KURTs Gastro-Serie

Internationale Delikatessen in Gifhorns Mr. Barman‘s Bier- und Weinkeller

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 24.06.2020
Internationale Delikatessen in Gifhorns Mr. Barman‘s Bier- und Weinkeller

Aus fünf Variationen kann man im Bier- und Weinkeller von Inhaber Sebastian Bühring seine Baguettes wählen. Jedes ist für sich genommen ein Ereignis, von Mettwurst-Käse bis zum Veggie-Mix.

Foto: KURT Media

Für die aktuelle Ausgabe hat sich unser KURT-Vorzeigetester Malte Schönfeld mit seiner Begleitung auf die Terrasse von Mr. Barman‘s Bier- und Weinkeller begeben, wo internationale Delikatessen den Ton angeben. Das weitreichende Angebot aus Bier, Wein und Spirituosen war die perfekte Untermalung. Erst der Zapfenstreich konnte die beiden diesmal aus den Stühlen lösen.

Aus dem Zug in Gifhorn Stadt, direkt der Mund-Nasen-Maske entledigt, entlang des moderngrauen Busbahnhofs, dann die Verkehrsinsel überquert. Hier, im Innenhof, liegt Mr. Barman‘s Bier- und Weinkeller und döst noch in der ausgehenden Nachmittagssonne. Ich bin zehn Minuten zu früh dran, also setze ich mich noch auf eine nahegelegene Steinmauer, zupfe das Hemd zurecht und blicke auf das Treiben der Braunschweiger Straße. Normalerweise stehen um diese Uhrzeit hier die Autos in Schlangen, Feierabendverkehr, doch derzeit dürfen sich viele Leute den Heimweg sparen. Sie sind ohnehin zu Hause. Ich verstaue meine Kopfhörer im Rucksack und schlendere tiefer in den Hof.

Aus fünf Variationen kann man im Bier- und Weinkeller von Inhaber Sebastian Bühring seine Baguettes wählen. Jedes ist für sich genommen ein Ereignis, von Mettwurst-Käse bis zum Veggie-Mix.

Foto: KURT Media

Auf der Treppe vor dem Laden begrüßt mich Sebastian Bühring, der seit mehr als drei Jahren das Mr. Barman‘s führt und mir die Verhaltensregeln erklärt: Aufenthaltsformular zum Ausfüllen, Maskenpflicht im Laden, Desinfektionsmittel für die Hände, falls man auf die Toilette möchte. Capito? Capito! Schon häufiger bin ich hier eingekehrt, mit Freunden und Bekannten, geplant und ungeplant, mal länger, mal nur auf der Durchreise. Wir sind einander also keine Unbekannten, und umso mehr freut es mich, wieder hier sein zu können. Denn das Mr. Barman‘s vereint den Charme eines Glasgow-Pubs und einer südeuropäischen Weinbar, sammelt ruhige Schwarz-Weiß-Fotos an der roten Backstein-Kellerwand und lädt seine Gäste mit rustikalem Holz-Mobiliar dazu ein, hier bis zur Sperrstunde zu sitzen. Man gewinnt den Eindruck, im Set einer geilen Werbung für Tullamore Dew gestrandet zu sein.

Unser KURT-Gourmand Malte testet den roten Hauswein des Mr. Barman‘s und versucht mit seinem von Heidi Klum geliehenen Silberblick einen guten Eindruck zu machen.

Foto: KURT Media

In diesem Moment kommt meine Begleitung angeradelt, das Jackett weht im Fahrtwind. Wir grüßen mit Worten und setzen uns in den Biergarten, auf Abstand, auch zu den anderen Tischen. Darauf achtet Sebastian, der nun neben uns auftaucht, um eine Empfehlung auszusprechen: Die Mr. B‘s Nachos träfen den Ton des Hauses sehr gut, meint er, die könnten zu unserem Abend passen. Gesagt, getan. Einmal die Nachos, dazu nimmt meine Begleitung die Käseplatte, ich orientiere mich an zwei Baguettes, Knobi-Feta und Veggie-Mix. Doch das Mr. Barman‘s kann auch derber: Es gibt Basted Beef Skewer (ein marinierter Rinderfleisch-Spieß), Basted Chicken Skewer (dasselbe mit Hühnchen) oder eine Kartoffelpfanne mit gezupftem Rindfleisch, Speckwürfeln, Zwiebeln und Spiegelei. Das Angebot ist schmal, aber extrem ausgewählt. Viele der Speisen wirken exklusiv, dazu kommen die wechselnden Tagesgerichte, die man dringend erfragen sollte. Zum Essen ordert meine Begleitung eine Flasche Weißwein und eine Flasche stilles Wasser, ich favorisiere heute eher den mittelkräftigen Rotwein des Hauses, der im Menü mit „verschwenderisch harmonischer Fülle“ angekündigt wird, was mich zutiefst begeistert.

Wir stoßen an. Die Sonne läutet ihren Untergang über die Hausdächer ein, als unsere Teller kommen. Die Baguettes sind herrlich kross, das Öl zieht bloß in die äußerste Brotschicht, dadurch behält das Baguette seine Form und läuft nicht aus. Darüber steht der Belag und dampft.

„Fiesta, Fiesta Mexicana“: Ein Nachoteller für zwei Personen oder mehr wartet mit drei vielseitigen Dips auf.

Foto: KURT Media

Ein Olivenspieß garniert on-top. Die Baguettes kann man mit Messer und Gabel essen, aber auch provinziell auf die Hand nehmen – am vortrefflichen Geschmack ändert das nichts. Man isst, da Sebastian zusammen mit seinem Koch auf regionale Produkte setzt, im bestmöglichen Fall saisonal abgestimmt. Wie das Brot, das von der Bäckerei Hacke aus Meinersen kommt. So gut wie nichts wird hier aus der Industrie übernommen, sondern frisch und zügig zubereitet und verarbeitet, damit keine der Zutaten an Geschmack verliert. Wenn es geht, arbeitet man mit Bio-Produkten. Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel werden auf ein Minimum reduziert.

Dem Mr. Barman‘s gelingt damit famos der Spagat aus weltoffener Küche mit lokalem Touch, den sich so viele selbsternannte Restaurants als uneingelöste Behauptung auf die Fahne schreiben. Ich bestelle einen weiteren Rotwein, diesmal einen Primitivo.

Die zwei Baguettes haben gemundet – und vor allem Lust auf die Nachos gemacht. Auch meine Begleitung schwärmt von ihrer Käseplatte, die mit Cheddar, Camembert und Co ebenfalls als Appetitanreger wunderbar funktioniert. Ohnehin hat das Speisen im Bier- und Weinkeller etwas von einem Früher, dass wir nie kennengelernt haben. Diese tiefe Hingebung zum Essen und Trinken, so wie in den Straßencafés der 1920er Jahre in Paris oder Pamplona, ist angenehm undeutsch.

Die Käseplatte duftet.

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Viele kleine Mahlzeiten, die sich der Tisch teilt, dazu eine gute Flasche Wein. Deswegen hat Hemingway „Fiesta“ geschrieben, und während mir dieser Gedanke kommt, dass diese Straßencafés hier im Mr. Barman‘s eine fast übersehene Wiedergeburt feiern, stoße ich mit der Gabel in den großen Berg aus Nachos, die in einem Tropfen Tomatensauce liegen und mit Käse überbacken sind. Umkreist von Paprikaschnitten und drei Schälchen mit Dips: klassische Sour Cream, mexikanische Guacamole und Mojo Rojo auf der Basis von Öl, Essig und Knoblauch. Ganz, ganz hervorragend. Hier haben wir sie, die internationale Küche! Das Mr. Barmans schafft es, mehrere Komponenten elegant zu einem eigenen Stil zusammenfließen zu lassen. Ich bestelle zur Steigerung einen vollmundigen australischen Shiraz Cabernet, meine Begleitung eine weitere Flasche Pinot Grigio.

peziell im sich anbahnenden Sommer ist die Terrasse des Mr. Barman‘s ein geeigneter Ort, um sich von den Strapazen des Tages zu erholen.

Foto: KURT Media

Nach dem ausgiebigen Essen ergänzen wir erfolgreich die Gespräche der umliegenden Tische mit mehr oder minder richtig wiedergegebenen Zitaten. Denn in den vergangenen zwei Stunden haben sich weitere Gäste auf der Terrasse eingefunden. Ein Bekannter stößt zu der Szenerie, erzählt etwas wenig Glaubhaftes und geht dann wieder. Mir rutscht der Satz „Ich vertraue ihm nicht, er sieht mir zu gut aus“ heraus, und wir bestellen uns jeweils einen Gin Tonic, meine Begleitung nimmt Ungava Canadian Premium, ich entscheide mich für Whitley Neill. Vom Nebentisch gibt uns jemand einen Haselnussschnaps aus, während meine Begleitung in eine Michael-Douglas-Imitation verfällt. Ob das irgendwie zusammenhängt? Wahnsinn, egal, weiter, hier ist noch Strecke zu machen.

Nach vier Stunden erfragt die Bedienung die letzte Runde, ist ja auch erst Mittwoch. „Vier Berliner Luft“, gibt meine Begleitung in Auftrag. Wir kippen die Kurzen und begleichen die Rechnung. Die Sonne ist längst verschwunden, auf der Braunschweiger Straße rasen zwei dunkle BMW vorbei und liefern sich ein Rennen. Der Tag war schön. Vielleicht einer der schönsten des bisherigen Jahres.

Mr. Barman‘s Bier- und Weinkeller
Braunschweiger Straße 15, Gifhorn
Mi. – Sa. 18 bis 22 Uhr