Musik

Hounddogs: Gifhorns Legenden kehren für ein Reunion-Konzert zurück

Marieke Eichner Veröffentlicht am 24.07.2021
Hounddogs: Gifhorns Legenden kehren für ein Reunion-Konzert zurück

Die Hounddogs-Formation zum Kultbahnhof Open Air: Holger Trull (von links), der größte Hounddog-Fan Billy Ray Schlag als Vertretung für Bert Böttcher, Volker Schlag, Robert Hunecke und Dirk Schlag.

Foto: Volker Schlag (Archiv)

Mit der Country-Rock‘n‘Roll-Cover-Band „Hounddogs“ starteten die bekannten Gifhorner Brüder Volker und Dirk Schlag nicht nur ihre musikalischen Karrieren. Die Truppe sorgte bei Auftritten immer mindestens für Bombenstimmung, wenn nicht gar für ekstatische Zustände im Publikum. Die Hounddogs waren Dauergäste beim Altstadtfest und gingen mit den Großen des Rock‘n‘Roll auf Deutschlandtour – bis 2003. Zwar haben sich die Hounddogs nie offiziell aufgelöst, doch das Konzert beim Kulturbahnhof Open Air im Juli ist trotzdem eine Ausnahme. Wenn Volker und Dirk von selbstgebastelter Technik, gerissenen Hosen und den Gigs erzählen, wird klar, warum das Reunion-Konzert bereits restlos ausverkauft ist.

„Ganz am Anfang hab ich Bass gespielt“, erinnert sich Volker Schlag. „Am Schlagzeug saß Jürgen Schneider, mein Bruder Dirk hat Gitarre gespielt, Martina Schwark auch, am Saxophon war Lars Herzog. Wir nannten ihn Kuddel.“

Das war 1985, als sich die Hounddogs gründeten. Die Mitglieder kannten sich aus der Rhythmusgruppe einer Big Band aus Ehmen, die sich aus dem Fanfarenzug gegründet hatte. Viele Besetzungswechsel prägen die Geschichte der Country-Rock‘n‘Roll-Cover-Band. „Als Martina ausgestiegen ist, kam Mick Scharf zu uns“, erzählt Volker. „Später hat er die Band Crossfire gegründet.“ Viele Namen fallen, wenn Volker die Musiker der Hounddogs aufzählt: Andreas aus Gifhorn, Dennis aus Ghana, Larry Schulze, Mike Stumpf, Dirk Hartmann, Jürgen Brendler, Eddie Filipp und noch mehr. Viele von ihnen gelten heute als Spezialisten ihrer Instrumente, haben eigene Bands gegründet.

Die erste Autogrammkarte von 1986 zeigt Larry Schulze (von links), Martina Schwarck, Volker und Dirk Schlag sowie Andreas „Elvis“ Holicki.

Foto: Volker Schlag (Archiv)

„Ende der 90er hatten wir unsere längste Besetzung“, so Volker. „Mit Holger Trull am Bass, Robert Hunecke an den Drums und Bert Böttcher am Keyboard haben wir auch unsere einzige CD aufgenommen.“ Vorher waren zwei Kassetten in Eigenproduktion entstanden.

In ihrer Anfangszeit wurden die Hounddogs von anderen lokalen Bands und Musikern unterstützt, etwa von der Westbrook Band. „Die haben uns mit dem Equipment beraten“, verrät Volker und lacht. „Wir hatten ja keine Ahnung. Ich war 18, mein Bruder war der Jüngste mit 14 Jahren.“

So kam es schließlich zum ersten Auftritt der Hounddogs 1985 in Knigges Dorfkrug in Ehmen. „Damals hätte ich lieber hinter der Bühne gestanden“, erinnert sich Dirk Schlag schmunzelnd. „Ich war ziemlich aufgeregt.“ Kurze Zeit später, 1986, folgte der erste Gig in Gifhorn, im Broyhan. „Mein Bruder war damals auf Elvis“, lacht Dirk. „Er kam in kurzer, silberner Bomberjacke.“ Auch Volker erinnert sich an seinen schillernden Abend: „Ich hab‘ mit dem Rücken zum Publikum gespielt“, lacht er. „Als wir noch Haare hatten damals“, ergänzt Dirk, „haben wir Elvis-Locke getragen.“ Er kam im Nadelstreifenhemd in den Broyhan. „Fein rausgeputzt.“

Die Hounddogs 1987: Volker (von links) und Dirk Schlag, Martina Schwarck, Jürgen Brendler von der Westbrook Band und Larry Schulze.

Foto: Volker Schlag (Archiv)

Beim nächsten Altstadtfest waren die Hounddogs dabei und spielten auf einem Anhänger. Für Volker ein Highlight, „weil‘s der erste große Auftritt war. Ab da ging‘s ab. Dann haben wir immer sonntagnachmittags im Allergarten gespielt. Es war super voll und wir haben abgeliefert.“

Die Hounddogs begannen, eigene Konzerte zu spielen. „Wir haben den BSK-Saal gebucht“, so Volker. „Wir haben mit wenig Technik und selbstgebastelter Anlage versucht, den ausverkauften Saal zu beschallen. Das war damals eine andere Zeit, alles nicht so professionell.“ Dennoch tourten die Hounddogs bald mit Ted Herold durch Deutschland. „Ich glaube, den haben wir auf einem Country-Rock‘n‘Roll-Festival in Braunschweig kennengelernt“, sinniert Dirk. „Anscheinend haben wir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“ Doch nicht nur das: Auch für Jerry Lewis, Chuck Berry und Chris Andrews haben die Hounddogs als Vorgruppe für ausgelassene Stimmung im Publikum gesorgt.

Volker Schlag mit den Hounddogs im Allergarten 1988: Elvis war nicht nur seine musikalische Inspiration.

Foto: Volker Schlag (Archiv)

„Wir sind mit den Musikern gewachsen“, findet Volker. „Was wir gespielt haben, konnten nur die Amis.“ Ihren eigenen Stil hätten die Hounddogs durch die Auswahl der Cover-Songs gefunden, so Dirk. „Geprägt vom typischen Nashville-Gitarrenspiel.“

Offiziell habe man sich nie aufgelöst. Doch andere Bands, Projekte und das berufliche Werden der Musiker ließen keinen Platz mehr. Und: „Ohne meinen Bruder sind die Hounddogs nicht die Hounddogs“, betont Volker. „Das hat uns ausgemacht: Sein Gitarrenspiel und mein Rumgealbere!“

So geschehen bei einem Auftritt im „Nashville“ in Hannover. „Wir waren total fehlbesetzt“, erinnert sich Volker schmunzelnd. „Die haben eine Country-Western-Band erwartet. Es war wie im Blues-Brothers-Film. Die Leute pöbelten und ich dachte, die nehmen uns gleich auseinander. Wir waren angetrunken und uns war‘s völlig egal.“ Nonchalant gab Volker seiner Truppe Handzeichen, sie spielten „Country Roads“ – im Walzer-Takt. „Aber mit dem Intro von ‚With a little help from my friends‘.“

„Da flogen dann schon die ersten Flaschen“, erzählt Volker. Doch den Refrain performten die Hounddogs dann mit dem richtigen Text – jedoch als Ballade. „Die Leute fanden‘s geil und haben immer weiter gesungen.“

1998 waren Dirk Schlag (von links), Bert Böttcher, Volker Schlag, Eddie Filipp und Holger Trull die Hounddogs.

Foto: Volker Schlag (Archiv)

Blöderweise setzte sich Volker während der Performance auf eine Monitorbox. Da riss ihm die Jeans im Schritt und enthüllte ihren Inhalt in seiner ganzen Pracht. „Ich hab‘ einfach hängen lassen und weitergemacht. Wenn Du drüberstehst, finden‘s die Leute auch lustig.“ Kein Einzelfall. „Ja, ihm sind öfter Sachen passiert in die Richtung“, lacht Dirk augenzwinkernd.

„Die Hounddogs sind Improvisation auf echt hohem Niveau“, fasst Volker zusammen. „Da Gifhorn so klein ist, waren wir Paradiesvögel. Wir waren die Stars.“ Auch für Dirk bedeuten die Hounddogs „viele schöne Erinnerungen“. Es sei der Start ihrer Musik-Karrieren gewesen. „Es ist ein emotionales Ding.“ Kaum verwunderlich, dass die Truppe sofort an Bord war, als Volker sie fürs Kultbahnhof Open Air wieder zusammentrommelte. Hoffentlich in reißfesten Hosen.

Kultbahnhof Open Air:
Samstag, 24. Juli, 20 Uhr
Hounddogs und Creeperhead (ausverkauft)

www.kultbahnhof-gifhorn.de