Landtagswahl 2022

Gifhorns Pflegebranche appelliert: Wir brauchen die Unterstützung der Politik

Ron Niebuhr Veröffentlicht am 20.09.2022
Gifhorns Pflegebranche appelliert: Wir brauchen die Unterstützung der Politik

Dr. Tanja Heitling (9. von links), Vorsitzende der Kreisarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Gifhorn (KAG), und ihre MItstreiterinnen und Mitstreiter empfingen die Kandidatinnen und Kandidaten zur Landtagswahl aus den Wahlkreisen Gifhorn-Süd und Gifhorn-Nord.

Foto: Ron Niebuhr

Miteinander ins Gespräch kommen, um die Lage zu erörtern und Lösungen für bestehende Probleme zu finden – diese Idee verfolgte die Kreisarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Gifhorn (KAG) jetzt mit einer Podiumsdiskussion. Eingeladen zum fachlichen Austausch zur aktuellen Situation in der Pflege im Kreis Gifhorn waren neben Profis aus der Branche auch alle Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl des Niedersächsischen Landtag aus den Wahlkreisen Gifhorn-Süd und Gifhorn-Nord.

Dr. Tanja Heitling, Vorsitzende der KAG und zugleich Geschäftsführerin der Lebenshilfe Gifhorn, freute sich, dass sich die Politikerinnen und Politiker Zeit dafür nahmen. Sandro Pietrantoni, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Gifhorn, moderierte den Abend gemeinsam mit Rolf Amelsberg, Leiter der Fachbereiche Jugend, Gesundheit und Soziales der Gifhorner Kreisverwaltung. Wunsch war es, dass die Pflegebranche mit den Landtagskandidatinnen und Kandidaten in einen Dialog tritt, damit diese das erworbene Wissen um bestehenden Handlungsbedarf im Idealfall nach Hannover, auf jeden Fall aber für ihre grundsätzliche politische Arbeit mitnehmen.

25 stationäre Pflegeeinrichtungen im Landkreis Gifhorn bieten 1659 vollstationäre und 344 teilstationäre Betreuungsplätze. Dazu kommen noch einmal 23 ambulante Pflegedienste und acht Einrichtungen für Wohnen im Alter. 130 Betreuungsplätze allerdings können derzeit nicht belegt werden – aus Personalmangel. Es ist daher dringend geboten, Grundlagen zu schaffen, die es ermöglichen mehr Mitarbeitende für die Pflegebranche zu gewinnen. Politik und Pflegeprofis waren sich darin einig, dass dafür Attraktivität und Ansehen des Pflegeberufes, der für viele Beschäftigte Berufung ist und der Gesellschaft enorm viel zurück gibt, gesteigert werden müssen.

Zudem muss ausländischen Fachkräften der Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt erleichtert werden. Auch braucht die Pflegebranche Hilfe bei deren Integration. Noch stemmt sie die Kosten dafür allein. Es geht um 12.000 bis 15.000 Euro pro Pflegekraft etwa für Sprachkurse, Wohnungssuche und Verfahren zur Anerkennung der im Ausland absolvierten Berufsausbildung. Letztere ziehen sich oft über 12 bis 18 Monate. Hinzu kommt die Wartezeit auf freie Plätze in Sprachkursen und deren Dauer an sich. Besser ist es, die benötigten Sprachkenntnisse bereits in den Heimatländern zu vermitteln. Denn Deutsch zu beherrschen, ist unverzichtbar in der hiesigen Pflege. Dessen sind sich Pflegeprofis und Politik bewusst.

Nötig ist aus Sicht der Pflegebranche zudem Investitionsförderung. Andernfalls sind Neubauten nach modernsten Standards kaum noch realisierbar, ganz einfach weil sie nicht refinanzierbar sind.

Abzuschaffen ist die einrichtungsbezogene Impfpflicht gegen Corona. Die meisten Mitarbeitenden ließen sich ohnehin bereits freiwillig impfen, so der Tenor aus der Runde.

Politik und Pflegeprofis empfanden den Abend auf Intiative der KAG als sehr gute Chance, sich miteinander auszutauschen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass dieses Austauschformat fortgesetzt werden soll. Ein neuer Termin ist nun in Vorbereitung.