Kultur

Wir wollen uns stärker als bisher um die Mitglieder kümmern - Der neue Vorsitzende Klaus Meister und Elga Eberhardt sprechen über die Zukunft des Gifhorner Kulturvereins

Malte Schönfeld, Bastian Till Nowak Veröffentlicht am 01.01.2022
Wir wollen uns stärker als bisher um die Mitglieder kümmern - Der neue Vorsitzende Klaus Meister und Elga Eberhardt sprechen über die Zukunft des Gifhorner Kulturvereins

Geschäftsführerin Elga Eberhardt und der neue Vorsitzende Klaus Meister vor dem Kavalierhaus: „Wir wünschen uns, dass wir alle bald wieder Konzerte erleben können ohne Kontaktbeschränkungen.“

Foto: Michael Uhmeyer

Klaus Meister hat sein Amt als Vorsitzender des Gifhorner Kulturvereins angetreten, er übernahm von Britta Scheller, die 15 Jahre lang die Geschicke lenkte und dem Verein als Ehrenvorsitzende erhalten bleibt. „Der Kulturverein ist hervorragend aufgestellt“, attestiert Klaus Meister – und doch hat der scheidende Kulturamtsleiter der Stadt Gifhorn einige Ideen und Pläne. KURT-Herausgeber Bastian Till Nowak und KURT-Mitarbeiter Malte Schönfeld trafen sich zum Interview mit dem neuen Vorsitzenden und Elga Eberhardt, der Geschäftsführerin des Vereins, um über Mitgliederwerbung, programmatische Ausrichtung und das Vereinsleben zu sprechen.

Vom langjährigen Kulturamtsleiter der Stadt Gifhorn, der in wenigen Monaten in den Ruhestand geht, zum neuen Vorsitzenden des Kulturvereins Gifhorn, der seit wenigen Wochen im Amt ist – warum machst Du das eigentlich, Klaus?

Klaus: Die Sache ist eigentlich ganz offensichtlich: Die Tätigkeit im Fachbereich Kultur, die ich über 30 Jahre gemacht habe, hat mir nicht nur viel Arbeit beschert, sondern auch viel Freude. Ich habe das sehr gerne gemacht, und mache es auch immer noch gerne.

Im Übrigen habe ich festgestellt, dass ich seit 30 Jahren Mitglied im Kulturverein bin. Daher habe ich auch eine enge Beziehung zum Verein. Als ich dann gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, mich stärker zu engagieren, habe ich spontan zugesagt.

Du hast jetzt schon viele Jahre lang Veranstaltungen selbst gemanagt und organisiert. Du bist da natürlich ganz anders gefragt als jemand, der einfach nur als Besucher kommt. In Deinem Ruhestand könntest Du all das ja jetzt genießen und Kultur als Rezipient aufnehmen. Was treibt Dich an, diese Macher-Rolle einnehmen zu wollen?

Klaus: Die Frage könnte Euch meine Frau besser beantworten (schmunzelt). Denn sie ärgert sich immer, wenn wir zu einer Veranstaltung gehen und ich am liebsten hinter die Kulissen gucke. Mich interessieren immer mehr die Infrastruktur, die Sicherheitskonzepte und all diese Aspekte als das, was auf der Bühne geboten wird. Das ist einfach eine Berufskrankheit. Man könnte es eine Macke nennen, mit der ich mich arrangiert habe – und meine Frau auch.

Wenn wir mal so tun, als gäbe es die aktuelle Pandemie nicht, und uns anschauen, was wir an kulturellem Leben in unserer Stadt haben – wie bewertest Du den Status quo der Kultur in Gifhorn? Fehlt noch etwas, was sich der Kulturverein vielleicht zu neuen Aufgaben machen könnte?

Klaus: Die Antwort fällt mir schwer (überlegt). Ich bin überzeugt, dass wir ein großes, vielseitiges Kulturangebot in der Stadt haben. Oftmals sind die Kulturanbieter noch nicht genug vernetzt. Daran werden wir arbeiten. Als Vorstand sind wir nicht die Allwissenden, wir dürfen nicht zu viel vorgeben. Die Mitglieder sollten entscheiden, wo es Lücken gibt.

Du hast es bereits gesagt: Seit 30 Jahren bist Du Mitglied im Kulturverein. Wie hast Du den Verein vorgefunden bei der Übernahme Deiner Amtsgeschäfte?

Klaus: Der Kulturverein ist hervorragend aufgestellt. Er hat es im Verhältnis zu anderen großen Kulturanbietern in den vergangenen Jahren geschafft, seinen Platz in der Stadt zu finden und zu definieren.

„Es ist ja bald Weihnachten und damit die Zeit der Wünsche. Wir wünschen uns, dass unser Kulturverein Gifhorn noch vielfältiger und attraktiver wird.“
Klaus Meister, Vorsitzender des Gifhorner Kulturvereins

Foto: Michael Uhmeyer

Ein großer Kulturanbieter ist die Stadthalle...

Klaus: Genau, in erster Linie die Stadthalle. Aber auch gegenüber dem, was wir bei der Stadt gemacht haben, was der Kultbahnhof und die Musikschule machen. Das sind ja alles Kulturveranstalter, mit denen es bislang möglich war, sich gut zu arrangieren. Das soll nicht nur so bleiben, sondern sogar noch besser werden.

Nicht zuletzt ist der Kulturverein sicher auch wegen seiner mehr als 500 Mitglieder gut aufgestellt. Der Altersdurchschnitt liegt bei 72 Jahren, was den Verein auch vor Herausforderungen stellt. Wie willst Du diese angehen?

Klaus (überlegt wieder): Das ist wirklich eine ganz große Herausforderung. Zunächst einmal bin ich glücklich, dass wir so viele treue Mitglieder haben. Ihnen und ihren kulturellen Interessen gilt unsere erste Aufmerksamkeit, damit sie weiterhin gern Mitglied des Kulturvereins bleiben. Es wird aber auch eines der Ziele sein, eine aktive Mitgliederwerbung zu betreiben, um auch jüngere Leute für den Kulturverein zu gewinnen – und mit jungen Leuten meine ich alle, die jünger sind als der Durchschnitt.

Natürlich hat der Kulturverein bislang schon einen starken Fokus auf die Förderung der Kinder- und Jugendangebote gelegt – das wollen wir ausbauen, klar. Was bisher aber fehlt, ist der gesamte Bereich der sogenannten Best Ager, die müssen wir einfach erreichen. Im neuen Vorstand haben wir ganz klare Ideen und Vorstellungen, wie wir das angehen.

Nehmen wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der IAV: Bislang hat sie niemand danach gefragt, welche kulturellen Bedürfnisse sie haben. Da arbeiten fast 4000 hochgebildete Menschen, die natürlich alle kulturelle Bedürfnisse und Interessen haben. Auf Firmen wie die IAV und viele andere wollen wir sehr gern zugehen und sie als Partner gewinnen. Partner nicht im Sinne eines Sponsors, klar, das auch gerne – aber vor allen Dingen wollen wir uns um passgenaue Angebote für diese Menschen kümmern.

Jeder, der ein kulturelles Interesse hat, könnte sofort nach Wolfsburg, Braunschweig oder Hannover fahren – die Mobilität macht‘s möglich. Doch es gibt einige, die Gefallen daran und Glück darin finden, in kleinen Formaten Kultur zu erleben und mitzumachen. Und da sind wir beim Hauptproblem: Der Kulturverein Gifhorn hatte bislang viele Angebote im Bereich der klassischen Musik und der Kleinkunst, aber kaum ein Vereinsleben. Bis auf einzelne Ausnahmen hat sich niemand um die Arbeit mit den Mitgliedern gekümmert. Darauf werde ich ganz stark den Fokus legen.

Ist denn die kulturelle Bandbreite des Kulturvereins überhaupt ausreichend, um ein breiteres Publikum anzusprechen?

Klaus: Im Moment ehrlicherweise noch nicht. Ich glaube aber, dass das bisherige Angebot altersunabhängig ist. Man kann nicht sagen, klassische Musik wäre nur was für die Alten. Aber um jüngere Leute zu gewinnen, braucht es sicherlich andere Formate und Inhalte, als diejenigen, die bisher den Spielplan geprägt haben.

Kultur ist ein so breites Feld, um mit Fontane zu sprechen, dass wir da sicherlich viele Ideen haben werden, um das alles ein wenig zu entwickeln. Wenn wir auf den nächsten Spielplan schauen, wird das schon zu sehen sein: Die gewohnte Programmstruktur werden wir erhalten, aber es wird auch schon etwas Neues geben.

Elga: Für das Spieljahr 2022/23 müssen wir wissen, was passieren soll. Solange wir keine neue Strategie haben, bei der wir wissen, was wir konkret umsetzen wollen, wäre es aber nicht sinnvoll, das Alte einfach einzureißen. Wir wollen erfahren, was die Leute sich wünschen. Was könnte man noch mit in den Plan aufnehmen, was könnte man weglassen? Dafür brauchen wir Zeit.
Klaus: Wir haben nun den ersten Newsletter fertig, der an alle Mitglieder rausgeht.

Geschäftsführerin Elga Eberhardt (von links), Vize-Vorsitzende Dörte Peiffer, Schatzmeister Andreas Waßmer und Vorsitzender Klaus Meister wollen den Gifhorner Kulturverein modernisieren.

Foto: Michael Uhmeyer

Da ist genau die Frage enthalten: Was stellt Ihr Euch vor für die Zukunft, habt Ihr Vorschläge? Dazu brauchen wir auch insbesondere den Rat von einem Gremium, das bislang kaum eine Funktion hatte: dem Beirat.

Du sprichst es an: Wie stellst Du Dir die Arbeit des neuen Vorstands und des neuen Beirats vor? Welche Impulse möchtest Du da reinbringen?

Klaus: Der neue Vorstand hat in seiner Arbeit einen Unterschied zum alten: Elga ist als Geschäftsführerin dabei. Sie ist diejenige, die das Büro und die Geschäftsstelle leitet. Sie stellt den Spielplan zusammen und hat den unmittelbaren Kontakt zu allen Mitgliedern.

Im Moment kommt der Vorstand alle 14 Tage zusammen, dazu sind wir in einem intensiven Email-Austausch. Wir haben Dörte Peiffer als stellvertretende Vorsitzende, die für mich eine ganz besondere Funktion hat: Sie ist berufstätig, jung, Musikerin und sie kommt aus Berlin. Sie hat einen ganz anderen, unverstellten Blick auf das, was wir hier tun. Das ist mir sehr viel wert.
Und für unseren neuen Beirat haben wir fünf engagierte Leute gewinnen können. Da erhoffe ich mir frischen Input.

Mehr Angebote fürs Vereinsleben – in welche Richtung denkst Du?

Klaus: Wir haben den Kulturstammtisch, der wegen Corona pausieren musste. Den möchte ich in einer anderen Form wiederbeleben. Ich möchte ins Kavalierhaus zu Kaffee und Kuchen und einem netten Plausch einladen. Unsere Mitglieder brauchen Kommunikation und Austausch. Wir wollen da keine großen Vorträge halten. Gleichwohl möchte ich aber auch immer anbieten, dass da jemand ist, der am Anfang zu einem Thema spricht und so Auslöser ist für die Gespräche, die dann folgen sollen. Man könnte das auch Kulturcafé nennen.

Und schließlich hoffe ich, dass die Mitglieder – stärker als in der Vergangenheit – zu uns kommen ins Kavalierhaus, gerne auch auf einen Kaffee und ein Gespräch. Ich möchte, dass dieses Haus mit Leben gefüllt wird, dass hier etwas passiert.

Elga: ...und dass die Mitglieder diese Räume nutzen und Eigeninitiative entwickeln. So dass der Vorstand nur der Koordinator ist. Das ist ja auch das Anliegen der Bürgerstiftung, dass die Räume von Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden. Gut, das war in den vergangenen zwei Jahren aus bekannten Gründen anders, aber das wird ja hoffentlich irgendwann alles besser.

Klaus: Es ist ja bald Weihnachten und damit die Zeit der Wünsche. Wir wünschen uns, dass die Corona-Pandemie bald vorbei sein möge, damit wir alle wieder Konzerte erleben können ohne Kontaktbeschränkungen: mit entspannten Gesprächen und einem Getränk in der Pause.

Wir wünschen uns, dass alle Künstler und Veranstaltungstechniker die auftrittsfreie Zeit „überleben“. Wir wünschen uns, dass unser Kulturverein Gifhorn noch vielfältiger und attraktiver wird.