Musik

Damage Report aus dem Gifhorner Nordkreis machen Pop-Punk wie in einem High-School-Film der 90er Jahre

Matthias Bosenick Veröffentlicht am 01.05.2022
Damage Report aus dem Gifhorner Nordkreis machen Pop-Punk wie in einem High-School-Film der 90er Jahre

Damage Report, das sind Daniel Niebuhr (links) und Darius Pesel aus dem Gifhorner Nordkreis. Sie sind seit Ewigkeiten befreundet und zünden Pop-Punk mit Schmackes. Ende März ist ihre EP „Bad Shot“ erschienen.

Foto: Damage Report

So ein fetter Sound, aber nur zu zweit? In der Tat: Der energetische Pop-Punk von Damage Report geht auf das Konto von nur zwei Musikern. Zwei ewig befreundete Männer aus dem Gifhorner Nordkreis fanden sich im vergangenen Jahr zusammen, um einen chartstauglichen Radiohit zu schreiben – „aber das hat nicht ganz geklappt“, lacht Schlagzeuger Darius Pesel (26) über die punkrockige Neuausrichtung. Den Rest der Instrumente und den Gesang übernimmt Daniel Niebuhr (27), Produktion, Videodreh und Mix geht auf die Kappe der beiden – und jetzt erscheint die Debüt-EP „Bad Shot“ als digitaler Vorbote für den Start ins Musikbusiness.

Weder der Sound noch das begleitende Musikvideo von „Bad Shot“ lassen erahnen, dass all dies in nur vier Händen liegt. In dem Video sieht man eine Person durch ein Wohnhaus irren und eine Band dazu an den unerwartetsten Orten spielen, Schlagzeug im Wohnzimmer, Gitarre unter der Dusche, beide zuletzt sogar auf der Ladefläche eines VW-Bullis – und lediglich Daniel aus Knesebeck und Darius aus Hagen-Mahnburg waren beteiligt, als Filmer, Musiker, Schauspieler, Mixer, Komponisten, Regisseure und Produzenten – sieht man einmal von vier Gast-Schauspielenden ab. „Das ist ein guter Grund, weshalb wir zusammenpassen“, sagt Darius über die enorm hohe Qualität ihrer Arbeiten. „Wir haben den Anspruch, alles selber zu machen, und das möglichst professionell und hochwertig.“

Zur hohen Qualität trägt nicht unerheblich bei, dass Darius in Darmstadt Musikproduktion studierte, seine Kenntnisse stellt er jetzt in den Dienst seiner Band. Als Studio dient den beiden der Partyraum über der Garage von Darius‘ Eltern, und dort spielte das Duo die Songs ein. Darius übernahm das Schlagzeug, Daniel den Rest: Gesang, Gitarre, Bass. „Gitarristen können immer alles“, lacht Darius, „er kann sehr gut singen und auch Schlagzeug spielen.“ Das Musizieren bekam Daniel früh von seiner Mutter mit, die ebenfalls Gitarre spielt. Als Singer-Songwriter mit der Akustikklampfe ist Daniel daher nur folgerichtig schon lang solo unterwegs – und spielt, sicherlich nicht nur, um das Spektrum so weit wie möglich zu halten, außerdem noch seit 2009 bei der Metalband N.F.M.E., wie Darius grinsend ergänzt.

Sie sind nur zwei, klingen aber wie eine vierköpfige Band: Damage Report spielen alles alleine ein. Drummer Darius (rechts) produziert die Songs in ihrem Studio, Daniel ist der Multi-Instrumentalist.

Foto: Damage Report

Darius selbst kommt eher aus dem Punkrock, seine erste Band hieß T5, aber nicht nach dem VW-Bus benannt; da war er 14 Jahre alt. Später betrieb er mit Dominik Wagenführ alias Cosmo Thunder die Band From The Water und war wie jener „in der Hafenkante-Combo mit drin“, dem Verbund von Künstlern aus dem Gifhorner Nordkreis, in dem ihm auch Daniel über den Weg lief: „Da fing das an.“ Zehn, zwölf Jahre ist das her, als die beiden begannen, zusammen Projekte umzusetzen, sich beim Filmen zu unterstützen etwa, und natürlich auch an Wochenenden unterwegs zu sein, zu feiern – „wir sind echt gute Freunde“, schwärmt Darius. Die aber nie zusammen musizierten. Bis vor zwei Jahren: „Da haben wir entschieden, etwas gemeinsam zu machen – und da kam Damage Report bei heraus.“

Der namensgebende Damage, der da reportet wird, ist übrigens „unser eigener“, wie Darius bemerkt: „Ein Kumpel hat unsere Texte gelesen und gesagt, das liest sich wie ein Schadensbericht.“ So war der Bandname aus der Taufe gehoben. Die beiden Musiker verarbeiten nämlich Alltägliches und Persönliches in ihren Texten und sind bei allem Ernst auch zu „Blödeleien“ bereit, sagt Darius, deshalb findet er: „Der Name passt gut zu uns.“ Das Leben sei schließlich „kompliziert“, sagt er: „Weil wir nicht erwachsen werden wollen, es aber leider geworden sind.“

„Wir haben den Anspruch, alles selber zu machen“, sagt Darius. Dazu gehört dann eben auch, das Video zu „Bad Shot“ zu produzieren.

Foto: Damage Report

Musikalisch verorten sich die beiden im Pop-Punk, beeinflusst von Bands und Musikern wie Machine Gun Kelly und Blink 182. „Den Einfluss können wir nicht von uns weisen“, lacht Darius. Ihm gefällt, dass beide Beteiligten unterschiedliche Einflüsse in das Projekt bringen, Daniel eben Singer-Songwriter und Metal, Darius den Punk. „Und ich bin im Studium noch in die Klassik reingeschliddert“, fügt er hinzu. Zusammen sind sie „aus Versehen im Pop-Punk gelandet“, lacht er: „Eigentlich wollten wir etwas Radiotaugliches schreiben, aber das hat nicht ganz geklappt.“ Er grinst: „Das haben wir so vor uns hin gesagt, ‚lass mal ‘nen Hit schreiben‘.“ Heraus kam eben Punk. Wenn das mit dem Radio dereinst trotzdem einmal klappen sollte, auch mit dem deutlich unbequemeren Sound, haben beide natürlich nichts dagegen: „Je größer das wird, desto cooler wird das für uns auch.“

Da stellt sich gleich die Frage nach einer Live-Umsetzung, die zu zweit bei dem fetten Sound eher schwierig wird. „Wir überlegen, live vielleicht ein, zwei befreundete Musiker dazuzuholen“, bestätigt Darius. Die Idee vom Halb-Playback verwarfen die beiden schnell wieder: „Das ist unästhetisch“, außerdem raubt es die Spontaneität. Aber: „Live-Pläne haben wir grundsätzlich.“

Möglicherweise bieten sich schon in diesem Jahr Optionen, etwa bei einer möglichen Fortführung des kleinen Musikfestivals „Straff im Kaff“ in Hagen-Mahnburg, das Darius 2019 ins Leben rief, und zwar mit der befreundeten Punkband Hagen02, die er auch produziert. Außerdem trat er bei der Auftaktveranstaltung auf, und zwar mit dem bemerkenswerten Projekt Beat The Drums: Darius spielt dabei Schlagzeug, während Lukas Schacke alias DJ El Schacko auflegt. Mit diesem Projekt ist Darius in diesem Jahr zudem als Haupt-Act beim „Festival ohne Grund“ Ende August im hessischen Nidda-Harp gebucht. „Da haben wir noch vor Corona eine Ausschreibung gewonnen“, berichtet der Schlagzeuger. Dieses dynamische Musikkonzept wird es indes nicht ins Studio für Aufnahmen bringen; dafür fehlen dem Duo die Rechte an den Songs, die El Schacko auflegt. „Es wird ein reines Live-Ding bleiben“, sagt Darius.

Damage Report brillieren mit ihrer Debüt-EP „Bad Shot“. Die gibt’s überall zu streamen.

Foto: Damage Report

Und dann ist Beat The Drum nicht seine einzige Nebenbeschäftigung: Darius ist außerdem Schlagzeuger der Ramones Experience, die Hoax-Sänger Boris Neubrandt 2015 gründete. „Er sprach mich auf einem Konzert der UK Subs in Oesingen an“, erzählt Darius, „weil er wusste, dass ich Schlagzeug spiele und auf die Musik stehe – so kam das zustande.“ Live zu sehen ist er mit der Ramones Experience am 9. Juli auf dem Groß Oesinger Dorffest zum 800-jährigen Bestehen.

Aber zunächst steht die Veröffentlichung der EP „Bad Shot“ an, als Nachfolger zweier Singles. Die EP gibt es überall zu streamen, aber nicht physisch: „In der jetzigen Zeit ist das schwierig, die Produktionskosten sind höher als der Erlös“, sagt Darius. Sicher ist aber, dass die beiden weitere Songs produzieren werden. Möglicherweise bündeln sie die zu einem Album, aber auch dieses Format steht „für den Anfang nicht“ im Plan des Duos. Das außerdem darüber nachdenkt, sich künftig vielleicht fremde Mitmusiker ins Studio zu holen: „Weiblicher Gesang ist eine interessante Idee“, findet Darius. Gäste überhaupt, „gerade, weil wir nur zu zweit sind“. So zeigen sich die beiden Musiker also offen für Erweiterungen – und brillieren derweil mit ihrer nur im Duo eingespielten Debüt-EP „Bad Shot“.

Damage Report: „Bad Shot“
EP, 4 Songs, 12:08 Minuten

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