KURT stellt drei Fragen

Drei Fragen an Schiri-Legende Fritze Dobat (82) aus Grußendorf: Das Pfeifen ist Teil meiner Liebe zum Fußball

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 17.05.2026
Drei Fragen an Schiri-Legende Fritze Dobat (82) aus Grußendorf: Das Pfeifen ist Teil meiner Liebe zum Fußball

Ein Urgestein der Gifhorner Fußball-Landschaft: Fritze Dobat wird nun für seine Leistungen beim DFB in Frankfurt am Main geehrt.

Foto: NFV-Kreis Gifhorn

Er ist eine lebende Legende auf den Sportplätzen der Region. Wer in den zurückliegenen sechs Jahrzehnten im Landkreis Gifhorn gegen den Ball getreten hat, kam an seiner Pfeife kaum vorbei. Friedrich Dobat aus Grußendorf, den alle nur ehrfürchtig „Fritze“ nennen, ist mit seinen 82 Jahren eine Institution des Fußballs. Fast 60 Jahre Schiedsrichterdienst und rund 5000 geleitete Partien – ein Pensum, das ihn manchmal an sieben Tagen die Woche auf das Grün führt. Selbst ein schwerer Rückschlag konnte ihn nicht stoppen: Nach anderthalb Jahren Zwangspause wegen eines gebrochenen Hüftgelenks kämpfte er sich zurück in den Mittelkreis. „Ich habe die Lust noch nicht verloren“, sagt Fritze mit jener Leidenschaft, für die er nun auf höchster Ebene geehrt wird. Nachdem ihn der Niedersächsische Fußballverband bereits im Rahmen der Aktion „Danke, Schiri“ ausgezeichnet hat, folgt Mitte Mai die nächste Ehrung in Frankfurt am Main vom großen Deutschen Fußball-Bund.

1. Meckernde Spieler, Trainer, die in jeder Entscheidung einen Fehler wittern, pöbelnde Zuschauer – wie hältst Du als Schiedsrichter Deine Leidenschaft für den Fußball am Leben?

Das Pfeifen ist Teil meiner Liebe zum Fußball. Das andere ist, wie gehe ich mit Spielern auf dem Platz um. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, dass ich ganz ruhig bleibe. Im Vorbeilaufen teile ich denjenigen, die auffallen, mit, dass ich ihr Provozieren oder Meckern ganz genau gesehen habe. Dann sind die schon mal ruhig. Alle dürfen mich duzen, ich bin der Fritze, das sage ich vorher in der Kabine schon an. Wer vernünftig mit mir redet, kriegt eine vernünftige Antwort.

Und wenn ein Zuschauer mich beleidigt oder anderer Meinung ist, dann gehe ich zu ihm hin und sage: Hier ist meine Pfeife, Du darfst gerne weitermachen.

2. Mit welchem Verein hältst Du es im Privaten?

Ich bin Fan gewesen von Eintracht Braunschweig. Und damals Borussia Mönchengladbach. Das war die Zeit von Günter Netzer. Den habe ich bewundert, die ganze Gladbach-Mannschaft. Damals haben sie teilweise besseren Fußball gespielt als heute. Doch ich habe auch zwei Häuser gebaut in Eigenregie, 1967, als Eintracht Meister wurde. Da bleibt kaum Zeit. Und dann verliert man die Teams aus den Augen. Mitglied bin ich beim TSV Grußendorf, für den pfeife ich schließlich, doch die Mannschaft habe ich selbst kaum spielen sehen. Ich bin ja sonntags immer selbst unterwegs.

3. Was sind die kuriosesten Begebenheiten, an die Du Dich in Deiner Laufbahn erinnerst?

Einmal hat mich meine Frau zum Spiel in Wendschott begleitet, sie hat im Auto gesessen und gehäkelt. Das war in den 70ern. Weil sie mit mir und meinen Entscheidungen nicht einverstanden waren, haben mich ausgerechnet bei dieser Partie die Spieler gejagt. Da bin ich über den Graben gesprungen und rein ins Auto. Meine Frau hat nur gesagt: Nächstes Mal fährst Du schön wieder allein.

Ein andermal war ich beim Alterherren-Pokal-Endspiel im Einsatz. Aus zwei Metern kriegte ich den Ball gegen den Kopf und wurde bewusstlos. Zum Wachwerden klatschte mir einer der Spieler links, rechts, links, rechts, ein paar Mal ins Gesicht. Als ich wieder zu mir gekommen bin, habe ich ihm gesagt: Glück gehabt. Eigentlich müsste ich Dir Rot zeigen, einen Schiedsrichter schlägt man nämlich nicht.


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