Geschichte
Sogar einen Sitzstreik gab‘s damals in Gifhorn: Geschichtswerkstatt beleuchtet zweite Hälfte der 70er mit Fuzo-Protesten
Bastian Till Nowak Veröffentlicht am 20.03.2026
Foto: Stadtarchiv Gifhorn
Teils heftige Proteste begleiteten Planung und Bau der Gifhorner Fußgängerzone – nach der Eröffnung im Dezember 1979 sollen dann aber nahezu alle herzlich beseelt gewesen sein, wie sich Altbürgermeister und Ehrenbürger Manfred Birth erinnert. Im Rahmen seiner Dokumentation zur Entwicklung der Stadt seit 1945 berichtet er nun am Dienstag, 31. März, in der Geschichtswerkstatt über die Ereignisse von 1976 bis 1980 – darunter auch die Eröffnung des ersten großen Einkaufsmarkts, den Bau der Turnhalle Flutmulde, einen verschwundenen Altar und mehr. Der Eintritt ist frei.
Ihre in den vergangenen fünf Dekaden wohl nachhaltigste Veränderung erfuhr unsere Stadt durch den Bau der Fußgängerzone. Manfred Birth war selbst dabei und berichtet als Zeitzeuge über die Planung und den Bau des ersten Abschnitts von der Bodemannstraße bis zum alten Rathaus, dem heutigen Haus des Handwerks, in dem auch die Commerzbank untergebracht ist.
Manfred Birth schildert, wie der immer stärker werdende Verkehr auf der B4 – welcher dennoch kein Vergleich zu den heutigen Fahrzeugmengen ist – dank der neuen Fußgängerzone aus dem innerstädtischen Bereich hinaus auf andere Straßen umgeleitet wurde.
Besonders möchte er auch über die damaligen vielen Widerstände gegen die Fußgängerzone und das neue Parkhaus – sowohl von Kaufleuten wie auch von Anwohnern – berichten und hat dazu zahlreiche Presseausschnitte gesammelt: „In der Bodemannstraße gab es sogar einen Sitzstreik“, erinnert er sich. „Nach der Eröffnung am 8. Dezember 1979 gab es dann aber nur noch Lob für die neue Fußgängerzone.“
Vor dem Umbau zur Fußgängerzone rollte noch der gesamte B4-Verkehr durch die Gifhorner Innenstadt. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1978.
Foto: Schicht

Zeitenwende des Konsums
Veränderungen im Stadtbild gab‘s in der zweiten Hälfte der 70er auch durch weitere große Neubauten: Manfred Birth berichtet über den Bau der Turnhalle Flutmulde, die Schaffung der lauschigen Steinweg-Passage, die heute besonders zum Altstadtfest ihre magnetische Wirkung entfaltet, und den Neubau der AOK an der Konrad-Adenauer-Straße.
Auf dem Gelände der einstigen Glashütte an der Braunschweiger Straße wurde zudem der Grosso-Markt errichtet, der erste große Einkaufsmarkt in Gifhorn: Die Fülle der angebotenen Waren und das Selbstbedienungsprinzip faszinierten und überwältigten zugleich – der Massenkonsum löste Stück um Stück den traditionellen Einkauf beim Kaufmann um die Ecke ab.
Das Schicksal des Marienaltars
Zur etwa gleichen Zeit wurde die Schlosskapelle restauriert – und da bemühten sich dann die Amtsträger der Kreisverwaltung vergeblich um die Rückgabe des Marienaltars. „Der wurde 1862 vom damaligen König Georg V. von Hannover in die heutige Landeshauptstadt geholt“, so Manfred Birth. Entworfen wurde der spätgotische Altar 1547 von einem Antwerpener Künstler.
Zur Eröffnung der Fußgängerzone gab‘s einen großen Weihnachtsmarkt. Manfred Birth (kleines Foto links) war dabei, als der damalige Bürgermeister Herbert Trautmann das Band in Stadtfarben durchschnitt.
Foto: Stadtarchiv Gifhorn
In den 70ern wurde auch die neue Turnhalle an der Flutmulde errichtet – ein Meilenstein für Gifhorns Sportlerinnen und Sportler.
Foto: Förster
Der spätgotische Marienaltar aus der Gifhorner Schlosskapelle ist heute im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover zu sehen.
Foto: Dr. Gierz
Vortrag von Manfred Birth in der Gifhorner Geschichtswerkstatt:
„Die Entwicklung der Stadt Gifhorn von 1976 bis 1980“
Dienstag, 31. März
19 Uhr, Eiskeller
Schleusendamm, Gifhorn
Eintritt frei, Spenden erbeten