Essen & Trinken
Endlich das eigene kleine Amerika entdeckt: Im Morada Hotel Gifhorn kommen Abendgäste und Weltenbummler zusammen
Malte Schönfeld Veröffentlicht am 24.10.2026
Wer abends gerne darauf verzichten würde, in der Küche zu stehen, sollte im Saal des Morada Hotel Gifhorn Platz nehmen. So machte es auch KURTs Gastro-Tester Malte Schönfeld.
Foto: KURT Media
Immer wieder öffnen im Landkreis Gifhorn Lokale und Restaurants, die man erst einige Wochen später bemerkt. Unmöglich, alle neuen Angebote auf dem Schirm zu haben. Hin und wieder passiert es jedoch auch, dass man den Wald vor lauter Bäumen, den gedeckten Tisch vor lauter Angeboten nicht sieht. Direkt in der Gifhorner Südstadt aufgewachsen, kam es unserem Gastro-Tester Malte Schönfeld nie in den Sinn, mal im Morada Hotel Gifhorn am Isenbütteler Weg nach dem Restaurantbetrieb zu fragen. Allerhöchste Zeit also, diesen lange überfälligen Besuch mit seiner liebsten Begleitung nachzuholen und auf Entdeckungskurs zu gehen.
So viele fantastische Gründe gibt es, in dieser Region zu leben. Gifhorn ist wandlungsfähig, häutet sich von Zeit zu Zeit. Neues wird durchaus gewagt, ja, es ist ein Wagemut zu erkennen. Ist man erst mal für längere Zeit der Stadt und dem Landkreis entschwunden, hat man sich also vorwärtsbewegt und ist Kundschafter in eigener Sache, steckt der Kopf und das Herz voll blühender Eindrücke. Und doch darf man sich freuen, zurückzukommen, um Bekanntes auf die Probe zu stellen. Und manchmal muss man dort nach etwas Unerwartetem suchen, wo man doch schon tausendmal vorübergegangen ist.
„Auf was für einem Blödsinn denkst Du denn schon wieder herum?“, fährt mich meine Begleitung an, als ich sie auf dem Isenbütteler Weg in den Süden fahre. Bushaltestellen, Wohnblocks, Einfamilienhäuser. Golden Retriever am Ende von Leinen, goldene Blätter am Ende erleichterter Zweige.
„Ach, auf gar nichts“, entgegne ich und denke auf vielem. Mein Kindheitszuhause, was an mir in Zeitlupe vorbeizieht. Ein Feuerwehrteich, der früher etwas Zauberhaftes hatte. Der schmale Weg versteckt zwischen den Häusern, den man nur kennen kann, wenn man hier aufgewachsen ist. Der lächerlich große Gebäudekomplex, damals Minimal, ein Vollsortimenter, den es schon lange nicht mehr gibt.
Ein Cheesecake zum Abschluss im Morada Hotel Gifhorn. Wenn so doch nur jedes Dinner enden würde…
Foto: KURT Media

„Hanns Guck-in-die-Luft“, seufzt meine Begleitung. „Guck lieber auf die Straße.“ Doch wir sind schon am Ziel angekommen, genauer gesagt auf dem Parkplatz des Morada Hotels Gifhorn.
„Na, das nenne ich mal eine interessante Überraschung“, schnaubt meine Begleitung erfreut ihre Skepsis beiseite.
Kurz vom Empfang weitergeleitet in den Sitzbereich des Restaurants fallen im Morada Hotel Gifhorn die Sauberkeit, das indirekte Licht und die wohltuende Ruhe auf. Zwei Fahrradtouristen, sicherlich Weltenbummler, klären die Sicherheitskonzepte für ihre 10.000-Euro-Bikes. Liebend gerne würde ich dort zuhören, doch wichtiger noch ist unsere Bestellung.
Noch nie habe ich im Morada Hotel gesessen, obwohl ich doch in nächster Nähe aufgewachsen bin. Was ich wohl alles schon verpasst habe, frage ich mich. Der Menükarte zu urteilen: Holzfäller-Cordon-Bleu, Rindfleisch Stroganoff, einige Schnitzelvarianten oder Gnocchi gefüllt mit Ziegenkäse, Trüffel und würziger Gorgonzolasauce. Das liest sich beachtlich, doch wir wählen nach mehrfacher Umbestellung vornweg gemeinsam das Kürbiscurry, auch, weil uns nach deftigen Hauptgerichten ist, sowie im Hauptgang das vegetarische Chicken Teriyaki und ein veganes Knusperschnitzel mit Pommes.
Manchmal ist doch das einfache Essen genau das, was man sich wünscht, so wie das vegetarische Schnitzel von Maltes Begleitung.
Foto: KURT Media

Es ist dann doch selten, ein akzeptables vegetarisches Chicken Teriyaki zu finden, aber im Morada Hotel Gifhorn lässt man sich von dieser Herausforderung nicht abschrecken. Sehr leckere Quasi-Chickenfetzen, allen voran die Konsistenz überrascht, wozu Erbsenproteine doch fähig sind, immer wieder faszinierend. Noch dazu muss die Würze Erwähnung finden. Und auch meine Begleitung schneidet genüsslich am Schnitzel, piekst es auf und ist ganz zufrieden mit dem so wichtigen Crunch und dem genau richtigen Maß an Champignons in der Sauce. Ein Schluck Cola dazu, das sanfte Prickeln der Kohlensäure klettert den Hals hinab. Herrlich.
Ohne Dessert verlassen wir diese Neuentdeckung, diesen Kontinent direkt nebenan aber nicht. Zwei Cheesecakes bitte, danke, hübsch angerichtet mit Schokoglasurakzenten und Raspeln. Mit nie dagewesenem Mut bestelle ich sogar einen Espresso, auf den ich plötzlich riesig Lust habe, um 20 Uhr. Das muss ein Lokal auch erst mal schaffen, denke ich mir, und schlürfe genüsslich lippenbefeuchtend. Heute wird nicht mehr geschlafen.
Morada Hotel Gifhorn
Isenbütteler Weg 56, Gifhorn
Mo. – So. 18 bis 21 Uhr
Tel. 05371-9300
gifhorn@morada.de
gifhorn.morada.de