Alltagsszenen und seine Wortspiele sind mir ein großes Vorbild“, meint der Autor. Und die eigene Phantasie ist Voraussetzung. Niemals würde er sich Plots und Ideen von einer KI vorgeben lassen. „Das ist eine Seuche, die Hölle.“ Tempo und Timing sind ihm wichtig beim Schreiben, das Handwerk immer verbessern. Am liebsten in Komödien und Krimis.
„Lachen ist gesund. Da meine Stücke für das Amateurtheater vertrieben werden, befindet man sich fast zwangsläufig in den zwei großen Bereichen Komödie sowie Märchen. Auch das Publikum des Theatervereins möchte sich amüsieren. Das Bedürfnis wird angesichts der Entwicklung in Deutschland und der Welt auch eher größer“, meint er. Doch er habe durchaus auch tragische und dramatische Facetten in einigen Stücke, nicht nur reinen Komödienstoff. Und die Ideen scheinen ihm auch nicht auszugehen. „Ich weiß schon, was als nächstes kommt und das ist nicht nur ein Theaterstück. Nur weiß ich nicht, wann der Stoff fertig sein wird. Aber das eilt ja nicht. Es ist alles nur ein Hobby – aber ein schönes Hobby.“
Im Frühling erscheint immer das neue Stück des Theatervereins. Und beim Altstadtfest gibt‘s eine Sketch-Show mit Zauberei.
Foto: Martin A. Seth
Im Frühling erscheint immer das neue Stück des Theatervereins. Und beim Altstadtfest gibt‘s eine Sketch-Show mit Zauberei.
Foto: Martin A. Seth
Im Frühling erscheint immer das neue Stück des Theatervereins. Und beim Altstadtfest gibt‘s eine Sketch-Show mit Zauberei.
Foto: Martin A. Seth
Im Frühling erscheint immer das neue Stück des Theatervereins. Und beim Altstadtfest gibt‘s eine Sketch-Show mit Zauberei.
Foto: Martin A. Seth
Das aktuelle Stück
- März, 20 Uhr
- März, 20 Uhr
- März, 16 Uhr,
Kaffee & Kuchen 14.30 Uhr (ausverkauft) - März, 20 Uhr
- März, 16 Uhr,
Kaffee & Kuchen 14.30 Uhr - März, 16 Uhr, Kaffee & Kuchen 14.30 Uhr (ausverkauft)
Psychiatrische Tagesstätte Pyritzer Straße 7, Gifhorn
Tickets: 13 Euro pro Person
Tel. 05371-55232 oder theaterverein-gifhorn.de/karten