100 Jahre SSV Kästorf

Mein Traum war immer die Oberliga - Stefan Redler lenkt seit 20 Jahren die Geschicke der Kästorfer Fußball-Sparte

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 19.06.2022
Mein Traum war immer die Oberliga - Stefan Redler lenkt seit 20 Jahren die Geschicke der Kästorfer Fußball-Sparte

Seit Jahren gehören Peer-Phillip Brendler und die 1. Herren des SSV Kästorf zu den Top-Adressen der Fußball-Landesliga.

Foto: Michael Uhmeyer

Der SSV Kästorf ist ohne seine Fußball-Sparte nicht zu denken. Im Rahmen der Möglichkeiten hat sich eine Professionalisierung im Amateurbereich entwickelt: Der SSV ist mit drei Herrenmannschaften prächtig aufgestellt, das Zugpferd 1. Herren hat sich regional einen Ruf erarbeitet und gehört Jahr für Jahr zu den Top-Adressen der Landesliga. Nicht ausschließlich, aber einen großten Anteil an diesem Erfolg trägt die Arbeit von Stefan Redler, der sich seit 20 Jahren als Spartenleiter um das Wohl der Fußballer kümmert. Und einen großen Traum hat er immer noch vor Augen.

Jeder Verein hat so seine Gesichter. Oliver Kahn – Deutscher Meister, Champions-League-Sieger und Welttorhüter – gehört dem FC Bayern München an. Daran gibt‘s nichts zu rütteln, auch wenn er seine ersten Profi-Jahre beim Karlsruher SC verbrachte. Rudi Assauer – Manager-Legende, Geschäftsmann und leidenschaftlicher Zigarrenraucher – wird auf ewig mit dem FC Schalke 04 verbunden sein. Genauso erinnert man sich an Dedê – filigraner Linksfuß, 322-facher Bundesligaspieler und zeitweise Zahnspangenträger – ausschließlich in den Farben Schwarz und Gelb der Borussia aus Dortmund.

Beim SSV Kästorf gibt‘s ebenfalls diese Vereinsikonen. Eine davon ist Stefan Redler. Der 54-Jährige ist seit mehr als 40 Jahren Mitglied. „Nicht ganz von der Geburt an, das hat mein Vater versäumt“, lächelt er. Und im Laufe seiner sportlichen Karriere ist er vollkommen in seinem Herzensverein aufgegangen. In den vergangenen 20 Jahren, in denen Stefan Redler als Spartenleiter Fußball die Zügel in der Hand hielt, ist der Kästorfer Spiel- und Sportverein zu einer absoluten Top-Adresse im regionalen Fußball geworden. Das hat mehrere Gründe.

Blicken wir in das Jahr 2002: Stefan Redler übernimmt das Spartenleiter-Amt von Wolfgang Seibert. Zu diesem Zeitpunk spielt der SSV in der Bezirksklasse. Für Stefan Redler zu wenig. „Ich wollte sportlichen Erfolg und habe gesagt, dass ich nicht nur verwalten möchte“, gibt er unumwunden zu.

Unter seiner Führung und zusammen mit den Trainern Georgios Palanis und Heinz-Günter Scheil entsteht in Kästorf eine Periode, die von wiederkehrendem Erfolg gekrönt ist: Meisterschaften, Aufstiege, Pokalsiege. „Wir sind marschiert, bis auf einen Rückschlag, unseren Abstieg in die Bezirksliga 2014“, fasst es der Spartenleiter zusammen. Sein Händchen für hochqualifizierte Trainer, die diesen Weg gemeinsam mit ihm bestreiten wollen, zahlt sich aus – die Trophäen geben ihm Recht.

Spartenleiter, Stadionsprecher, immer Ansprechpartner: Stefan Redler ist mit jeder einzelnen Faser ein Kästorfer.

Foto: Michael Uhmeyer

Das ist der eine Grund. Ein anderer Grund ist folgender: Stefan Redler, selbst in den 80ern und 90ern am Ball eine Grazie, versteht es nicht nur, zu koordinieren. Er versteht auch den Sport, liebt den Fußball. „Der SSV steht für ehrlichen Fußball, Verlässlichkeit, Bodenständigkeit. Wir haben immer eine gute Mischung gefunden in den Kadern“, erklärt der Spartenleiter. Technisch höchst versierte Akteure, Ballmagier vorne und Zweikampfmaschinen hinten – das kommt an beim Publikum. Nicht selten gab‘s in der Vergangenheit richtige Schützenfeste zu feiern, Siege mit vier, fünf Toren Unterschied. Wenn man am Sportplatz des SSV steht, kriegt man mehr als Bier und Bratwurst: Man bekommt eine seltene Live-Darbietung, dass der Amateurfußball noch am Leben ist.

Der dritte – und eventuell sogar der wichtigste – Grund: Die Basis stimmt. In einer Zeit der ständigen Trainerwechsel, einseitigen Aufkündigungen von Zusagen und heißen Gerüchteküchen hat es der SSV Kästorf lange geschafft, sich ein ruhiges Umfeld zu bewahren. An vorderster Stelle ist da zu nennen, dass es drei Herrenmannschaften gibt, die in der Landesliga, Kreisliga und 3. Kreisklasse spielen – wahrlich außergewöhnlich für einen Dorfverein.

„Wir haben uns eine gute Struktur aufgebaut“, sagt Spartenleiter Redler. Und weiter: „Das Entscheidende ist, dass die Mannschaften autark sind. Auch unsere 2. Herren hat einen eigenen Trainer, einen eigenen Manager.“ Jedem Team werden eigene Ziele zugestanden, nicht alles ist dem Landesliga-Kader untergeordnet. Klar, wenn Not am Mann sein sollte, hilft man aus – aber nicht zu jedem Preis. Stefan Redler und die Verantwortlichen haben es sich zur Aufgabe gemacht, „wirklich alle Mannschaften zu respektieren. Keine kommt zu kurz.“

Noah Mamalitsidis wechselte 2017 nach Kästorf. Typisch SSV: Aus einem talentierten Jugendspieler ist eine Führungspersönlichkeit geworden.

Foto: Michael Uhmeyer

Das Schmuckkästchen bleibt aber natürlich die 1. Herren, die mit der Rückkehr in die Landesliga vor fünf Jahren und dem Bezirkspokalsieg unter Coach Palanis eine bemerkenswerte Entwicklung genommen hat. Ihm folgte 2020 Sajmir Zaimi, der den SSV weiterhin im oberen Drittel der Landesliga etablieren konnte, den Verein aber dennoch zum Ende der Saison 2021/22 verlassen wird. Für Spartenleiter Redler eine knifflige Aufgabe, den nächsten Trainer zu finden, der die Kästorfer Fußball-Idee vollends verinnerlicht: „Es ist ein Tag-und-Nacht-Job.“ (Anmerk. der Red.: Inzwischen hat der SSV Kästorf mit Sven Scholze einen neuen Coach vorgestellt)

Wie der SSV-Vorsitzende Ingo Düsterhöft will auch Stefan Redler seinen Posten nicht auf ewig halten. Eine frische Generation mit eigenen Ideen – das wäre es. Und da wird der Spartenleiter auch mal deutlicher: „Die Jugend muss verstehen, dass sie nicht nur nehmen kann, sondern irgendwann auch mal zurückgeben muss.“ Das Kästorfer Gesicht wünscht sich neue Gesichter, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und den SSV im sicheren Fahrwasser zu halten. Schließlich hat Stefan Redler selbst auch noch eigene Vorstellungen, wie er Kästorf helfen kann.

Früher habe es mal eine FEG gegeben, erzählt er. Eine Freiwillige Einsatzgruppe, ein paar Recken, die sich gerade um bauliche Maßnahmen auf der Anlage gekümmert hätten. „So eine Gruppe würde ich gern wieder aufmachen.“ Ihm falle da die Tribüne ein, da könnte noch mehr gehen. Stefan Redler – nicht nur der Architekt des sportlichen Erfolgs, sondern auch der zukünftige Bauträger einer kleinen, aber feinen Loge, von der aus man die Kantersiege des SSV bestaunen darf. Warum nicht?

Bis dahin ist aber noch ein klein wenig Zeit. Wenn sich der Spartenleiter etwas wünschen dürfte, wäre es ein weiterer Aufstieg. Einmal Oberliga-Luft schnuppern. Nach dem schrecklich knapp verpassten Aufstieg 2020, der nur an einer überkomplexen Entscheidung per Quotientenregelung gescheitert ist, wäre dieser das finale Ausrufungszeichen seiner Laufbahn. „Die Oberliga war immer ein Traum von mir, das habe ich nie verhehlt. Das wäre der ganz große Wurf.“ Dass der SSV Kästorf das Potential dazu hat, dürfte außer Frage stehen. Sicherlich, die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Aber Träumen darf ja wohl erlaubt sein. „Außerdem kennen wir mittlerweile alle Sportplätze der Landesliga. Mich interessiert auch, wie die Bratwurst in Bersenbrück schmeckt“, grinst Stefan Redler.

Ansprechpartner
Spartenleiter Fußball
Stefan Redler
Tel. 0170-3209272
stefanredler@online.de

Dieser Text ist Teil der von KURT herausgegebenen Sonderausgabe „100 Jahre SSV Kästorf“.