Sport

Wir feiern jetzt wie die Bekloppten! - Oberliga-Fußballer des MTV Gifhorn schaffen den Klassenerhalt

Jens Neumann Veröffentlicht am 11.06.2022
Wir feiern jetzt wie die Bekloppten! - Oberliga-Fußballer des MTV Gifhorn schaffen den Klassenerhalt

Marius Saikowski (links), bisher SSV Kästorf, arbeitet künftig wieder mit seinem vertrauten Coach Georgios Palanis zusammen – und trifft beim MTV Gifhorn auf seinen Bruder Sören.

Foto: MTV Gifhorn

Kein Sportler verliert gerne. Niederlagen sind zumeist mit einem bitteren Beigeschmack behaftet. Doch diese Niederlage schmeckte den Oberliga-Fußballern des MTV Gifhorn. Oder anders gesagt: Sie war ihnen völlig wumpe, scheißegal! Denn obwohl sie das letzte Abstiegsrunden-Spiel beim MTV Eintracht Celle mit 1:2 verloren, hatten die Schwarz-Gelben allen Grund zum Jubeln: Sie feierten den Klassenerhalt und haben damit ihr großes Ziel erreicht.

Auf der einen Seite bildeten die Celler ihren Siegerkreis, feierten sich selbst mit „Spitzenreiter-Spitzenreiter“-Sprechchören – sie schlossen die Abstiegsrunde als Erster ab. Auf der anderen Seite des Spielfelds versammelten sich die Gifhorner und stimmten ein deutlich lauteres „Oberliga, Oberliga, hey, hey…“ an, tanzten ausgelassen auf dem Rasen. Es war der Moment, in dem auch der letzte Zuschauer verstanden hatte, warum Coach Georgios Palanis im Vorfeld stets betont hatte: „Für uns ist der Klassenerhalt wie eine Meisterschaft!“

Und da man Feste bekanntlich feiern soll, wie sie fallen, ließen sich die Schwarz-Gelben auch nicht lumpen und starteten nach der Rückkehr an die Flutmulde ihren Party-Marathon! „Wir feiern jetzt wie die Bekloppten. Mal sehen, wo es endet“, hatte MTV-Torjäger Malte Leese direkt nach der Partie angekündigt. „Jetzt geht’s richtig ab“, versprach Torwart-Routinier Friedrich Filikidi nach dem letzten Spiel seiner Karriere.

Er verpasste in der Abstiegsrunde ebenso wie Marc Upmann keine Minute: Routinier Marvin Luczkiewicz (rechts) war im Kampf um den Klassenerhalt ein großer Faktor.

Foto: Michael Uhmeyer

Ebenso wie Kim Kemnitz, der nach 16 Jahren (!) im MTV-Dress eine Fußball-Pause einlegen will, wurde er von seinen Mitspielern am Party-Abend mit einer Bilder-Collage überrascht. „Es gab lecker Schaschlik, ein Buffet und reichlich Kaltgetränke“, verriet Kapitän Tobias Krull schmunzelnd. „Ja, die dritte Halbzeit ging schon etwas länger.“ Bis 4.30 Uhr ließen es die Gifhorner im GWG-Stadion krachen, dann zog ein Großteil der Truppe nach Braunschweig weiter – und war selbst am Mittag noch nicht zu Hause…

„Wir haben es wieder einmal geschafft – egal, wie! Wir haben es als einzige Mannschaft aus unserer Staffel gepackt. Und wenn Du in dieser Abstiegsrunde am Ende über dem Strich stehst, dann hast Du ganz, ganz viel richtig gemacht“, hob Krulli hervor. „Sechs von zehn Mannschaften mussten absteigen – da musst Du erst einmal bestehen. Wir haben zwar heute ein Spiel verloren, aber da denkt keiner mehr drüber nach. Hauptsache wir haben es überstanden. Darauf können wir wirklich stolz sein. Jetzt wird gefeiert“, betonte Defensivmann Marc Upmann, der neben Marvin Luczkiewicz der einzige MTV-Akteur war, der in der Abstiegsrunde nicht eine Spielminute verpasst hatte.

Sein Trainer Georgios Palanis war „froh und glücklich“ – und vor allem unglaublich erleichtert. Er hatte „den mit Abstand härtesten Job, den ich je angetreten habe“, erfolgreich zu Ende gebracht: Am 22. September 2021 hatte der Ex-Kästorfer die Nachfolge von Michael Spies angetreten – und dem großen Ziel, dem Klassenerhalt, „alles untergeordnet“. Nachdem die Aufstiegsrunde verpasst worden war, war klar: Den Gifhornern stehen zehn Endspiele auf dem Weg zum Klassenerhalt bevor.

Rambazamba bis weit in den nächsten Tag: Die Oberliga-Fußballer des MTV Gifhorn hielten – trotz Niederlage am letzten Spieltag – die Klasse. Logisch, dass da das eine oder andere Bierfass geleert wurde.

Foto: Privat

„Diese Abstiegsrunde war schon heftig. Du hast kein Spiel zum Verschnaufen gehabt. Du musstest nach jeder Partie gleich wieder den Schalter umlegen“, erklärte Georgios Palanis, der selbst nach den Spielen „zwei, drei Tage zum Runterkommen“ brauchte. „Das ging schon an die Substanz. Vom Kopf her war es brutal anstrengend“, meinte Gifhorns Trainer.

Aus seiner Sicht sei der Klassenerhalt „eine echte Teamleistung“ gewesen. Der Erfolg einer Mannschaft, die aus „zig Bausteinen“ bestand und „Riesiges“ geleistet hatte: von den Betreuern Wolfgang Staats, Nicole und Christian Saß über Physiotherapeut Carsten Meyer bis hin zu Co-Trainer Michael Müller. Und selbstverständlich vergaß Georgios Palanis in seiner Aufzählung auch die Spieler nicht. „Hut ab vor den Jungs, wie sie das alles angenommen haben“, sagte der 50-jährige MTV-Coach: „Heute können sie einfach nur feiern.“ Gesagt – getan! Es wurde gefeiert, bis zum nächsten Mittag…

„So langsam habe ich alles verarbeitet“, gab er mit einigen Tagen Abstand zu – und richtete den Blick gleich wieder nach vorne. „Nach der Saison ist vor der Saison“, erklärte der MTV-Coach, der weiter am Kader für die kommende Spielzeit bastelt – und auf einen Großteil seines bisherigen Aufgebots baut. „Eigentlich konnten alle bleiben, die auch wollten“, sagte Georgios Palanis, der mit Ausnahme von Kim Kemnitz und Friedrich Filikidi künftig nicht mehr auf Karim Benaissa und Marius Martinowski (beide Ziel unbekannt) zurückgreifen kann.

Marius Saikowski (links), bisher SSV Kästorf, arbeitet künftig wieder mit seinem vertrauten Coach Georgios Palanis zusammen – und trifft beim MTV Gifhorn auf seinen Bruder Sören.

Foto: MTV Gifhorn

Vier gehen – vier kommen. Im Kader gibt es praktisch einen „1-zu-1-Tausch“, so der Trainer, der dabei gleich drei Akteure mit MTV-Vergangenheit zurückbegrüßen kann. Nach Marius Saikowski (SSV Kästorf) und Wayne Rudt (SV Gifhorn) sagte auch Innenverteidiger Burak Hajdari (Lupo Martini Wolfsburg) zu, der in der Jugend in Gifhorn spielte und mit dem Trainer Palanis bereits in Kästorf zusammenarbeitete. Vierter Neuzugang im Bunde ist Torwart Jonas Loock, der vom Landesligisten MTV Isenbüttel kommt.

„Jetzt habe ich eine Erwartungshaltung an die Mannschaft. Es gibt ein neues Ziel, eine neue Herausforderung“, sagte der MTV-Coach: „Die einzelnen Spieler sollen nun den nächsten Schritt machen.“ Ein Schritt, den sie gemeinsam gehen wollen, für den sie bereits am 26. Juni wieder in die Vorbereitung einsteigen. Das erste Punktspiel steigt dann am ersten August-Wochenende.
Und dann soll es – egal, wie der Gegner auch heißt – eben keine Niederlage für die Gifhorner geben. Denn kein Sportler verliert gerne. Und zum Auftakt ist so eine Niederlage nun einmal alles andere als wumpe oder scheißegal.