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Die Gifhorner Lebenshilfe möchte auch Heimat sein: Hans-Jürgen Heinze, ehemaliger Lebenshilfe-Geschäftsführer, im Interview

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 25.01.2026
Die Gifhorner Lebenshilfe möchte auch Heimat sein: Hans-Jürgen Heinze, ehemaliger Lebenshilfe-Geschäftsführer, im Interview

„Gifhorn war immer eine behindertenfreundliche Stadt“, erklärt Hans-Jürgen Heinze im Interview. Der ehemalige Geschäftsführer arbeitete mehr als drei Jahrzehnte an der Spitze der Lebenshilfe Gifhorn.

Foto: Michael Uhmeyer

In seiner Zeit als Geschäftsführer von 1972 bis 2005 hat Hans-Jürgen Heinze die Entwicklung der Lebenshilfe Gifhorn maßgeblich geprägt. Heute steht er ihr eng als Vereinsmitglied zur Seite. In seiner Amtszeit wuchs die Lebenshilfe zu einer unverzichtbaren Institution heran, die zuverlässiger Dienstleister, Lebensmittelpunkt für die Beschäftigten und Heimat ist. Im Interview mit KURT-Redaktionsleiter Malte Schönfeld und Herausgeber Bastian Till Nowak erklärt er, warum die Lebenshilfe ein unterschätzter Wirtschaftsmotor für die Region ist, berichtet von der Freundlichkeit Gifhorns und hält fest, was am Ende wirklich zählt: die Liebe zum Menschen.

Herr Heinze, was genau ist in Ihren Augen der Auftrag der Lebenshilfe Gifhorn?

Das kann ich Ihnen in einem Satz sagen: Menschen mit Beeinträchtigungen und ihre Angehörigen mit unterschiedlichen Ansprüchen in ihrem Leben und mit allen Freuden und Sorgen zu begleiten. Die Wege und die Methoden mögen sich durch Wissenschaft, Pädagogik und Medizin entwickelt haben, doch der Auftrag ist bis heute gleich geblieben.

Ist die Gesellschaft in ihrer Zeit als Geschäftsführer offener geworden durch die Arbeit der Lebenshilfe – oder umgekehrt?

Es bedingt sich natürlich beides. Und ich kann da jetzt nur über Gifhorn sprechen: Hier war die Atmosphäre immer behindertenfreundlich, während anderswo gegen den Bau von Einrichtungen demonstriert wurde. Zum Tag der offenen Tür sind im Heidland alle Parkplätze voll, früher haben die Besucher uns sprichwörtlich fast die Tür eingetreten, um die besten Adventskränze zu kriegen. Wir haben Fahrten unternommen an die Ostsee, in den Harz nach Hohegeiß und sogar nach Dänemark. Dies wird von der Außenwelt wahrgenommen und als positiv bewertet.

Was sich jedoch geändert hat, ist die Zusammenarbeit mit den Behörden: Es wird mehr über Geld als über Menschen gesprochen.

Die Lebenshilfe ist Trägerin von Einrichtungen für mehr als 1300 Menschen mit Beeinträchtigungen im Landkreis Gifhorn, an mehr als 20 Standorten. Sie beschäftigt rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Schätzen Außenstehende die wirtschaftliche Bedeutung der Lebenshilfe für den Landkreis Gifhorn richtig ein?

(überlegt) Nein, das glaub ich nicht. Beispiel: Wenn wir davon ausgehen, dass ein Großteil der gut verdienenden Mitarbeiter auch im Landkreis Gifhorn wohnt, lassen die das Geld ja auch hier. Sie gehen einkaufen und zahlen ihre Miete. Und wir haben große Gewerbeflächen, Wohnanlagen und Gebäude. Wenn da eine Belüftungsanlage für mehrere hunderttausend Euro ausgetauscht werden muss, landet der Auftrag bei einem regionalen Unternehmen. Wir sind im Kreislauf der lokalen Wirtschaft.

Ich höre immer noch: Die Lebenshilfe koste Geld, bringe aber nichts ein. Das stimmt nicht und ärgert mich auch.

Vielerorts hört man: Der Mensch solle im Mittelpunkt stehen. Was bedeutet das für die Lebenshilfe?

Wir möchten den Menschen ganzheitlich sehen. In jedem Lebensalter, in allen Lebenslagen Geborgenheit anbieten. Für viele Leistungsberechtigte ist die Lebenshilfe mit ihren Werkstätten der Lebensmittelpunkt. Schon sonntagsabends freuen sich die Leistungsberechtigten auf den Wochenstart. Hier haben sie Freunde, Schulkameraden und Arbeitskollegen gefunden, mit allem, was dazugehört.

Gerne möchte ich auch die Stützpädagogik erwähnen. Das ist ein heilpädagogisches Konzept der Frühförderung, das Kinder mit Entwicklungsverzögerungen oder -auffälligkeiten unterstützt, um ihre Selbständigkeit und Teilhabe in Kindergarten und Alltag zu fördern. Das funktioniert heute noch. Die Zusammenarbeit mit den Kindergärten verlief immer traumhaft, Kollegen auf beiden Seiten, die eine Sprache gesprochen haben.

Neben der grundsätzlichen Versorgung möchten wir auch Heimat sein. Angehörige sagen mir: In der Lebenshilfe werden behinderte Menschen so akzeptiert, wie sie sind. Nehmen wir nur die Freizeitangebote, die ermöglicht werden. Und das Festival der Lebensfreude, was seinen Namen wirklich verdient hat.
Heute ist noch einmal alles größer, besser und schöner als früher. Was gleich geblieben ist, ist die Liebe zu den
Menschen.

Was wünschen Sie sich?

Was bei der Lebenshilfe passiert, ist schön anzusehen. Mit Frau Dr. Heitling gibt‘s eine Geschäftsführerin, die bei dem Kurs der Erneuerung mutige Entscheidungen trifft und standhaft bleibt. Wichtig ist, dass eine moderne Ausstattung und gut ausgebildete Mitarbeiter bleiben.

Doch das Wichtigste ist: dass weiterhin Menschlichkeit herrscht. Dass mit Menschen mit Behinderung vernünftig umgegangen wird. Und ich sehe früher wie heute, dass es bei ihnen einen großen Wunsch nach menschlichen Beziehungen gibt. Diese Zuneigung müssen wir ihnen geben.

Lebenshilfe Gifhorn
Im Heidland 19, Gifhorn
Tel. 05371-8920
info@lebenshilfe-gifhorn.de
lebenshilfe-gifhorn.de


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