Boxen
Artur Mann hört auf: Der Gifhorner Boxer wird WBF-Champ, kümmert sich aber fortan um seine Firma
Jens Neumann Veröffentlicht am 07.03.2026
Gold, das die Welt bedeutet: Der Gifhorner Artur Mann machte sich zum zweifachen Weltmeister der World Boxing Federation, an seiner Seite Coach Vitali Boot (rechts).
Foto: Michael Schäfer/362Streetfotografie
„I have a dream“ – wer kennt sie nicht, die berühmte Rede von US-Bürgerrechtler Martin Luther King aus dem Jahr 1963, in der er vor rund einer Viertelmillion Menschen die Gleichstellung der Afroamerikaner forderte. Worte, die bis heute unvergessen sind – und gerne immer wieder bemüht werden. „I have a dream“: Das sagte sich auch Gifhorns Boxer Artur Mann. Nun ist der Traum in Erfüllung gegangen – und der 35-Jährige beendet als Weltmeister die Karriere.
„I HEF a dream“ – so hieß es bereits zum zweiten Mal für den Profiboxer, der als Amateur des Box-Clubs Gifhorn einst große Erfolge gefeiert hatte. „HEF“ steht in Manns Fall für Bad Hersfeld, es ist das Autokennzeichen seiner Heimatstadt im Nordosten von Hessen. Und dort erfüllte sich der schlagstarke Kämpfer, der unter Gifhorner Flagge Dritter beim Chemiepokal in Halle und zweifacher deutscher Vizemeister der Elite geworden war, eben seinen Traum gleich doppelt.
Rückblick: Es war der 2. November 2024, als Artur Mann in der vollbesetzten Schilde-Halle erstmals das Ziel seiner Träume erreicht hatte – und Weltmeister der World Boxing Federation (WBF) wurde. „Weltmeister – ich kann das noch nicht so realisieren“, hatte der Cruisergewichtler gesagt, nachdem er den bis dahin ungeschlagenen Rumänen Ion Mihai Desrobitu durch K.o. in Runde 7 bezwungen und sich damit die Krone im bekannten, inzwischen jedoch kleinen Boxverband aufgesetzt hatte. Auf großer Bühne hatte Artur Mann seine ersten beiden WM-Kämpfe schließlich verloren: 2019 in Südafrika gegen Lokalmatador Kevin Lerena, 2021 in Riga gegen den Letten Mairis Briedis.
Ringsprecher Ingo Rohrbach (rechts) gratulierte Artur Mann als einer der ersten nach dem Bridgerweight-Titelgewinn.
Foto: Michael Schäfer/362Streetfotografie

„I HEF a dream“ – diese Mision erfüllte der 35-Jährige also schon vor 15 Monaten. Nun stand für ihn an gleicher Stätte „I HEF a dream – the last dance“ auf dem Programm. Der letzte Tanz im Seilgeviert sozusagen, der letzte Profikampf im Ring vor seinen Fans, in seiner Heimatstadt, wo es vor 20 Jahren sportlich begonnen hatte. Und wieder ging es hier um den WM-Titel. Allerdings verteidigte Artur Mann nicht etwa seinen Cruisergewichts-Gürtel (bis 90,718 Kilogramm), sondern kämpfte um den WBF-Titel im neu eingeführten Bridgerweight (bis 101,6 Kilogramm). Sein Gegner dort: der Kolumbianer Gregory Garcia.
Und der Mann aus Südamerika war keineswegs das Kaliber, das sich Artur Mann zum Abschied erhofft hatte. „So hatte ich mir meinen Abgang nicht gewünscht“, räumte der 35-Jährige ein, der vor mehr als 1000 Zuschauern „fast nichts zeigen konnte“, wie er zugab. Nach 2:30 Minuten war in Runde 1 schon alles gelaufen, der Kolumbianer fand sich auf den Brettern wieder – und der Lokalmatador stand als K.o.-Sieger fest. „Das ganze Training war umsonst“, erklärte Mann, für den in den Minuten danach ein weitaus schwererer Kampf anstand: der Kampf mit den Emotionen.
„Das war schon etwas Besonderes. Die ein oder andere Träne habe ich verdrückt“, betonte Mann und sank nach seinem „definitiv letzten Kampf als Profi in Deutschland“ auf die Knie. Der Hausherr ließ sich aber nicht nur feiern und herzen – sei es von Mama Elvira oder Oma Lilia. Nein, er verteilte auch selbst reichlich Geschenke nach seiner Abschiedsvorstellung. Ringsprecher Ingo Rohrbach, vielen noch bekannt aus Klitschko-Zeiten, ging ebenso nicht leer aus wie Vitali Boot, der selbstverständlich auch bei Artur Manns letztem Kampf als Coach in seiner Ecke stand.
Sie ist so stolz auf ihren Enkel: Oma Lilia herzte Gifhorns Artur Mann nach seinem letzten Profiboxkampf in Deutschland.
Foto: Michael Schäfer/362Streetfotografie

„Er hat sich bedankt, mir ein Bild von uns geschenkt“, erzählte Boot, der von einem „sehr emotionalen Abend“ sprach. „Ich bin wirklich stolz auf meinen Schützling“, sagte der Meistertrainer, der erst im Januar 2026 seine Boot Box Academy in Weyhausen eröffnet hat – mit Rohrbach und Mann unter den 300 geladenen Gästen. „Artur war immer fleißig. Ein ganz lieber Mensch mit einem guten Charakter“, hob Vitali Boot hervor und merkte an: „Er hat wirklich sehr viele Freunde bei uns, irgendwie lieben ihn hier alle.“
Keine Frage also: Artur Mann werden die Boxsport-Freunde – nicht nur in unserer Region – als Sportler in bester Erinnerung behalten. Als ein Sportler, der sich seinen Traum gleich doppelt erfüllt und sich als zweifacher Weltmeister in den Ruhestand verabschiedet hat. Allerdings nur als Kämpfer eben, denn als Betreiber einer Gebäudereinigung sowie als Box-Trainer in Hannover hat der 35-Jährige noch alle Hände voll zu tun.
2013
Heimspiel als Amateur: Artur Mann bei den Verbandsmeisterschaften in Gifhorns Boxmühle.
Foto: regios24
2014
Ein Aushängeschild schon in jungen Jahren: Artur Mann (links) beim Dinnerboxen des BC Gifhorn.
Foto: Privat
2015
Vom Amateur zum Profiboxer: Im Mai 2015 bestritt er seinen ersten Kampf im Cruisergewicht.
Foto: regios24
2016
Obenauf: Auch seine fünf Kämpfe im Jahr 2016 gewann Artur Mann allesamt.
Foto: regios24
2017
Fokussiert zum ersten Titelgewinn: Im Juli 2017 besiegte Artur Mann Leon Harth und gewann den Gürtel des WBO-Internationals.
Foto: Privat
2018
Titel verteidigt: In Hannover bezwang er Alexander Peil nach Punkten – und kehrte als Titelträger an alte Wirkungsstätte zurück.
Foto: Privat
2019
Aus dem Ring an den Ring: Artur Mann (links) war bei der Box-Gala in Wolfsburg Co-Moderator von Tobias Drews – nach seiner ersten Niederlage im WM-Kampf in Südafrika.
Foto: regios24
2021
Vorbereitung auf seinen zweiten WM-Kampf: Im Oktober 2021 traf der Gifhorner in Riga auf den Letten Mairis Briedis.
Foto: Privat
2022
Trainer Vitali Boot (links) und Artur Mann strahlen mit dem Interconti-Gürtel, den er sich zurückholte und später auch verteidigte.
Foto: Privat
2024
Zurück in Gifhorn: Artur Mann (rechts) drückte seinem Vereinskameraden Nick Bier beim Profikampf in der Stadthalle im Juni 2024 die Daumen – und krönte sich selbst im November endlich zum Weltmeister.
Foto: regios24
Instagram: @mann_boxing