Sport

Von der Gifhorner Bleiche auf die große Tennisbühne: Der TC Grün-Weiß Gifhorn hat sich seit Jahren als wahre Talentschmiede etabliert

Jens Neumann, Jens Semmer Veröffentlicht am 06.03.2021
Von der Gifhorner Bleiche auf die große Tennisbühne: Der TC Grün-Weiß Gifhorn hat sich seit Jahren als wahre Talentschmiede etabliert

Tea Lukic (links) wurde für 2021 – wie schon im vergangenen Jahr – für das Porsche Junior Team des Deutschen Tennis Bundes nominiert. Anna Klasen (unten rechts, im Jahr 2014) bestritt noch während ihrer Zeit beim TC Grün-Weiß ihre ersten ITF-Turniere. Sie steht in der deutschen Damen-Rangliste derzeit auf Rang 32. Bis 2019 schlug Sophie Greiner (oben rechts) für Gifhorn auf, ehe sie ihrer Schwester folgte und sich ebenfalls dem TC Blau-Weiss Berlin anschloss.

Foto: Michael Uhmeyer/Sebastian Priebe/regios24 (Archiv)

Der Weg in Richtung Profigeschäft, er führt für viele Tennis-Nachwuchshoffnungen über Gifhorn. Der TC Grün-Weiß hat sich längst einen Namen als Talentschmiede gemacht – und das weit über unsere Landesgrenzen hinaus. Selbst auf Bundesebene ist bekannt, dass an der Gifhorner Bleiche eine hervorragende Nachwuchsarbeit betrieben wird. Das gilt vor allem für den Damenbereich.

Das macht schon ein Blick auf die aktuelle deutsche Damen-Rangliste deutlich: Mit Anna Klasen (Position 32), Lena Greiner (62), Charlotte Klasen (73) und Sophie Greiner (78) werden gleich vier ehemalige Gifhornerinnen unter den Top 80 geführt, die inzwischen allesamt in der 2. Bundesliga für den TC Blau-Weiss Berlin aufschlagen. Und: Mit Tea Lukic (Position 99) findet sich noch ein Ausnahmetalent der Grün-Weißen unter den Top 100 wieder.

„Wir sind ja schon seit ein paar Jahren in Gifhorn und durch die Lehre bei Grün-Weiß gegangen. Da wird eine super Arbeit gemacht“, betont Frank Greiner, der nur lobende Worte für die Trainer des TC Grün-Weiß findet. „Meine jüngere Tochter Sophie wäre am liebsten nie aus Gifhorn weggegangen, weil sie sich dort einfach so wohlfühlt. Aber leider spielt Grün-Weiß zu niedrig“, erklärt der ehemalige Fußball-Profi, warum es die 17-jährige Sophie im Punktspielbetrieb nach Berlin verschlug.

Das jüngste Top-Talent aus Gifhorn: Mailina Nedderhut gewann im vergangenen Jahr unter anderem den Landesmeistertitel der U14.

Foto: Tennisverband Niedersachsen-Bremen

Der Kontakt nach Gifhorn riss jedoch nie ab – im Gegenteil. Noch heute trainiert sie beim TC Grün-Weiß mit, absolviert die Einheiten unter Anleitung von Igor Djuranovic. „Er ist wirklich ein super Coach. Wenn ich einen Tipp brauche, kann ich die Trainer hier Tag und Nacht anrufen. Sie helfen immer“, unterstreicht Frank Greiner und schiebt nach: „Wir sind ihnen wirklich dankbar. Wir haben ihnen auch zu verdanken, dass beide Töchter unter den Top 100 in Deutschland geführt werden.“

Sophie Greiner und ihre drei Jahre ältere Schwester Lena haben den großen Vorteil, dass sie „überwiegend miteinander trainieren“, so ihr Vater. „Sie verstehen sich super miteinander“, hebt er hervor. Und auch den nächsten Schritt werden sie gemeinsam absolvieren: „Sie gehen beide in den Profibereich“, legt sich Frank Greiner fest. „Sophie muss jetzt erst einmal ein paar internationale Turnier spielen“, zeigt der 54-Jährige den Weg auf, den seine jüngere Tochter in den nächsten Monaten beschreiten wird.

Reichlich Erfahrung auf internationaler Bühne haben derweil die aus Hankensbüttel stammenden Klasen-Schwestern Anna und Charlotte in den vergangenen Jahren gesammelt. Die heute 27-jährige Anna Klasen bestritt bereits 2010 ihre ersten ITF-Turniere, wechselte 2012 nach Berlin und gewann später in Brüssel (2013) sowie im tunesischen Sousse (2014) auch zwei ITF-Einzeltitel. Noch erfolgreicher war sie im Doppel mit 13 Turniersiegen – davon fünf an der Seite ihrer jüngeren Schwester, die ihrerseits deutsche Meisterin im Doppel der Altersklassen U16 und U18 wurde.
Anna und Charlotte Klasen waren zudem Teil des Damenteams, das dem TC Grün-Weiß mit dem Gewinn der Meisterschaft in der Regionalliga den größten Erfolg im Punktspielbetrieb bescherte, und sie blieben dem Verein auch nach ihrem Einstieg in den Profibereich erhalten. Djordje Djuranovic, der bis Mai 2019 die Entwicklung der Gifhorner Damenteams als Trainer 26 Jahre lang vorangetrieben hatte, erklärte damals im Rückblick stolz: „Obwohl sie den Sprung in die 2., im Fall von Anna sogar in die 1. Bundesliga, geschafft haben, haben sie im Winter noch regelmäßig für uns gespielt. Das zeigt ihre Verbundenheit mit unserem Verein.“ Da es im Winter keine Punktspiele in den Bundesligen gibt, schlugen die Klasens weiterhin an der Bleiche auf und trugen dazu bei, dass sich die erste Mannschaft über mehrere Jahre in der Regionalliga – der höchsten Spielklasse in der Hallenserie – hielt.

Charlotte Klasen – hier im Gifhorn-Dress 2015 – wurde unter anderem deutsche Meisterin im Doppel der Altersklassen U16 und U18.

Foto: Sebastian Priebe/regios24 (Archiv)

Djordje Djuranovic war es auch, der eines der aktuellen Top-Talente bei dessen ersten Schritten begleitete: Mailina Nedderhut. Nachdem sie sich 2018 bereits den U11-Landestitel geholt hatte, sorgte sie in den vergangenen beiden Jahren regelmäßig auch in den älteren Konkurrenzen für Furore. Beispielsweise gewann sie Anfang 2019 als gerade Elfjährige den U16-Titel bei den Meisterschaften der Jugend und Jüngsten der Tennisregion Harz-Heide. Im vergangenen Jahr wurde sie ohne Satzverlust Landesmeisterin der U14, erreichte bei der nordostdeutschen Jugendmeisterschaft das Doppelfinale (U14) und schaffte es im September, mit gerade einmal 13 Jahren, sogar bis ins Halbfinale der Landesmeisterschaft der Damen.

Der Lohn für den Trainingsfleiß und die Erfolge kam vom Deutschen Tennis Bund (DTB): Als eines von drei Talenten aus Niedersachsen wurde Mailina Nedderhut in den Nachwuchskader NK2 aufgenommen – das ist ein Förderkader für junge Spielerinnen, denen „eine besonders günstige Perspektive für eine erfolgreiche Laufbahn im Spitzensport“ attestiert wird. Womöglich ist für sie damit auch schon der nächste Schritt vorgezeichnet – einer, den ihre Vereinskameradin Tea Lukic bereits geschafft hat.

Lena Greiner kommt ebenfalls aus der Gifhorner Talentschmiede, hier im Jahr 2016. In der Altersklasse U16 holte sie den Titel.

Foto: Sebastian Priebe/regios24 (Archiv)

Tea Lukic gehört nicht nur dem NK1-Kader des DTB an, sondern wurde für 2021 erneut auch ins Porsche Junior Team berufen, in dem noch schulpflichtige Mädchen besonders intensiv gefördert werden.

All diese Erfolge unterstreichen, dass beim TC Grün-Weiß an der Basis hervorragende Arbeit geleistet wird. Als Djordje Djuranovic vor rund zwei Jahren die Verantwortung bei den Damen an seinen Neffen Igor weitergab, erklärte er: „Der Schritt, die Damenteams abzugeben, ist mir trotz der 26 bewegten Jahre leichtgefallen, weil ich weiß, dass ich sie in gute Hände lege. Und ich weiß, dass hinter allem ein sehr gut funktionierender Vorstand steht, der alle Spielerinnen und Spieler im Verein, ob Hobby oder leistungsorientiert, im Blick hat.“ Dieses Wissen sorgt für die Perspektive, dass auf die Klasens, Greiners oder nun Mailina Nedderhut in der Zukunft weitere Talente folgen werden, die in Gifhorn ausgebildet und für die große Tennis-Bühne vorbereitet werden können.