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Lautlos über den Wolken: Pilot Matthias Brack vom LSV Gifhorn erzählt vor den Wilscher Flugtagen von seiner Leidenschaft

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 03.09.2026
Lautlos über den Wolken: Pilot Matthias Brack vom LSV Gifhorn erzählt vor den Wilscher Flugtagen von seiner Leidenschaft

Was für eine unfassbare Momentaufnahme: Tassilo Bode vom Luftsportverein Gifhorn fliegt in der legendären Beechcraft Model 17 Staggerwing.

Foto: Luftsportverein Gifhorn

Fast lautlos durch die Lüfte gleiten, nur getragen von der Kraft des Windes unter den Tragflächen: Wer einmal im Cockpit eines Segelflugzeugs gesessen und die Welt von oben betrachtet hat, den lässt dieses Gefühl so schnell nicht mehr los. Genau so erging es Matthias Brack vom Luftsportverein Gifhorn (LSV). Genau diese Leidenschaft möchten er und sein Verein auch anderen näherbringen. Denn nach acht Jahren Pause kehrt ein echter Publikumsmagnet zurück auf das Flugplatzgelände in Wilsche: Für Samstag und Sonntag, 5. und 6. September, lädt der Verein jeweils von 10 bis 18 Uhr zu seinen großen Flugtagen mit Rahmenprogramm ein.

Matthias Brack weiß aus eigener Erfahrung, welche Faszination das Fliegen ausübt. Als 14-Jähriger durfte er über Kontakte seines Vaters eine erste Runde im Segelflieger drehen – und war sofort gefesselt: „Ich bin direkt in den Verein eingetreten.“ Mit 14 Jahren ist auch der offizielle Einstieg in die Segelflugausbildung möglich. Zunächst lernen Flugschüler im Doppelsitzer gemeinsam mit dem Fluglehrer das Steuern, Star-ten und Landen. Irgendwann folgt dann der erste unvergessliche Meilenstein: „Der erste Alleinflug ohne Lehrer an Bord – das ist der wohl spannendste Moment im Leben eines jeden Segelfliegers.“

Schritt für Schritt tasten sich die Nachwuchspiloten weiter voran: Sie lernen die Gesetze von Aufwinden und Thermik kennen, trainieren die Navigation und wagen schließlich Überlandflüge. Für Matthias Brack führte der erste große Flug damals 50 Kilometer weit bis nach Gardelegen, mit 17 Jahren hielt er schließlich die offizielle Segelfluglizenz in den Händen.

Ob im Segelflug oder im Modellflug, ob Flieger seit 30 Jahren oder frisch in der Jugendgruppe – der LSV Gifhorn ist Heimat für viele Sportler.

Foto: Luftsportverein Gifhorn

Mit rund 200 Mitgliedern – aufgeteilt in aktive Pilotinnen und Piloten, Fördermitglieder sowie eine erfolgreiche Modellflugsparte – ist der LSV Gifhorn eine starke Gemeinschaft. Was viele Laien und Beobachter nicht wissen: Segelfliegen ist gelebter Mannschaftssport. „Nur wenn alle anpacken, kommt überhaupt ein Flugzeug in die Luft“, betont Matthias Brack.

Ob als Windenfahrer, im Tower, beim Einweisen oder beim Zurückholen der Flugzeuge an den Startplatz – ohne helfende Hände bewegt sich auf dem Flugplatz kaum etwas. Diese Teamfähigkeit prägt vor allem auch die engagierte Jugendgruppe des Vereins. „Junge Menschen gehen oft mit einer ganz natürlichen Leichtigkeit an die Sache heran, sie machen einfach. Aber auch ältere Neueinsteiger lernen in der Regel schnell das Fliegen. Man merkt jedoch: Sie reflektieren den Sport etwas anders.“ Ganz ohne Angst – oder zumindest mit einer Riesenportion Respekt – geht‘s anfangs wohl nicht.

Die Facetten des Hobbys sind vielfältig: Während die Kunstflieger Loopings, Rollen und Turns in den Himmel zaubern, nutzen Streckenflieger an guten Sommertagen die Thermik für Hunderte Kilometer weite Distanzen. Genussflieger wiederum kreisen stundenlang entspannt in Platznähe und genießen den Blick – etwa auf die Lüneburger Heide.

Mit nichts zu beschreiben: Doppeldecker wie diese Maschinen von Bücker stammen ursprünglich aus den 1930er Jahren.

Foto: Luftsportverein Gifhorn

Und jetzt kehren endlich auch die heiß geliebten Flugtage zurück: „Bis 2018 fand die Traditionsveranstaltung regelmäßig alle zwei Jahre statt“, blickt Matthias Brack zurück. Dann kam die Pandemie – und danach kamen die Flugtage erst mal nicht mehr in Gang. „Umso aufgeregter sind wir, die Menschen endlich wieder zu uns einzuladen.“

Wenn Kollegen mitbekämen, dass in Wilsche wieder die Saison losgeht, fragten sie ihn stets, ob denn in diesem Jahr wieder mit den Flugtagen zu rechnen sei, berichtet Matthias Brack. Ein Team aus sieben Personen feilte seit Anfang des Jahres an der Umsetzung neuer Behördenauflagen, entwarf Sicherheitskonzepte und plante das Flugprogramm.

Neben Rundflügen, Kunstflügen und einem Überführungsflug mit der Antonow An-2, dem größten einmotorigen Doppeldecker der Welt, locken vor allem die staunenswerten Flugzeugtypen. Oldtimer wie die Stinson L5 sollte man sich nicht entgehen lassen. Und wie vielseitig die Luftfahrt ist, sieht man an Segelflugzeugen, Motorseglern, Ultraleicht- und Motorflugzeugen. Sogar die Bundespolizei präsentiert sich und zeigt eine Live-Löschvorführung mit einer AS 332. Spannende Infos rund um die Fliegerei und aufregende Erlebnisse für die ganze Familie sind garantiert.

Definitiv cooler als Tom Cruise in „Top Gun“: Matthias Brack vom Luftsportverein Gifhorn gleitet hunderte Meter über dem Boden.

Foto: Luftsportverein Gifhorn

Die Flugsaison in Wilsche läuft übrigens von Mitte März bis Oktober – Flugbetrieb herrscht an den Wochenenden. Für alle, die schon immer vom Fliegen geträumt, sich aber nie getraut haben, bieten Schnuppertrainings den perfekten Einstieg. Cockpit-Erfahrung, die Physik, die Ausführung – alles nicht so einfach, oder? Das Beherrschen der Steuerung, so vergleicht es Vielflieger Brack augenzwinkernd, sei am Ende ein bisschen wie Fahrradfahren: „Wichtig ist, dass man einmal die Mechanik versteht, wie man das Ruder bedient, wie man die Geschwindigkeit hält und natürlich, wie man landet.“ Ziemlich schnell mache man aber alles ganz automatisch. Und dann ist es auch einerlei, ob man schon im zarten Alter von 14 Jahren oder erst später abgehoben ist.

Wilscher Flugtage
Tolle Ausstellungsstücke und spannende Infos stehen auf dem Programm. Dazu werden Erbsensuppe, Wurst, Pommes, Kaffee und selbstgebackener Kuchen angeboten. Und unter lsv-gifhorn.de kann man sich jetzt noch für freie Plätze beim Überführungsflug mit der Antonow An-2 sowie für Rundflüge und Kunstflüge anmelden.

Sa. & So., 5. & 6. September
10 bis 18 Uhr, Flugplatz
Ringelaher Weg, Wilsche
Eintritt: 6 Euro
Bis 14 Jahre: Eintritt frei

lsv-gifhorn.de


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