Tischler-Innung Gifhorn

Jetzt habe ich für mein Hobby eine Fachausbildung: Die Tischler Gabriel Stenzig und Michael Braun wissen, wie das Holz will – und schaffen Unikate

Marieke Eichner Veröffentlicht am 04.10.2022
Jetzt habe ich für mein Hobby eine Fachausbildung: Die Tischler Gabriel Stenzig und Michael Braun wissen, wie das Holz will – und schaffen Unikate

Gabriel Stenzigs Gesellenstück und die seiner Klassenkameraden wurden in der Gifhorner Volksbank ausgestellt.

Foto: Michael Uhmeyer

Wo gebaut wird, da sind sie nicht weit: die Tischler. Ihr handwerkliches Geschick sorgt dafür, dass in der Herstellung und Montage aus dem Rohmaterial Holz Unikate werden. In der Werkstatt und auf der Baustelle geben sie all ihr kreatives Können, um mit ihren Händen Schönes entstehen zu lassen. Dieses Selbermachen-Können ist, was für den abwechslungsreichen Beruf des Tischlers begeistert. So war‘s bei Michael Braun, Obermeister der Tischler-Innung Gifhorn-Wittingen-Wolfsburg – und so ist‘s auch beim aktuell Jahrgangsbesten, dem 19-jährigen Gabriel Stenzig aus Knesebeck.

Holz ist eigensinnig, weiß Gabriel Stenzig. Und genau diese Eigenschaft hat den Jahrgangsbesten der Tischler-Innung Gifhorn-Wittingen-Wolfsburg schon immer fasziniert. „Wenn Du Metall verarbeitet hast, dann bleibt das so. Aber Holz ist aufwendiger. Doch wenn Du ein geübtes Auge hast, dann weißt Du, wohin das Material geht.“ Bereits in der Schule absolvierte der heute 19-Jährige ein Praktikum in seinem späteren Ausbildungsbetrieb in Knesebeck.

„Wer eine gute handwerklich Ausbildung hat, wird vorgezogen, weil man praktische Erfahrung und den Arbeitsalltag mitgemacht hat.“
Michael Braun, Obermeister der Tischler-Innung Gifhorn-Wittingen-Wolfsburg

Foto: Michael Uhmeyer

Auch bei Michael Braun, Innungs-Obermeister seit 2016, formte sich die Begeisterung für die Arbeit mit Holz schon in den Jugendjahren. „Etwas herzustellen, Werte zu schaffen und mit den Händen kreativ zu sein“ hat ihn Anfang der 80er für eine Ausbildung als Tischler gewinnen können. Heute ist er als Obermeister für „die Vorstandsarbeit, das Organisatorische und Kommunikation“ zuständig.

Ebendieses Herzblut fürs Handwerk zeigt sich auch in Gabriel Stenzigs Gesellenstück. „Reine Arbeitszeit dafür waren 95 Stunden“, erzählt er stolz. „Das kommt wahrscheinlich in meine Wohnung.“ Oder zu einem Mann, den seine Mutter als Krankenpflegerin betreut. „Der hat sich so über die Fotos gefreut, vielleicht stell‘ ich‘s dem hin.“

„Wir machen Unikate“, betont auch Michael Braun die Qualität im Tischlerhandwerk. „Jeder hat seine Interessen und Stärken“, fügt der Obermeister hinzu. Aber nur durch Bücher oder Zeitungen entwickle man keine Vorlieben. „Deshalb sage ich immer: Geht in die Betriebe, macht ein Praktikum!“ Und eine Ausbildung bringe „Basics, auf die man aufbauen kann“. Ob Weiterqualifikation oder Studium: „Wer eine gute handwerkliche Ausbildung hat, wird vorgezogen, weil man praktische Erfahrung und den Arbeitsalltag mitgemacht hat.“

„Wenn man mit Holz arbeiten kann, wenn man versteht, wie Holz will, ist das was ganz Besonderes“, schlägt Gabriel Stenzig in dieselbe Kerbe. „Ich kann viel selbst machen“ – und genau das hat ihm in der Ausbildung am meisten Spaß bereitet. „Für meine Freundin habe ich einen Nachtschrank gebaut. Und eine Küchenplatte mit Intarsien furniert.“ Sein Plan für die Zukunft: Omas Haus kaufen. „Hinten kommt eine Werkstatt ran. Im Bad ist eine Holzdecke mit Glaseinlage geplant, dann will ich mir auch noch eine neue Küche bauen.“ All dies und mehr will Gabriel Stenzig selbst tischlern. Denn: „Jetzt habe ich für mein Hobby eine Fachausbildung!“