KURTs Gastro-Serie

American Cheesecake und Alicia Keys im Wohnmobil: Ein unvergesslicher Abend am Bernsteinsee – Möglich macht‘s das WoMo-Dinner

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 20.03.2021
American Cheesecake und Alicia Keys im Wohnmobil: Ein unvergesslicher Abend am Bernsteinsee – Möglich macht‘s das WoMo-Dinner

Im gemieteten Wohnmobil von Bettina Völpel nahmen KURT-Gourmand Malte Schönfeld und seine Begleitung am Wohnmobil-Dinner des Bernsteinsee-Restaurants teil. Es warteten fünf tolle Gänge im Menü.

Foto: Çağla Canıdar

Immer wieder diese Ideen. Es ist sagenhaft, woher manche Menschen ihre Ideen nehmen. So auch der Trend, der es deutschlandweit geschafft hat: das Wohnmobil-Dinner. Wie kommt man denn auf sowas? Andererseits: Was tun, wenn man nirgends in einem Restaurant einkehren darf? Man verlagert den Besuch einfach ins Wohnmobil und wird von der Küche sozusagen in den eigenen vier fahrenden Wänden bedient. Ein fantastischer Einfall, den nun auch das Bernsteinsee-Restaurant für sich entdeckt hat. Keine Frage, dass sich KURT-Schmauser Malte Schönfeld und seine Begleitung dieses extravagante Abendmahl dringend anschauen mussten.

Bonjour tristesse, ma chérie. Wie viele einsame Brokkoli-Auflauf-Abende haben wir schon miteinander verbracht? Waren es drei, dreißig? Man kennt sich abends mittlerweile in- und auswendig. Es ist zum Kotzen. Du fragst mich, ob ich Dich vermisse, und ich lüge und sage: Ja. Und dann gibt‘s wieder Brokkoli-Auflauf. Dieser verdammte Brokkoli-Auflauf. Er hängt mir zu den Ohren raus wie die Haare bei einem Senioren.

Doch dann kam die Redaktionskonferenz. Es gibt da doch jetzt diese Aktion vom Bernsteinsee-Restaurant in Stüde, ein Wohnmobil-Dinner, Mehrgangmenü. Hört sich nicht schlecht an, sage ich. Doch woher das Wohnmobil bekommen? KURT-Herausgeber Bastian Till Nowak schwingt eindringlich die Arme: „Ich habe da eine Idee.“

Wieder eine Idee – und wieder ist sie Gold wert. Meine Begleitung sammelt mich am späten Nachmittag in der Gifhorner Stadt ein, und ehe ich mir‘s gemütlich machen kann, steigen wir schon wieder aus: Wohnmobilvermietung Gifhorn, Teichwiesenweg 1a. Inhaberin ist Bettina Völpel, sie zeigt uns unseren Fiat-Camper, ein stolzes Riesending, hier sind die Schlüssel, einen schönen Abend Ihnen.

Schlaflose Nächte im Nightliner: KURT-Mitarbeiter Malte stößt auf einen herrlichen Abend im Wohnmobil an.

Foto: Çağla Canıdar

Meine Begleitung steuert das Raumschiff so als hätte sie in ihrem Leben nie was anderes getan. „Ich wollte früher gern LKW fahren“, sagt sie gedankenverloren. Schon an dieser Stelle wird also sowas wie ein Kindheitstraum wahr.

Wir kommen am Bernsteinsee an. Die letzten Sonnenstrahlen haben uns gerade verlassen, und wir parken direkt auf der Terrasse, der See liegt ruhig vor sich hin. Um die Ecke schlendert Restaurant-Chef Christoph Neumann und begrüßt uns direkt mit einem Kübel Sekt, Scavi & Ray Ice Prestige. Gibt denkbar schlechtere Empfänge.

Noch bevor die Vorspeise eintrifft, erreicht uns ein erster Gruß aus der Küche. Hmm, Gruß aus der Küche. Es gibt wenige Volksmund-Gefälligkeiten, die mir besser gefallen. Diesmal handelt es sich um hausgemachtes Bauernbrot mit Butter und Schmalz, dazu Knuspergarnele mit Sweet-Miso-Chili-Sauce, und das schmeckt bereits vorzüglich. Nebenbei: Wer sich im Bereich der Brotzeit nicht auskennt, sollte daran erinnert werden, dass man hier – sowohl bei einem Butterbrot als auch bei einem Schmalzbrot – immer mit dem Salzstreuer arbeiten sollte. Dass Restaurantküchen scheinbar nebenbei außerdem noch Brot backen, schindet bei mir sowieso Eindruck.

Das Regelwerk ist klar: Hat man aufgegessen und wünscht den nächsten Gang, stellt man die leergeputzten Teller auf einen Beistelltisch neben dem Wohnmobil. So erwartet uns auch in Windeseile die Vorspeise, die aus einem Törtchen vom Rindertartar mit Trüffeleigelbcrème und Erbsenschaum besteht. Herrlich angerichtet von Küchenchef Fabian Schröter, der bei der Übergabe im Übrigen dabei ist und immer wieder kleine Infos gibt, die die Gänge umfangreich erklären.

Törtchen vom Rindertartar mit Trüffeleigelbcrème und Erbsenschaum.

Foto: Çağla Canıdar

Wer sich für ein Dinner am Bernsteinsee interessiert, dem wird bereits im Voraus die Menükarte geschickt. Meine Begleitung entschied sich für geschmorte Ochsenbacke mit Blumenkohl und Kartoffelmousseline, ich wählte das Zanderfilet unter der Kartoffelkruste auf Balsamicolinsen. Das wird uns nun auch überreicht, wieder mit besonders ästhetischem Wert, und dazu wird eine weitere Mini-Flasche Sekt entkorkt.

Mich begeistert vor allem die Kombination aus Zanderfilet und den Crispy Chips, die nicht nur farblich vortrefflich zueinander passen, sondern auch das zarte Fischfleisch mit dem dünnen Kartoffelcrunch kombinieren. Der Hauptgang meiner Begleitung, namentlich die Ochsenbacke, ist eine riesige Portion, und sie schafft es alleine nicht dem Herr zu werden, also bekomme ich auch davon noch etwas ab – auch die zweite Wahl besticht mit zartem Fleisch, das nur beim Aufgabeln schon zerfällt. Geschmacklich ist da beides voll auf Höhe.

Zum Dinner wählte seine Begleitung geschmorte Ochsenbacke, die auf der Zunge zerfiel.

Foto: Çağla Canıdar

Das eigentliche Highlight ist aber – soeben von Christoph Neumann bereitgestellt – die Nachspeise, der American Cheesecake mit zweierlei Winterapfel. Man darf sich das so vorstellen: Da gibt es diese süßen Kuchenstücke, cremig und doch gleichzeitig irgendwie fest, umrandet von einem Apfelmus, bestückt mit hauchdünnen Apfelscheibchen, die auf der Eiskugel Winterapfel drapiert sind. Das macht nicht nur auf dem Teller einen Instagram-würdigen Eindruck, sondern schmeckt auch einfach herausragend gut. Echtes Apfeleis habe ich so noch nie gegessen – ohne Zweifel wird es jetzt aber zum eigenen Sortiment hinzugefügt. Meine Begleitung nutzt die Gelegenheit und stöpselt ihr Handy an, um Alicia Keys‘ „Empire State of Mind“ anzumachen. Wir tanzen natürlich in diesem Wohnmobil, was uns ja nicht mal gehört.

Im Hauptgang kann man unter anderem das Zanderfilet mit knusprigen Chips wählen. Echt lecker!

Foto: Çağla Canıdar

Zum Abschied gibt es einen weiteren, letzten Gruß, die Farewell-Praline. Diese leckere Schokoladen-Kalorienbombe ist dann also die fünfte Portion, und bei einem Preis von 49,95 Euro pro Person inklusive der Sektbegrüßung hat sich das Restaraunt des Bernsteinsees also wirklich ins Zeug gelegt. Zu reservieren sind die Wohnmobil-Stellplätze immer freitags bis sonntags, jeweils von 12 bis 20 Uhr. Etwa zwei Stunden sollte man für dieses Mehrgangmenü einplanen.

Wir verabschieden uns und blicken noch einmal über den tiefschwarzen See, der nur noch durch die blaue Terrassenbeleuchtung erkennbar ist. Meine Begleitung parkt das Wohnmobil aus, düst auf die Landstraße und wir entschwinden in der Nacht.

Bernsteinsee-Restaurant
Bernsteinallee 5, Stüde
Tel. 05379-9814050
E-Mail: info@bernsteinsee-restaurant.de
www.bernsteinsee-restaurant.de