Stadtgespräch

Radverkehr und Verkehrssicherheit werden Schwerpunktthemen unserer Stadt - Als nächstes sind Gifhorns Schüler*innen mit Fragebögen gefragt

Bastian Till Nowak Veröffentlicht am 30.09.2020
Radverkehr und Verkehrssicherheit werden Schwerpunktthemen unserer Stadt - Als nächstes sind Gifhorns Schüler*innen mit Fragebögen gefragt

Bürgermeister Matthias Nerlich (von links) und Gifhorns Radverkehrsbeauftragter Oliver Bley tauschen sich mit Sandra Ulbricht und Rainer Mühlnickel vom Büro für Stadt- und Regionalentwicklung Böregio aus Braunschweig über die Zukunft des Gifhorner Radverkehrs aus.

Foto: Çağla Canıdar

Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer im allgemeinen und Verbesserungen des Radverkehrs im speziellen sind die zwei großen Themen, denen sich die Stadt Gifhorn mit dem Leitbild Mobilität 2030 verstärkt widmen möchte – vorausgesetzt natürlich, dass der Stadtrat in seiner Sitzung am bevorstehenden Montag dafür die Ampel auf Grün umstellt. Die Arbeiten für ein Verkehrssicherheitskonzept und ein neues Radverkehrskonzept sind jedoch bereits angelaufen, wie Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich und der Radverkehrsbeauftragte unserer Stadt, Oliver Bley, in einer Pressekonferenz am Mittwoch erläuterten. Noch steht alles am Anfang – und die gewollte Bürgerbeteiligung steht auch noch aus. Der Startschuss fällt allerdings schon am Montag, wenn alle Schülerinnen und Schüler der Gifhorner Grundschulen sowie diejenigen zweier weiterführender Schulen (Dietrich-Bonhoeffer-Realschule und Otto-Hahn-Gymnasium) mit Fragebögen ausgestattet werden.

Beim Fragebogen für die Eltern aller Gifhorner Grundschüler geht es in erster Linie um die Verkehrssicherheit: Mit welchem Verkehrmittel kommt Ihr Kind in der Regel zur Schule – zu Fuß, mit dem Fahrrad, Bus oder Auto; und ist es im Sommer anders als im Winter? Und wo gibt es auf diesen Wegen mögliche Gefahrenstellen? Diese sollen die Eltern dann direkt auf einer Karte eintragen.

Beim Fragebogen, den die Schülerinnen und Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule und des Otto-Hahn-Gymnasiums stellvertretend für alle weiterführenden Schulen erhalten, geht es hingegen vor allem um die Radverkehrsinfrastruktur in der Stadt Gifhorn: Wie oft kommst Du mit dem Rad zur Schule? Welche Gründe könnten dagegen sprechen, dies häufiger zu tun? Was genau ist am Radfahren in Gifhorn womöglich zu unbequem oder zu gefährlich? Welche problematischen Stellen gibt es auf dem Schulweg genau? Und wie könnte das Fahrradfahren zur Schule attraktiver gemacht werden?

Knackpunkte hat Rainer Mühlnickel, Geschäftsführer von Böregio, schon auf den ersten Blick an beiden Schulen ausgemacht: „Teilweise gibt es gar nicht genügend Fahrradständer – und teilweise lassen sich die Räder dort auch nicht sicher anschließen.“

Das sei zwar nur ein vergleichsweise kleines Problem – aber es steht symptomatisch für Anforderungen, die auch Erwachsene stellen, wenn sie denn aufs Rad umsteigen wollen: „Die Verkaufszahlen von Fahrrädern brummen regelrecht – und die angeschafften Fahrräder werden zum Teil auch immer teurer“, weiß Rainer Mühlnickel zu berichten. Klar, dass man dann sein Rad auch sicher untergebracht wissen möchte, wenn man es gerade nicht nutzt – egal ob man als Schüler im Klassenzimmer sitzt, als Arbeitnehmer im Büro oder als Tourist oder Passant durch die Geschäfte der Gifhorner Innenstadt bummelt.

Das Ziel ist klar: „Wir wollen in der Stadt Gifhorn in den kommenden Jahren einen deutlichen Sprung nach vorne machen – und ein echtes Highlight für Radfahrer werden“, betonte Bürgermeister Nerlich – und räumte gleichsam ein: „Dafür wird viel notwendig sein und es ist auch noch viel Infrastruktur zu schaffen.“ Noch in diesem Jahr soll es eine erste öffentliche Runde zur Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger geben, berichtete der Gifhorner Radverkehrsbeauftragte Oliver Bley – „selbstverständlich mit Befragungselementen, so dass sich auch alle selbst einbringen können“.

Schwerpunkt Radverkehr

„Zunächst sichten wir, was es gibt“, erklärte Böregio-Geschäftsführer Mühlnickel. „Dann schauen wir mit dem Außenblick, wo starker Handlungsbedarf ist – und wo man mit relativ wenig Geld vielleicht schon recht viel erreichen kann, und wo eher längerfristig etwas möglich ist.“ Betrachtet werden dazu auch die Unfallzahlen und natürlich die am häufigsten zurückgelegten Wege. „Wir untersuchen also potenziele Ziele und auch Quellen von Radverkehr“, konkretisierte Landschaftswissenschaftlerin Sandra Ulbricht, ebenfalls tätig bei Böregio.

„Im nächsten Schritt werden wir dann ein Netz erstellen mit Vorrangrouten, auf denen der Radfahrer zügig und sicher im Alltag fahren kann“, so Sandra Ulbricht. „Das muss nicht immer an der Hauptverkehrsstraße sein, das kann auch durch Tempo-30-Zonen führen.“ Die kürzeste Route ist schließlich nicht immer die schnellste. Wer als Radfahrer ärgert sich denn nicht, häufig viel Zeit an roten Ampeln zu verbringen?

Die Fragebögen der Gifhorner Schülerinnen und Schüler sollen beim Festlegen der Vorrangrouten genauso Berücksichtigung finden, wie auch die vom Radverkehrsbeauftragten Bley geplanten Bürgerbeteiligungen.

„Sobald das Netz aufgestellt ist, werden wir alle Routen abfahren“, erläuterte Sandra Ulbricht. Wo es hakt, muss nachgebessert werden – „wir werden der Stadt dann zu allen Stellen eine Kostenkalkulation vorlegen und auch eine Priorisierung vorschlagen“.

Schwerpunkt Verkehrssicherheit

Für diesen Part wurde von der Stadt Gifhorn das Büro LG Argus aus Kassel beauftragt. Ein zu erstellendes Verkehrssicherheitskonzept soll dabei alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen – neben den Radfahrern also gleichberechtigt Autofahrer und Fußgänger. Sie alle müssen sich schließlich den öffentlichen Raum teilen – und Konflikte sollen minimiert werden.

Für die Stadt Gifhorn geht es hierbei um vier Punkte: die Schulwegsicherheit, die Sicherheit von Querungen gerade an stark befahrenen Straßen, das Reduzieren zu hoher Geschwindigkeiten und – auf Wunsch der Gifhorner Politik – das Überprüfen von Ampelkreuzungen darauf, ob das Anbringen eines grünen Pfeils möglich ist.

Beide Konzepte – Schwerpunkt Radverkehr und Schwerpunkt Verkehrssicherheit – möchte die Gifhorner Stadtverwaltung gleichzeitig erstellen und später auch gleichzeitig umsetzen. Oliver Bley: „Wir versprechen uns sehr große Synergieeffekte, wenn wir abgestimmt in einem Rutsch nach stadtweit priorisierbaren Maßnahmen suchen.“


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