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Mit MAGA-Hut kriegst Du in L.A. auf die Fresse: US-Auswanderer Billy Ray Schlag berichtet vom neuen Zuhause und der Community

Matthias Bosenick Veröffentlicht am 20.09.2026
Mit MAGA-Hut kriegst Du in L.A. auf die Fresse: US-Auswanderer Billy Ray Schlag berichtet vom neuen Zuhause und der Community

In East L.A. haben Tiana Kruškić und Billy Ray Schlag nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch ihre Community gefunden.

Foto: Privat

Seit Anfang 2025 leben Tiana Kruškić und Billy Ray Schlag in Los Angeles. Die Gifhorner verlegten ihren Lebensmittelpunkt an die US-Westküste, um dort mit Künstlern deren Musik zu produzieren. Was in den zurückliegenden Monaten alles passierte: Die Heimatbasis in Braunschweig schien abgebrannt, wegen der Arbeit mit Ye, früher bekannt als Kanye West, gab‘s Ärger – und schließlich folgte der Umzug nach L.A. Der Bezug zur Heimat – mit der Band New Soul Generation und dem Verein If A Bird – ist nach wie vor eng, auch wenn das Duo derzeit mit dem kanadischen Sänger Daniel Caesar durch Asien tourt. Billy Ray alias Aver Ray gibt KURT Einblicke.

Irgendwo am anderen Ende der Welt ist das Paar jetzt mit Daniel Caesar unterwegs. An dessen 2025er-Album „Son Of Spergy“ waren Billy Ray und Tiana bereits beteiligt, jetzt begleiten sie den Gospel- und R&B-Sänger durch Asien. „Tiana macht die Chorleitung, ich bin musikalischer Leiter und arrangiere“, gibt Billy Ray preis. Und staunt selbst über das Mammutprojekt, das ihn erstmals durch Asien und dann noch durch Nordamerika und Europa führt: „In drei Tagen haben wir die Arena-Tour in der ganzen Welt ausverkauft.“

Alles begann in Gifhorn. Tiana errang 2013 Bekanntheit mit ihrem Auftritt in der TV-Sendung „The Voice of Germany“, Billy Ray war zunächst Mitglied der Band Soul Generation und hob dann mit Tiana das Nachfolgeprojekt New Soul Generation aus der Taufe. Bald richteten sie ihr Zuhause und ihr Studio in Braunschweig ein und gründeten dort den Musikernachwuchs-Förderverein If A Bird.

Der Weg in die USA startete eher unspektakulär. „Ich habe auf Instagram gepostet, da hatte ich nur 100 Follower. Aber krasse Leute haben sich das angesehen und mich angeschrieben: Kommt doch nach Los Angeles!“, erzählt Billy Ray. Dem warf er ein lapidares „Ja, ja“ entgegen, hatte er doch „nicht vor, das große Ding zu machen, aber diese Leute ließen nicht locker und sagten: Wenn Du nicht nach L.A. kommst, dann kommen wir zu Dir.“ Billy Ray, frisch Vater geworden, dachte, er sei für solche Manöver bereits zu alt – aber: „Die sind dann gekommen.“ Und stellten dem Paar eine bezahlte Reise nach Kalifornien in Aussicht.

Eine der berühmtesten Locations für kleine Live-Sets, die ikonische Auftritte – von Mac Milleroder Anderson .Paak – möglich machten, ist Tiny Desk. Auch hier schauten Billy Ray Schlag und Tiana Kruškić vorbei.

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„Dann sind wir tatsächlich hingeflogen. Und es passierte schnell, dass wir krass rumgereicht wurden“, verrät Billy Ray. Die erste Session, die Tiana und er absolvierten, war mit dem US-amerikanischen Sänger Masego. Billy Ray verschlug‘s die Sprache: „Wir hatten in Deutschland nie die Ambitionen, mit großen Artists zusammenzuarbeiten.“ Die zweite Session war gleich Ye, danach Daniel Caesar.

Damit ging‘s los – aber anstrengend: „Wir sind beide die letzten drei Jahre hin und her gependelt, einmal im Monat nach Los Angeles für eine Woche“, seufzt Billy Ray. Nicht immer miteinander, „wir haben das aber als Familie machen wollen“.

Als dann die Aerosolfabrik neben ihrem Heim in Braunschweig abbrannte, brach eine Katastrophe über die Familie herein. „Wir hatten das Gefühl, wir haben das Haus verloren“, berichtet er. Also fällte die sich obdachlos wähnende Familie die Entscheidung, ganz nach Los Angeles umzusiedeln: „Es ist effektiver.“ Bis dann doch noch klar war: „Das Haus ist bewohnbar“, zur großen Erleichterung des Paars. Dennoch: Die Entscheidung stand – und das alte Domizil bleibt als Studio für If A Bird und für Stippvisiten bestehen.

Der Lebensmittelpunkt für Tiana und Billy Ray liegt nun in Los Angeles. Das klingt einfacher, als es sich darstellt – das Paar stand und steht vor zahllosen Herausforderungen. „Es dauert, bis man den Lifestyle findet“, sagt Billy Ray. Mit den aus Europa mitgebrachten Gewohnheiten stößt man schnell an seine Grenzen, insbesondere finanziell: „Es ist keine Empfehlung, mit einem europäischen Mindset hierherzuziehen.“

Zunächst hatte das Paar in Glendale gewohnt. „Das hatte sich aber scheiße angefühlt, nicht wie das echte Los Angeles“, ist Billy Ray ehrlich. Die beiden fühlten sich in einem derartig sozial getrennten Stadtteil nicht wohl. In East L.A. fand das Paar dann eine geschlossene Gemeinschaft der Einheimischen, und „da fing es langsam an, sich richtig anzufühlen“. Denn dort sind Tiana und Billy Ray als Weiße eine Minderheit, „hier muss man beweisen, dass man es ernst meint“. Und ernst meinen sie es, ausgehend von kleinen Gesten: „Wir wollen was in der Nachbarschaft zurückgeben, wir machen wöchentliche Barbecues und so weiter.“ Mit Erfolg: „Wir sind aufgegangen in der Community.“ Und die besteht aus „unfassbar interessanten Leuten, von denen man viel lernen kann, inspirierenden Leuten aus der ganzen Welt“.

Immer unterwegs, immer auf Tour oder im Studio: Billy Ray Schlag und Tiana Kruškić sind in ihrem neuen Leben in den USA angekommen.

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Nur: Will man in einem von Donald Trump regierten Land leben? „Das ist total krass“, findet auch Billy Ray. „Das war natürlich das erste, was wir dachten: Will man Steuern zahlen an so eine Maschinerie?“ Aber: Seiner Erfahrung nach haben Trump-Anhänger in großen Städten keine Relevanz, „in Los Angeles mit einem MAGA-Hut kriegst Du einen auf die Fresse“. Und zu Hause sei es nicht besser: „In Deutschland ist die Scheiße, die Merz und seine Spießgesellen abziehen, gefährlich“, mahnt er. „Die versuchen, einen gemeinsamen Feind zu erschaffen, und das kann alles sein, was nicht in deren weiß-deutsches, heteronormatives, konservatives, künstliches Weltbild passt“, was auch Auswirkungen auf das Leben der Kinder von If A Bird habe: „Das sind alle Kids of colour“, und die stünden in den Schulen einem immer rassistischer werdenden Umfeld gegenüber. Es sei normal, meint Billy Ray, dass die anderen Kinder dort AfD wählen und rechts sind.

Reaktionäre Bewegungen „wie Manosphere und Trad Wife schlagen in Deutschland mehr ein als in den USA“, ist er überzeugt. „Hier sind die Weißen nicht mehr in der absoluten Mehrheit, im Gegensatz zu Deutschland“, denn es gebe starke Communitys, Politiker, Stars und CEOs aus allen gesellschaftlichen Schichten, berichtet Billy Ray. „In Deutschland gibt es mehr alte weiße Männer mit dem Namen Thomas in Vorständen als Frauen, People of Color und Menschen mit Beeinträchtigung zusammen.“

Auch Billy Ray ist bewusst, dass Tiana und er als erst jüngst hinzugekommene Migranten bei der jetzigen Regierung dennoch Vorteile gegenüber ihren indigenen Nachbarn hätten, aber er wisse ebenso: „Ich bin auf der richtigen Seite und weiß, wo meine Leute sind – wenn der Ruck da ist, bin ich lieber in der Community, als dass ich vermuten muss, mein Nachbar geht da mit.“ Deshalb sei der frei gewählte neue Wohnort für die junge Familie der richtige.

Ob dies auch für immer so sein wird, ist hingegen noch offen. Nicht nur aus beruflichen Gründen, denn wenn es die sich verschlimmernde politische Situation erforderte, wäre Billy Ray sofort zurück: „Ich wäre sofort am Start, in Deutschland mein Musikerdasein an den Nagel zu hängen und Politiker zu werden.“ Zwar sei Musik ein „gutes Tool, um politische Ideen nach außen zu bringen“, aber sollte er feststellen, „dass ein anderes Tool, Politiker oder Aktivist zu werden“, effektiver wäre, „hätte ich kein Problem, das auch nichtkommerziell durch-
zuziehen“.

Und doch brachte sich Billy Ray dort in den USA einmal in eine schwierige Situation: Er arbeitete mit dem umstrittenen Rap-Star Ye zusammen. Eine Folge: „Das sorgte bei vielen Leuten aus allen politischen Lagern erst mal für Unverständnis“, weiß er. Und betont: „Das sehe ich ein, den Schuh ziehe ich mir an.“ Die Zusammenarbeit ist längst beendet. „Der hat vorher schon beschissene Sachen gesagt“, so Billy Ray, „aber als es losging mit dem Nazischeiß, war uns das zu heftig.“ Doch er gibt zu bedenken: „Die Person ist hier anders einzuordnen als in Deutschland. Hier ist er der absolute Hero“, beginnt er. „Als ich von Kanye persönlich angefragt wurde, hatte ich natürlich auch erst mal ein absolutes Störgefühl.“

Doch schnell wurde Billy Ray dahingehend geerdet, „dass ich als weißer, maximalprivilegierter Deutscher, der in eine schwarze Community in den USA kommt, nicht die Deutungshoheit über schwarze Culture-Ikonen wie Kanye habe“. Denn: „Sonst wäre das genau die White Supremacy, die ich vermeiden möchte.“ Doch auch da gab es eine Grenze: „Als es dann losging mit den Hakenkreuzen, war ich auch raus.“

Tiana und Billy Ray zwischen neuem Alltag in L.A. und internationalem Musikgeschäft – inzwischen tourt das Paar mit dem kanadischen Sänger Daniel Caesar durch Asien.

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In Los Angeles empfindet es Billy Ray als „Glück, in einer Community zu sein, auch als Minorität“, und das sei in Deutschland eher nicht möglich. „Bist Du nicht Teil der Mehrheitsgesellschaft, bist Du benachteiligt, besonders als gerade Zugezogener. Hier sind aber alle von irgendwoher zugezogen“, bringt er es auf den Punkt. Erfahrungen damit hat Tiana selbst gemacht, die 1992 aus Bosnien vor dem dortigen Krieg nach Deutschland flüchtete „und neun Jahre lang um ihren Aufenthalt kämpfen musste“. Mit Blick auf Rassismus denkt er: „Die Panikmache ist unbegründet.“ Deshalb wundert er sich: „Warum ist links nicht größer als die AfD?“ Seine Beobachtung: „Die vermeintliche gesellschaftliche Mitte ist mittlerweile vorsichtig, sich mit Antifaschisten gleichzumachen. Das ist gefährlich, denn die Sache sollte eigentlich klar sein. Auf eine Anti-AfD-Demo zu gehen, ist normal und keine Heldentat.“

Auch wenn das jetzt wie eine Einschätzung aus der Ferne klingt: Tiana und Billy Ray sind fest mit Gifhorn und Umgebung verbunden. „Wir haben in Braunschweig eine If-A-Bird-Academy aufgemacht“, so Billy Ray. Dabei handelt es sich um „eine Musikschule, in die man auch ohne Geld gehen kann. Das ist cool.“ Denn: „Ältere Kids von If A Bird leiten das und geben Unterricht.“ Damit setzen jene fort, was das Paar einst etablierte: „Wir haben Musik genutzt, um marginalisierte Stimmen zu verstärken.“ So geht es auch mit der Akademie weiter: „Antidiskriminierung ist die Message und wie man die Message in Musik umsetzt.“ Außerdem geht das Paar im Herbst mit den Birdies auf Tour – nach Ghana.

Weiter geht es auch mit der Band New Soul Generation. Den Altersdurchschnitt der Mitglieder von nur 16 Jahren erklärt Billy Ray mit laufenden Zu- und Abgängen, wie es auch beabsichtigt ist. „Die sind unfassbar am Start“, freut sich der Produzent – und erzählt, dass er die Gruppe bereits in Los Angeles empfing. „Sie haben auf dem Rosalía-Album den Song ‚Berghain‘ mitgesungen“, berichtet er von deren Einsatz bei diesem Welthit. Auch bei Kanye West sind sie zu hören. „Die New Soul Generation läuft alleine weiter“, erklärt er, denn einige ältere Mitglieder übernahmen auch dort die Leitung. „Die machen das viel besser als wir“, grinst Billy Ray. „Ehrlich gesagt, wir wollten nur eine gute Zeit haben und Rock‘n‘Roll machen – und die sind besser organisiert.“

Die Dauer ihres Verbleibs in Los Angeles machen Tiana und Billy Ray von der Auftragslage abhängig, Pläne schmieden sie dahingehend keine. Das Haus in Braunschweig gehört ihnen weiterhin, gelegentlich nehmen sie auch mit US-Künstlern dort auf, „ein Tapetenwechsel tut ihnen gut“, so der Produzent. Aktuell reist das Paar durch Asien – und erlebt das nächste große Abenteuer.

Instagram: @billyrayschlag, @tianakruskic
Facebook: @billyray.schlag, @tianakruskic


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