Musik
Sie wissen selbst nicht, was auf der Bühne passiert: Der Schlager-Punk von Out the Mouse aus Brome ist Erlebnis und Wundertüte
Matthias Bosenick Veröffentlicht am 25.03.2026
Wie die entgegengesetzten Schlager und Punk irgendwie zusammenpassen, zeigen Out the Mouse mit einem irren Genremix. Live wirkt das Projekt wie ein Tollhaus, neuerdings wird sogar geprobt.
Foto: Kai Kestner
Ein Besetzungswechsel versetzt das Quartett Out The Mouse – Schein-Englisch für „Aus die Maus“ – aus der Gegend um Brome in die glückliche Lage, sich nach fast vier Jahren Existenz endlich auch mal zum Proben zu treffen. Der in der Band viele Positionen besetzende Thomas „Tom“ Tschirner erzählt KURT von der Neuaufnahme, die eher gar keine ist, von der absurden Gründung des Schlager-Punk-Cover-Projektes und von prominenten Mitmusikern wie Sascha Paeth von Avantasia und Benni Cellini von Letzte Instanz.
Zum Jahreswechsel verabschiedete sich Pascal Runge alias Passi Bassmann von Out The Mouse. Mit seinen beiden Hauptbands Dr3ier und Kaydja ist er mehr als ausgelastet, die Band hat Verständnis dafür – und besetzte die vakante Stelle nicht beliebig neu. „Wir würden Passi nicht mit irgendwem ersetzen, nur um ihn zu ersetzen“, betont Tom. Denn: „Die Band ist auch hart befreundet seit vielen Jahren.“ Deshalb fiel die Wahl auf Sebastian „Otti“ Otte, der in der Vergangenheit bereits einige Male für Passi eingesprungen war. „Er spielt wie ich viele Instrumente“, schwärmt Tom, „und wir haben gemeinschaftlich beschlossen“, dass Otti der alte Neue wird. „Jetzt sind wieder alle Instrumente besetzt“, atmet Tom auf und schneidet damit gleich das nächste Thema an.
Denn bei Out The Mouse sind die Positionen nicht fest belegt: „Wir tauschen auch mal die Instrumente untereinander“, lacht Tom. Deswegen steigt Otti nicht als Bassist, sondern als Gitarrist ein, und Tom, der Gitarrist, verlagert nun seinen Schwerpunkt auf Bass und Gesang, was vorher Passis Hauptbereich war. Ein weiterer Sänger und Bassist ist Mathias „Whisky“ Wiswede. Ohne Rotation besetzt ist das Schlagzeug, und zwar mit Toms Sohn Florian „Flo“ Tschirner, wie er ein Bromer. Familienbande.
Das Schlagzeug lernte Flo bereits als Kind, und zwar zunächst vom Papa, der das Instrument ebenfalls bedienen kann. „Irgendwann wurde er besser als ich, und ich durfte ihm nicht die Finger brechen“, lacht Tom. „Wir haben uns aneinander gewöhnt“, als Musiker, „und hatten schon einige Bands zusammen – und haben auch noch.“ Zum Beispiel Karl Mag‘s: „Das ist was Ernsthafteres, qualitativ recht hochwertig“, so Tom, und mit „deutschem Punkrock“ längst nicht hinreichend umschrieben.
Glitzerjacken und Hawaiihemden – das ist Out the Mouse. Hier auf dem Metal Frenzy mit Karohemd-Träger Sascha Paeth.
Foto: Kai Kestner

Für Vater und Sohn ist der Punk überdies eine musikalische Wurzel. Dennoch fand die Bandgründung 2022 in einem weit härteren Rahmen statt. „Beim Metal Frenzy hatten sie einen Slot offen“, beginnt Tom. Das Festival findet jährlich in Gardelegen statt. Diesen freien Auftrittsplatz nun galt es spontan zu füllen, Tom hatte eine Idee: „Schlager-Punkrock, das wollte ich schon immer mal machen!“ Quasi „NDR 1 nachspielen“, lacht Tom und setzt nach, dass er beim erneuten Hören des einstigen Schlagersenders verblüfft feststellte, dass der heutzutage vornehmlich seine Lieblingsmusik aus der Jugend im Programm hat.
Los ging‘s also mit Out The Mouse. „Eigentlich war das nur für ein Ding geplant“, erzählt Tom, doch wie das mit Schnapsideen manchmal ist: „Die Leute fanden‘s cool“ und traten gleich mit Vorschlägen an die Band heran, wo sie denn noch überall auftreten könnte. Mit dem Ergebnis: „2024 haben wir 20 Shows gehabt“, staunt Tom selbst. Er zuckt mit den Schultern: „Wir sind angefragt worden und haben‘s durchgezogen.“ Und das nicht mal mehr allein: Mit dabei ist Dustin Schindler, der der Band als Tonmann zur Seite steht. Goldene Regel, wie Tom verrät: „Wenn er mit uns auf der Bühne steht, muss auch sein Mikro nach vorn offen sein.“
Außerdem gibt‘s den „Schlager Nager Mäuseclub“, den die Partnerinnen der Musiker ins Leben riefen, quasi die „Spielerfrauen“, wie Tom sie nennt. Er lacht: „Das ist für uns ein spannendes Projekt. Wir proben nicht, wir treffen uns nur, um an neuen Songs zu arbeiten.“ Feste Übungstermine hat er nämlich mit seinen anderen Bands bereits hinreichend, neben Karl Mag‘s noch KT Says No. Es sei schön, mehrere musikalische Leben führen zu können, und bei Out The Mouse sogar ganz ohne Probedruck, so Tom. Er fügt an: „Wenn‘s den Leuten nicht mehr gefällt und sie uns nicht mehr haben wollen... Das Schöne ist: Wir haben Spaß untereinander, wir quälen uns nicht durch.“
Im Gegenteil. Es kommt sogar dazu, dass prominente Musiker „mit uns die Bühne suchen“, staunt Tom. Der erste dieser Riege war Sascha Paeth aus Wolfsburg, bekannt von Heaven‘s Gate, Avantasia und unendlich vielen Bands mehr. Zur Begegnung mit ihm kam es im Nordsound Showroom in Oebisfelde, der Heimat der Band Valid Blu, wo Out The Mouse gelegentlich Gastspiele geben. „Sascha war auch da, und wir haben ihm vorgeschlagen, beim Metal Frenzy mit uns zu spielen. Und er sagte: Jaja, mach ich“, berichtet Tom. Die Band fasste die beiläufige Antwort als getarnte Absage auf und staunte nicht schlecht, als Sascha später wirklich auf sie zukam und noch einmal ernsthaft nachfragte. Die Band war baff, später punkrockten sie spontan zwei Songs mit dem Gitarristen.
Bei einer anderen Gelegenheit im Nordsound Showroom reichte eine halbe Stunde Zusammensetzen mit Sascha aus, um den vom Publikum gewünschten Britney-Spears-Smasher „Hit Me Baby One More Time“ unfallfrei aufzuführen. Tom staunt selbst: „Wir waren bei all dem Spaß in der Lage, einen Song zu performen, den wir vorher noch nie gespielt hatten – grandios!“ Live zählt bei Out the Mouse. „Wir sind ein Live-Erlebnis, weil wir selbst häufig nicht wissen, was passiert“, lacht Bandmitglied Tom Tschirner.
Foto: Kai Kestner
Eine andere Gelegenheit, mit einem Promi aufzutreten, ergab sich im Rahmen einer Unplugged-Show bei einem Lichterfest in Quarnebeck. „Benni Cellini von Letzte Instanz hat da gespielt“, beginnt Tom. Autor Holly Loose hatte dort auf einem Hof eine Lesung, die sein Gothic-Rock-Mitmusiker Cellini in der benachbarten Kirche musikalisch einleiten sollte – „und wir unplugged Schlager machen“, so Tom, und zwar nach Benni. Da Whisky Benni kannte, war schnell Kontakt hergestellt, und es stand die Idee im Raum, einen Song zusammen zu spielen. Eine Stunde vor Beginn trafen sich Benni und Out The Mouse in der Kirche, der Cellist hörte zu und kam zu dem Schluss: „Das ist ja alles kein Hexenwerk. Wisst Ihr was – ich mach alles mit!“ Und trat eine Dreiviertelstunde lang mit den beseelten Schlager-Punks aus Brome auf.

Für ihr Repertoire bedienen sich Out The Mouse beim Schlager aller Epochen. Matthias Reim ist da sehr beliebt, für den schwärmt Tom auch, weil der musikalisch versiert ist. „Pippi Langstrumpf“, „Die Biene Maja“, „Schuld war nur der Bossa Nova“ stehen ebenfalls auf der Setlist, dazu ein Medley aus Songs von Wolfgang Petry und Pur. Und Peter Alexanders „Ich laß‘ Dir den Kochtopf, laß‘ Du mir mein Bier“, das Die Lokalmatadore aus Mühlheim an der Ruhr bereits verpunkten. Die Rollenklischee-Botschaft dieses Liedes sehen auch Out The Mouse als längst überkommen an, aber: „Das ist spannend, weil damit etwas Unkorrektes reinrutscht“, grinst Tom. „Ich bin im Punk sozialisiert“, setzt er an, „und ich habe festgestellt, dass sich alles nur noch erbost.“ Also kommt bei Out The Mouse der Kochtopf auf den Tisch: „Dann machen wir mal, dass es ein kleines bisschen wehtut.“
Grundsätzlich geht es Out The Mouse mit dem Schlager „nicht darum, sich lustig zu machen“, betont Tom. „Sondern, Emotionen zu wecken und sie in ein Gewand zu packen, wo man sagt, hier fühlt man sich wohl.“ Studio-Aufnahmen oder Tonträger indes wird es von Out The Mouse keine geben: „Das macht keinen Sinn, das ist ein Live-Erlebnis, weil wir auch selber nicht wissen, was passiert.“ Und das wortwörtlich, denn es kann schon mal dazu kommen, dass sich drei Musiker verabreden, während eines Songs etwas Unerwartetes zu machen, und klammern den vierten aus den Plänen aus: „Das wird er schon merken“, lacht Tom. „Das macht unheimlich Spaß.“
Anstehende Konzerte für 2026 hat die Band indes erst zwei: Das Metal Frenzy vom 10. bis 13. Juni sowie das Streetz Open Air vom 17. bis 19. September. „Mit neuen Terminen haben wir uns zurückgehalten“, erklärt Tom. Denn: „Wir müssen gucken, wie wir mit der Personalie umgehen.“ Und: „Die Gunst der Stunde ergreifen, uns doch mal zu treffen, um unser Repertoire aufzufrischen.“ Also, von wegen Aus die Maus!
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