Essen & Trinken
Erzähl mir mehr von diesem Kaiserschmarrn: Im Dorfkrug Rethen kocht das Team mit Freundlichkeit, Herz und Kompetenz
Malte Schönfeld Veröffentlicht am 14.06.2026
Herrliche, gute Spargelzeit, die entlockt KURTs Gastro-Tester Malte Schönfeld doch immer ein Lächeln. Im Dorfkrug Rethen herrscht nicht nur deswegen ein reges Treiben, Gäste feierten auch Konfirmation.
Foto: Privat
Das Leben ist manchmal doch gut zu einem. Viel braucht es nicht, um Menschen glücklich zu machen. Sonniges Wetter, ein Wochenende ohne Verpflichtungen, Zeit mit Freunden. Und natürlich gutes Essen. Gib dem Menschen gutes Essen und er wird Dir auf ewig dankbar sein – das steht doch bestimmt in einer zeitgenössischen Bibelfassung, oder? Häufig ist es jedoch so, dass man selbst den Weg zum guten Essen finden muss – nicht umgekehrt. Leicht macht es uns da der Dorfkrug Rethen, der in diesen Tagen mit seiner Spargelkarte begeistert. KURTs Gastro-Tester Malte Schönfeld und seine Begleitung haben es sich vor Ort gutgehen lassen.
„Was für eine Odyssee, meine Güte“, seufze ich ins Telefon. Die gestörte Verbindung verrät mir, dass ich endlich zu Hause angekommen bin. Der Süden Gifhorns. Im Netz weniger erschlossen als das Amazonasbecken, vermute ich.
„Ja, ja, nun mach schon“, eilt meine Begleitung am anderen Ende. „Wer Mitleid erregt, macht sich unbeliebt. Die Welt mag kein Jammern.“
„Deine Rechthaberei ist unausstehlich“, mahne ich. „Man sollte den Fahrer so besser nicht von der Seite anmaulen.“ Denn diesmal ist es anders als sonst: Ich hole meine Begleitung ab, nicht andersherum.
Schon nach wenigen Augenblicken im Auto – durch die Seitenfenster strömt fruchtige Frühlingsluft – ist die dicke Luft verflogen. Wir durchqueren Adenbüttel, das schöne Adenbüttel. So erbsengrün, so lustig geschwungen, so – paradiesisch?! Und kurz darauf halten wir im vogelbezwitscherten Rethen, ich parke gleich neben dem Dorfkrug.
Fröhliche Menschen in frisch gefönten Frisuren und hübscher Kleidung stehen zusammen. Die Männer tragen Anzug, die Frauen buntes Kostüm. Es ist Konfirmationswochenende, der Dorfkrug ist herrlich belebt. Gut, dass wir reserviert haben.
Ob Hauptgang mit gegrilltem Spargel und Bärlauch-Hollandaise oder Dessert mit dem himmlischen Kaiserschmarrn – im Dorfkrug Rethen lässt sich ganz wunderbar speisen.
Foto: Privat

Das Angebot in Rethen umfasst größtenteils eine traditionell deutschsprachige Küche, streut hier und da aber auch moderne Zutaten und Zubereitungsformen ein. Angetan hat es mir zu dieser Jahreszeit selbstverständlich der Spargel, den ich mit Hähnchenbrust, Kartoffeln und der in unseren Gefilden eher ungewöhnlichen Bröselbutter bestelle. Meine Begleitung wählt dagegen gegrillten Spargel, dessen Sauce Hollandaise um Bärlauch erweitert wird.
Doch wir starten zuerst mit einer Vorspeise. Lust hätte ich zwar auf eine Spargelcremesuppe, doch im Frühling darf‘s auch mal ein einfacher Salat sein. Meine Begleitung langt gleich im großen Format zu und ordert den gebackenen Camembert inklusive Salat. Da staunt auch die Bedienung nicht schlecht.
Was im Dorfkrug sofort auffällt, ist die Herzlichkeit, die den ganzen Raum erfüllt. Die Mitarbeiter flitzen von Gesellschaft zu Gesellschaft, immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Selbst bei hohem Tempo geben sie den Gästen das Gefühl, sich im Dorfkrug ungestört im Kreise der Liebsten entspannen zu können.
Jetzt ist der Hauptgang an der Reihe. Beinahe eine Selbstverständlichkeit, dass Inhaber André Battige auf Spargel setzt, ist es doch das niedersächsische Gold, könnte man sagen, die Krabben des Flachlands, die Silberzwiebel Gifhorns. Wichtig ist bloß: der richtige Umgang. Und den beherrscht die Küche makellos.
Wer dieses traumhafte Dessert nicht kostet, der verpasst so einiges.
Foto: Privat

Serviert wird meiner al dente, bissfest, knackig, einfach super. Und die Bröselbutter erst! Sie entstammt einer polnischen Küche, für die Zubereitung werden Semmelbrösel in Butter so lange erhitzt, bis sie gebräunt und kross sind. Das passt zum Spargel und den Kartoffeln, die mit Petersilie verfeinert sind. Nie zuvor habe ich zu Spargel Hähnchenbrust gegessen, sonst immer Rührei oder Schnitzel. Aber auch hier ist alles in bester Ordnung. Für meinen Geschmack hätte sie noch etwas mehr angebraten sein können, andererseits habe ich auch keine Wünsche geäußert – da isst ja auch jeder anders.
Wenn man im Dorfkrug Rethen zu Gast ist, sollte man unbedingt auch einen Blick in die Dessertkarte werfen. Hier verbirgt sich nämlich einer der Schätze des Hauses: der Kaiserschmarrn. Jedes Restaurant sollte dieses eine Gericht, diese eine Köstlichkeit haben, die es auszeichnet. Und im Dorfkrug ist es der Kaiserschmarrn. Er wird frisch zubereitet und enthält Rosinen, ihm zur Seite stehen eine Portion Apfelmus, eine Kugel Vanilleeis sowie einige wenige Himbeeren und Blaubeeren. Und meine Güte, schmeckt der himmlisch, wolkig und selten. Gabel für Gabel genieße ich still den Kaiserschmarrn und stelle mir dabei vor, wie Kaiser Franz Joseph I. noch den letzten Krümel mit einem Lächeln auf den Lippen vom teuren Porzellan kratzt.
Als wir den Dorfkrug Rethen verlassen, zieht sich der Himmel leicht zu. Erschöpft und glücklich falle ich auf den Fahrersitz und leise rieseln Flocken Puderzucker auf das Lenkrad.
Dorfkrug Rethen
Am Sportplatz 2, Rethen
Mo. – Mi., Fr. & Sa. 17 bis 23 Uhr
So. 11 bis 15 Uhr sowie 16 bis 23 Uhr
Tel. 05304-1379