Musik

Tüfteln im Meinerser Gartenhaus für „Analog“: Uwe Lulis Project mit neuem Album und Katharina Kunnert am Schlagzeug

Matthias Bosenick Veröffentlicht am 13.06.2026
Tüfteln im Meinerser Gartenhaus für „Analog“: Uwe Lulis Project mit neuem Album und Katharina Kunnert am Schlagzeug

Das erste Album ist gerade erst eingespielt, da kreisen beim Uwe Lulis Project schon die ersten Songschnipsel fürs nächste.

Foto: Privat

Nach dem Ende seines Engagements als Gitarrist bei der Solinger Heavy-Metal-Instanz Accept widmet sich Gitarrist Uwe Lulis nun umfassend seinem eigenen, nach ihm benannten Project. Soeben erschien mit „Analog“ das Debütalbum des bereits seit sieben Jahren aktiven Quartetts. Das hat zwar seine Basis in Frankfurt am Main, aber gelegentlich probt es auch in Meinersen. Denn Schlagzeugerin Katharina Kunnert baute sich sogar ein eigenes Studiohaus im Garten zusammen. Katharina und Uwe erzählen KURT die Hintergründe dieser Zusammenkunft und Geschichten aus dem Showbiz, über ASP und Badesalz bis hin zu Snap!.

Die gemeinsame Geschichte von Katharina und Uwe beginnt mit einer Suche: Um 2016 suchte Katharina nämlich irgendwo zwischen Mannheim, Frankfurt und Gießen nach einem neuen Schlagzeuglehrer. Im Rahmen ihrer Recherchen verschlug es sie nach Aschaffenburg, wo sie ein Konzert der kanadischen Thrash-Metal-Band Annihilator besuchte: „Und da wurde ich Uwe vorgestellt.“ Der nickt: „Ich war auch als Gast da.“ Und er grinst Katharina an: „Ich glaube, Du kanntest Accept gar nicht?“ Sie lacht und bestätigt: „Vom Namen halt.“

Von 2014 an war Uwe als Gitarrist bei Accept gebucht. „Das war ein Job“, sagt er, weshalb er dort „keine Chance auf Songwriting“ hatte. Was in ihm wiederum den Wunsch nach einer eigenen Band weckte, mit der er sich verwirklichen konnte. Als nun Katharina ihm offenbarte, Schlagzeugerin zu sein, und ihm später Demos schickte, war er begeistert: „Es hat mir gefallen, und ich habe sie gefragt, ob sie mitmachen will.“ Und sie wollte.

Zwei weitere Mitglieder machen das Uwe Lulis Project zum Quartett: Bassist Cord Kunze „ist ein alter Freund aus Frankfurt, ein Tausendsassa“, erzählt der Gitarrist. Cord ist seit den 70ern in diversen Besetzungen aktiv, darunter Memphis, The Gypsys oder der Götz von Sydow Band, nicht zu unterschlagen die The-Police-Coverband mit dem fantastischen Namen Message In A Bembel. Seit 25 Jahren wollen die beiden etwas zusammen auf die Beine stellen, jetzt ist es so weit. „Er kommt aus Bremen“, lacht der gebürtige Osnabrücker Uwe und erzählt, dass die beiden sich gelegentlich auch auf Platt unterhalten.

Die Position am Mikrofon war eine Zufallsentdeckung. „Als Bassist Peter Baltes bei Accept ausstieg, kriegte ich den Auftrag, einen Bassisten zu suchen“, erzählt Uwe. Unzählige Bewerbungen gingen bei ihm ein, darunter auch die von einem Sänger namens Erdmann Görg. Uwe lud ihn ein. „Dann kam er, sang und blieb.“ Musikalisch ist er „quasi ein unbeschriebenes Blatt“. Doch gerade deswegen ist Uwe glücklich: „Was ich vermeiden wollte, war eine All-Star-Band“, mit Musikern, die aufgrund ihrer Haupt-Bands womöglich zu wenig Zeit für sein Project hätten, denn „ich will das langfristig halten“. Und: „Ich wollte mich nicht mit Egos herumprügeln.“

Im Gegenteil dürfen sie sich selbst einbringen: „Erdmann ist vielschichtig und Katharina steckt voller Ideen“, schwärmt er. Katharina strahlt: „Dass ich meinen Stil am Schlagzeug wiedererkenne, macht mich glücklich.“

Parallel zu seinem Engagement bei Accept war es Uwe jedoch nicht möglich, sein Project unter Volllast zu fahren. Dennoch pflegte er seine Band, in der Pandemiezeit ergab sich die Möglichkeit, „intensiv zu arbeiten“, erzählt Katharina, „auch in Meinersen in meinem Studio“. Uwe lacht bei der Erinnerung: „Das war witzig, sie sagte, sie habe ein eigenes Studiohaus. Und ich sage: Studiohaus? Dann gehen wir zu ihr in den Garten und da steht wirklich ein eigenes Haus mit Studio. Voll professionell. Da bin ich neidisch.“ Für Katharina ist das ein Segen: „Mir ist es wichtig, rund um die Uhr Musik und Krach machen zu können.“ Schließlich lebe sie mitten in einem Wohngebiet, da ließ sie eigens einen Akustiker ermitteln, wie das Studiohaus einzurichten sei, damit sie auch nachts störungsfrei trommeln kann.

Den Anlass dafür gab Katharinas erste Band Artirilium, die in Lengede angesiedelt war, was von Meinersen aus eine Stunde Fahrzeit bedeutete. Mit ihrem damaligen Lebensgefährten hatte sie Zukunftspläne gefasst und den Ort nicht verlassen wollen, aber „es war schwierig, im Kreis Gifhorn einen Proberaum zu finden, und da haben wir gesagt: Hey, wir haben den Platz im Garten.“ Sie lächelt: „Jetzt bin ich happy, ich kann einfach rausgehen und muss nirgends hinfahren.“

Artirilium war für Katharina die musikalische Wiege. Ab 2000 trommelte sie in diesem Metal-Trio, „kurz nachdem ich mit dem Schlagzeugspielen angefangen habe“, erzählt sie, aber aktuell ruhe die Band. Zwischenzeitig hatte sie weitere Engagements, etwa bei der AC/DC-Coverband Black Rosie oder bei der Gifhorner Band Hertzfabrik. Vorbilder am Schlagzeug habe sie eher nicht, oft seien es Drummer, mit denen sie zu tun hatte, und so nennt sie allenfalls Mike Terrana und Randy Black als Einflüsse. „Ich habe meinen eigenen Stil“, sagt sie, „ich spiele nach Gefühl.“

Uwes Biografie fällt etwas länger aus: In den 80ern war er Teil der Band Digger, die aus Grave Digger hervorging und in den 90ern wieder zu jener Band wurde, der Uwe dann weiterhin angehörte. In den Nullern spielte er bei Rebellion und ab 2014 bei Accept. Ganz abgesehen von den unzählbaren Zwischen-, Neben- und Gaststationen. Darunter die Frankfurter Jungs, „das war ein Projekt von Justin von Junkhead“, erzählt Uwe. „Er wollte einen Gassenhauer für Sachsenhausen“, also den gastronomiereichen Stadtteil von Frankfurt. „Gerre von Tankard hat auch eine Zeile gesungen“, so Uwe, „das war ein Spaß – und in Sachsenhausen habe ich es ein paar mal gehört in Kneipen.“

Und dann war da auch noch Giftdwarf: Der im Januar verstorbene Gerd Knebel vom Kabarettduo Badesalz initiierte das Projekt 2011. „Gerd war ein enger Freund von mir“, sagt Uwe. „Er kam vor Jahren zu mir und sagte, er wolle jetzt Heavy Metal machen.“ Da fand er mit Uwe den Richtigen. Die Texte verfasste die ebenfalls bereits verstorbene Schauspielerin und Sängerin Geraldine Blecker. „Es sind sarkastische Texte“, grinst Uwe, etwa der über den „Bo(w)frostman“, in den sich ein Kunde so sehr verliebt, dass er ihn zerteilt und einfriert. Eigentlich war geplant, mit der Band auch live zu spielen, doch waren alle mit ihren Hauptprojekten zu sehr eingebunden. „Es ist nur bei einem Album geblieben“, bedauert Uwe.

Mit Gerd hatte er noch weitere Pläne, denn Gerd hatte begonnen, Spanisch zu lernen, und das Projekt Gerdo Sintrenza ins Leben gerufen. Das Album „Babuchas de seda Granate“ gibt es bereits, Uwe hatte von Gerd eine Folgeaufgabe erhalten: „Es ging darum, die Songs zu verhartrocken.“ Dafür fanden bereits erste Aufnahmen statt, „auch Katharina hat auf einem Song gespielt“, so Uwe. Sie nickt und seufzt: „Wir haben viel geschnackt, wir telefonierten stundenlang – ein toller Mensch.“ Auch Uwe seufzt angesichts Gerds Krankheit und Tod: „Tragisch.“ Katharina schüttelt den Kopf: „Er hat nie seinen Schalk im Nacken verloren.“

Uwes Engagement bei Accept endete 2025. Die Zeit in der Band sei easy gewesen, doch ist das Aus bei der Metal-Instanz jetzt seine Chance: „Ich bin froh, etwas Eigenes machen zu können.“ Katharina nickt: „Jetzt kommt der Start.“ Für den griff Uwe tief in seine Schublade: „Einige Songs auf dem Album sind 24, 25 Jahre alt.“ Er zuckt mit den Schultern: „Ich bin Songwriter, man sammelt, man muss ja musikalisch Output haben.“ Nur fehlte ihm die Möglichkeit, seine Skizzen umzusetzen. Bis jetzt, das Debüt „Analog“ erscheint sogar auf dem eigenen Label Uwesen Records. Unter den elf Stücken finden sich aber nicht nur solche aus dem Archiv: „Es sind auch neue Songs drauf.“

Musikalisch lässt sich das Uwe Lulis Project nicht eindeutig einem Genre zuordnen, Begriffe wie Power Metal oder Hardrock greifen nicht. „Wir machen Rock 2.0“, sagt Uwe schulterzuckend. Den Index rechtfertigt er „durch die ganze Keyboard-Programmierung“ in der harten Musik. „Wir sind nicht festgelegt, ein Genre zu bedienen, wir spielen, was uns gefällt“, stimmt ihm Katharina zu. „Wir machen halt Musik“, grinst Uwe. „Es ist generell Rock für mich, aber auch Popmusik, populäre Musik, die sich verkaufen lässt.“

Genreüberschreitend sind viele der Songs, heraus sticht „Faust“, das zusammen mit Alexander „Asp“ Spreng von der Gothic-Band ASP entstand. „Asp ist ein guter Freund“, sagt Uwe, der mit dem Frankfurter Musiker einige Alben produzierte. „Er kommt alle Nase lang“, erzählt er, und deshalb lag es nahe, ihn zu fragen, ob er „Bock hätte, einen Song mitzusingen“. Hatte er. „Wir haben einen Crossover kreiert mit der Gothic-Szene“, freut sich Uwe. Headliner beim Gothic-Festival M’era Luna müsste das Uwe Lulis Project nicht gerade werden, aber dort aufzutreten kann er sich schon vorstellen.

Zunächst steht die Promo für das Album an, in der zweiten Jahreshälfte soll mit zusätzlichen Musikern die Band erweitert und erprobt werden. „Und 2027 wollen wir viel rumkommen, auch nach Norddeutschland“, und wer weiß, vielleicht sogar in die Nähe von Gifhorn. Den Norden kennt Uwe noch nicht so gut, „ich war immer mehr im Ruhrgebiet“, doch immerhin war er jüngst mit der Band Iron Saviour bei Rock in Rautheim zu Gast.

Parallel brütet die Band bereits Ideen fürs zweite Album aus. „Unser Vorteil ist: Es ist ein Projekt“, grinst Uwe. „Das nächste Album könnte Dancefloor sein oder auch Metal oder ich könnte Luca Anzilotti anrufen.“ Jener Luca betrieb in den 80ern von Frankfurt aus mit Michael Münzing die Synthiepop-Projekte 16 Bit und Off, letzteres mit Techno-DJ Sven Väth, und in den 90ern das Dance-Projekt Snap!. „Ich bin mit ihm befreundet“, sagt Uwe, denn Luca war seinerzeit Mieter in seinem Studio und die beiden trafen sich dort regelmäßig beim Espresso. „Ich habe knallharte Dinge für ihn eingespielt“, berichtet Uwe, Gitarren-Loops, die Luca so zusammenmixte, dass sie wie Snap!-Songs klangen. „Er wohnt wieder bei Rom“, weiß Uwe und bilanziert grinsend die Zukunftsaussichten: „Also, wir wissen nicht, welche Richtung das Album haben wird.“

Sicher ist: Auch Meinersen wird wieder eine wesentliche Rolle spielen.

Uwe Lulis Project: Analog
11 Songs, 56:17 Minuten
LP, CD, MC und im Streaming

facebook.com/uwelulis
Instagram: @uwe_lulis_project
uwelulisproject.de


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