Krisenmanagement

Grundschul-Elternvertreter in Leiferde fordern vom Minister: Keine Maskenpflicht im Unterricht!

Redaktion Veröffentlicht am 06.01.2021
Grundschul-Elternvertreter in Leiferde fordern vom Minister: Keine Maskenpflicht im Unterricht!

Elternvertreterinnen und Elternvertreter der Grundschule Leiferde appellieren an den niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne, „das Kindeswohl in Coronazeiten stärker als bisher in den Fokus zu ziehen“.

Foto: Pixabay (Symbolfoto)

Es weiß zwar noch niemand, wie es nach den Ferien weitergeht, eine Maskenpflicht auch im Unterricht von Grundschülerinnen und Grundschülern ist aber möglich. Dagegen setzen sich nun jedoch die Elternvertreter der Grundschule Leiferde zur Wehr. Mit vielen Briefen haben die Eltern laut eigener Erklärung ihren Protest dem niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne schon vor Weihnachten kundgetan. Im Folgenden geben wir die Pressemitteilung der Elternvertreterinnen und Elternvertreter der Grundschule Leiferde vom heutigen Mittwoch im Wortlaut wieder:

Die Forderung: Keine Maskenpflicht im Unterricht der Grundschülerinnen und Grundschüler.

Die Begründungen:

– Die Maskenpflicht auch im Unterricht reicht zu weit.

– Die Schülerinnen und Schüler sind keine Virenstreuer, wie im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 noch vermutet wurde.

– Das Tragen der Masken ist zu belastend.

– Notwendige Tragepausen sind kaum noch möglich.

– Die Kinder sind im Wachstum, dieses erfordert Atemfreiheit und hinreichend Sauerstoffzufuhr.

– Die Kinder sind erschöpft. Sie haben wunde Haut im Mund-Nasen-Bereich, sie klagen über Kopfschmerzen u.v.m.

– Die Grundschulen sind keine klassischen Hotspots. Die Schulen haben bereits einen Berg an Hygiene-Regeln umgesetzt und halten diese strikt ein. Aus unserer Sicht ist diese Entscheidung zu viel Aktionismus, die nicht mehr verhältnismäßig ist.

– Die Kinder brauchen das freie Sichtfeld auf ihre Gegenüber, um die Artikulationen und die Mimiken zusammenzubekommen. Zum Lernen benötigen sie ein freies Sprechen, um die Artikulationen richtig einzuüben.

– Die Kinder brauchen einen freien Mund und eine freie Nase um selbst gut zu artikulieren.

– Das ABC, die Wörter, die Ziffern und Zahlen, richtig hören und sprechen. Die Maske beeinträchtigt sie dabei.

– Sie müssen die Lehrkräfte gut verstehen können, dies ist unter der Maske nahezu unmöglich.

– Die Lehrkräfte können einerseits nicht klar verstehen und andererseits auch nicht gut korrigieren, da auch sie verzerrt wahrgenommen werden.

– Die Maskenpflicht im Unterricht wird eine Generation unklarer, verwaschener Artikulation heranbilden. Sie wird über Jahre damit zu kämpfen haben dies wieder auszugleichen. Gleichzeitig werden sie von künftigen Lehrkräften dafür mit schlechteren Noten abgestraft werden und zu schlechteren Schulabschlüssen kommen, mit ihren individuellen, sozialen und gesellschaftlichen Folgen von verschlechterten Ausbildungs- und Berufschancen und erhöhter Gefahr von Abhängigkeit sozialer Transferleistungen. Dies führt zu geringeren Lebenserwartungen und früherem Tod.

– Die tatsächlichen Schäden zeigen sich in der Zukunft. Dann sind die jetzt politisch Verantwortlichen nicht mehr greifbar.

– Alternativ sollte es Luftreiniger geben und Plexiglasabgrenzungen, Investitionen, die sich langfristig rechnen.

– Es ist bedauerlich, dass die hohe Wirksamkeit der bereits umgesetzten Corona-Maßnahmen in Schulen und Kitas nicht weiter berücksichtigt werden. Sehr viele Eltern berichten, bei ihren Kindern treten in dieser kalten Jahreszeit in 2020/21 generell deutlich weniger bis gar keine Infekte verglichen mit den Vorjahren auf.

Das Ministerium antwortete auf einen Teil der Briefe mit pauschalen Aussagen. Wie steht es mit den anderen Fragen? Die Kommunikation verläuft in einer Einbahnstraße. Zu den Sorgen der Eltern kein Wort. Es wird nur ein eingegrenzter Blick auf die Belastungszeit (von 8 bis 13 Uhr) geworfen, kein Wort zu Buskindern, Schulwegen, hin und zurück, oder Ganztagsangeboten bis 15.30 Uhr.

Frank Stöber, der Leiter des Ministerbüros meint, „das nicht davon auszugehen sei“, dass die Kinder dadurch geschädigt würden. Der Konjunktiv zeigt, dass er es nicht weiß. Das ist fahrlässig. (Vor Weihnachten war eine dreiwöchige Maskenpflicht nach den Weihnachtsferien anvisiert.)

Die psychischen Belastungen auf die Kinder sind völlig außer Betracht.

Naturwissenschaftliche, medizinische Erkenntnisse sind widersprüchlich, das Ministerium interpretiert einseitig.

Die Eltern fordern, die Grundschulkinder vor der Maskenpflicht im Unterricht zu verschonen.

Des Weiteren fordern wir im Falle von weiteren Unterrichtsausfällen (zum Beispiel durch Wechselunterricht oder Schulschließungen) Förderangebote für benachteiligte Schülerinnen und Schüler, sowohl in der Schulzeit als auch in den Ferienzeiten.

Die Kinder haben ein Recht auf Bildung und auf kindgerechte Entwicklung.

Die Kinder werden es Ihnen danken, mit besseren Leistungen und mehr Aktivität in Zukunft für die Gesellschaft. Seit Georg Picht wissen wir um die Zusammenhänge von Bildungsniveau und wirtschaftlichen Entwicklungen. Lassen Sie es zu keiner weiteren Bildungskatastrophe kommen.

Nicole Krummradt (Schulelternratsvorsitzende),
Fazilet Mendrina (Elternvertreterin),
Erik Weckel (Elternvertreter) und viele Eltern