Musik
Die Kids sind jetzt groß, doch der Blues bleibt: Die Anfang-30-Jährigen von 4mal12Zoll aus Gifhorn feiern ihr 20-Jähriges
Matthias Bosenick Veröffentlicht am 18.04.2026
Gefühlvoll und vor allem mit unheimlich viel Leidenschaft bei der Sache sind Magnus Zeidler (von links), Gordon Saverimuthu und Dominik Hanisch von 4mal12Zoll aus Gifhorn.
Foto: Privat
Sein 20-jähriges Bestehen begeht das Bluesrock-Trio 4mal12Zoll in diesem Jahr – dabei sind die Gifhorner Musiker selbst erst Anfang 30. Was die Teenager damals antrieb, ausgerechnet Bluesrock zu machen, was das Trio zum Ehrenfest vorhat und warum der Bandname weder eine zu kleine Plattensammlung noch einen Satz Räder bezeichnet, erklärt Sänger, Gitarrist und Gründungsmitglied Magnus Zeidler KURT mit großer musikalischen Kenntnis.
„Der Name ist abgeleitet von Gitarrenboxen“, klärt Magnus auf. „Die klassischen großen, wie sie alle Künstler früher auf der Bühne stehen hatten“, fährt er fort und löst das tiefere Geheimnis: „Die haben vier mal zwölf Zoll große Lautsprecher drin.“ Der Musiker erklärt, dass es die von vielen Herstellern gibt, „der bekannteste ist Marshall“, und „die findet man oft auch bei mir auf der Bühne – ohne die Dinger wird es unsere Musik nicht geben“. Deshalb empfahl sich das auch als guter Name für die Band, sagt Magnus, und verrät, dass der in gewissen Kreisen gar nicht so geheimnisvoll ist: „90 Prozent der Zuhörer sind selbst Musiker oder begeistert in dem Bereich und kennen das.“
Magnus und sein Cousin, Bassist Nico Bergmann, sowie Schlagzeuger Niklas Hüter kannten dieses Geheimnis bereits als Teenager, als sie die Band nämlich aus der Taufe hoben. 2006 war das, doch weil der Cousin in Nordrhein-Westfalen lebte, erwies es sich als schwierig, die Band miteinander am Laufen zu halten. „Wir sind nicht tiefer reingekommen ins Musikmachen“, erzählt Magnus, weshalb Nico ein, zwei Jahre darauf von Dominik Hanisch ersetzt wurde. Aus räumlichen, nicht aus persönlichen Gründen.
Wunderschöne, langhaarige Schnappschüsse aus der Anfangszeit von 4mal12Zoll – unverkennbar die Gifhorner Heide im Hintergrund.
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Niklas wiederum zog mit seinen Eltern weg, der zwischenzeitig für zwei Jahre eingestiegene Keyboarder Lukas Fey ebenso, und als nach Interims-Schlagzeuger Lennart Denkwitz dann 2009 Andy Gordon Saverimuthu einstieg, „der indische Ire“, den Magnus über die Schule kennenlernte, war längst klar, dass es bei der Triobesetzung bleiben, also kein neuer Keyboarder hinzukommen würde.
Seitdem ist die Besetzung fix. Lediglich aufgrund einiger studiums- oder berufsbedingter Umzüge nach Braunschweig und Hamburg war es zwischenzeitig etwas ruhiger um 4mal12Zoll geworden, „aber jetzt sind alle wieder in der Heimat in Gifhorn und den Dörfern“, so Magnus, der selbst in Winkel lebt.
Ungewöhnlich erscheint es dennoch, dass Teenager ausgerechnet Bluesrock machten, doch Magnus winkt ab: „Bluesrock hab ich schon seit meiner Kindheit gehört!“ Diesen Einfluss brachte er damals in die Band. „Meine Ikone ist Jimi Hendrix, damit habe ich den Bassisten infiziert, der hat das auch von seinem Elternhaus vorgelebt bekommen“, fährt er fort. „Und Gordon kannte Immer schon eine Band, die auch live performen wollte: 4mal12Zoll.
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das auch – er ist der härtere von uns, er ist im Metal unterwegs, aber als Schlagzeuger breit aufgestellt.“

Zudem trat zu Zeiten der Bandgründung eine ganze Riege an neuen Bluesrockern auf den Plan, das Genre war also präsent. Joe Bonamassa und Eric Gales zählt Magnus auf, „die haben genau die Mucke gemacht, mit der wir uns identifiziert haben“, sowie aus Deutschland Henrik Freischlader, „die waren auf einer Ebene mit uns unterwegs“. Letzteren lernte Magnus mit Bassist Dominik auf Fehmarn beim Love And Peace Festival kennen, einem Nachklapp des Festivals, auf dem Jimi Hendrix 1970 seinen letzten Auftritt hatte. Zumal 4mal12Zoll mit genanntem Eric Gales sogar schon die Bühne teilten, „noch mit TM Stevens am Bass“, und zwar in der Grille in Gifhorn.
Dabei würde Magnus trotz der Prominenz gar nicht mal diesen Gig als den Höhepunkt für 4mal12Zoll auffassen. Denn: „Wenn man lokal anfängt, ist das Altstadtfest ein Highlight“, schwärmt er. „Wir sind auf dem Altstadtfest groß geworden, das war eines der ersten größeren Konzerte, die wir gegeben haben“, und zwar bereits kurz nach der Bandgründung, „und wir haben viele Jahre weitere Konzerte dort gegeben.“ Für Magnus ist jeder Auftritt beim Altstadtfest etwas Emotionales: „Es ist immer wieder eine schöne Sache, sich in der Region vor großem Publikum zu präsentieren und Freunde und Familie vor Ort zu haben und mit ihnen zusammen Party zu machen.“
Ein weiterer „großer Meilenstein“ für 4mal12Zoll war das Krachlatten Open Air in Grasleben bei Helmstedt vor einigen Jahren. „Wir haben viele interessante Leute getroffen“, berichtet Magnus. Nicht einfach nur für den Auftritt reiste die Band an, sondern blieb gleich das gesamte Wochenende über dort und knüpfte Kontakte. „Viele Konzerte in Clubs und Locations sind daraus geworden“, schwärmt er. Mit dem Ergebnis: „Wir haben überall gespielt“, in Wolfsburg beim Kaufhof-Fest und im Schlachthaus, in diversen Blues-Clubs in Bad Harzburg, Kassel, Göttingen. Nur die beiden auch Nichtbluesern bekannten Clubs, Barnaby‘s Blues Bar in Braunschweig und die Blues-Garage in Isernhagen, sind für die Gifhorner noch weiße Flecken auf der Landkarte. Noch! Immerhin ging aus Gesprächen mit der Blues-Garage eine dreimalige Konzertreihe mit Bluesrockern in Gifhorn hervor, die 4mal12Zoll ausrichtete.
Schon 2007 traten die Gifhorner im H1 auf.
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Überdies war Eric Gales nicht die einzige Berühmtheit, mit der 4mal12Zoll bereits auftraten. „Wir haben mal mit Larry Garner gespielt, einem altgedienten Bluesmann“, berichtet Magnus. „Und wir haben viele Konzerte mit Jimmy Cornett And The Deadmen gegeben“, die meisten in der Bikerszene.
Magnus‘ eigene Helden sind aber noch andere: „Ich bin ein riesengroßer Fan von Richie Kotzen, da habe ich auch viele Konzerte besucht“, schwärmt er. Kotzen verbinde „Technik mit gefühlvollem Songwriting“, sagt er: „Er ist ein Lehrmeister auf allen Ebenen für mich.“ Weitere Einflüsse sind „die klassischen Bands“, so Magnus: „Rory Gallagher, Stevie Ray Vaughan und letztendlich Led Zeppelin, diese Einflüsse hört man raus bei uns.“ Also gar nicht so sehr direkt der schwarze Blues, auf den all jene sich beziehen. Magnus schüttelt den Kopf: „Ich spiele privat noch gerne schwarzen Blues der 40er, 50er, Jimmy Reed, Robert Johnson, aber 4mal12Zoll ist vom modernen Bluesrock stark geprägt. Davon findet man Elemente, weniger von klassischen Größen wie B.B. King, oder anders gesagt: Bei uns findet sich die britische Bluesrockszene mit Rory Gallagher eher als die Delta-Blues-Szene.“
Nachzuhören gibt es das seit 2024 auch erstmals als Studioaufnahmen auf allen Streamingportalen und auf CD: „Pretty Little Liars“ heißt das Quasi-Debütalbum von 4mal12Zoll. „Das sind alles Eigenkompositionen“, betont Magnus, „nur ein Coversong, ein klassischer Blues von Jimi Hendrix selbst.“ Er zuckt mit den Schultern: „Die Corona-Zeit haben wir genutzt, um Drei Männer – oder hier noch Knapp-nach-Jungs –, die sich dem Bluesrock verschrieben haben: 4mal12Zoll aus Gifhorn.
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intensiv mehr als drei Jahre lang im Studio zu sitzen.“ Quasi-Debüt deshalb, weil die Band zuvor ausschließlich „sehr gut aufbereitete“ Live-Mitschnitte veröffentlichte, die man auch immer noch über sie erwerben kann.

Gegenwärtig arbeiten die Gifhorner daran, ihr Repertoire zu erweitern: „Wir sind dabei, neue Songs zu schreiben und aufzunehmen, um dieses Jahr damit die Konzerte zu bereichern“, verrät Magnus. Und sinniert: „Wir kommen in ein Alter, wo Songs emotionaler und bodenständiger werden.“ Er seufzt: „Es ist in der Band viel privat passiert, das wir aufarbeiten
und in die Songs stecken.“ Er selbst war einigen Todesfällen und einer schwierigen Beziehungszeit ausgesetzt, deutet er an – und muss doch lachen: „Da eignet sich nichts besser als Blues für!“
Anders als seine Bandkollegen hat Magnus neben seinem Job keine Zeit für mehr als 4mal12Zoll. „Dominik hat immer wieder kleine Projekte“, weiß Magnus. Bekannter dürften Supersonic Youth und Peter der Wolf gewesen sein. „Und er macht viel Ton-Engineering, Mixen und Mastern von Bands.“ Noch anders der Schlagzeuger: „Gordon ist deutlich umfangreicher unterwegs, der lebt von Musik, als Musiklehrer und mit Revelator, er betreibt ein Tonstudio in Vollbüttel, das heißt Scale Wave Studios.“ Außerdem schreibt und spielt er Musik für Computerspiele wie „Space Engineers“, ZDF-Filme oder andere Bands, darunter auch für die Soul Generation von den jüngst nach Los Angeles ausgewanderten Tiana Kruškić und Billy Ray Schlag.
Bleibt noch das große Geburtstagsfest. Doch so weit sind 4mal12Zoll noch gar nicht: „Wir haben noch nichts konkret geplant“, lacht Magnus. „Wir sind noch in Abstimmung, explizit in Gifhorn und genau dafür ein Konzert zu organisieren.“ Er verspricht: „Wir versuchen es im ersten Halbjahr.“
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