Altstadtfest in Gifhorn
Junge Bands zu fördern ist für uns Herzenssache: Till Siedentopf sorgt für Technik und Booking auf der Bühne am Brunnen
Malte Schönfeld Veröffentlicht am 15.08.2026
Till Siedentopf weiß, wer beim Gifhorner Altstadtfest auf die Bühne gehört – und was es braucht, damit dort alles ordentlich klingt.
Foto: Privat
Nirgends wird so viel Live-Musik im Landkreis Gifhorn gespielt wie auf dem Altstadtfest. Vor acht Bühnen lauschen, tanzen und pogen die Gifhornerinnen und Gifhorner bis in die Nacht. Unter anderem auch auf der Bühne am Brunnen, für die das Team des Freizeit- und Bildungszentrums Grille zuständig ist. Im KURT-Interview spricht Till Siedentopf (30) über das eingespielte Dreiergespann mit Marion Friemel und Christian Rohrbeck, das Basteln am Bühnenprogramm und Veränderungen für die Zukunft.
Till, kannst Du Dich noch an Dein erstes Altstadtfest erinnern?
So wie bei vielen haben mich meine Eltern zum Altstadtfest geschleppt. Wann das war? Kann ich gar nicht genau sagen. Meine erste richtige Erinnerung ist der erste Auftritt mit Final Impact. 2010 haben wir die Band gegründet und einer unserer Träume war es, auf dem Altstadtfest zu spielen. Ein Jahr später ist das Wirklichkeit geworden, auf der Bühne bei Schütte, im Programm der Rock-und-Pop-Schule. Da war ich 15.
Was verbindest Du mit dem Altstadtfest?
Der Dreh- und Angelpunkt in der Jugend, dort, wo sich alle tummelten, war das Riesenrad. Ich erinnere mich, wie damals Pups-Sprays in der Menge versprüht wurden, um dann darüber zu lachen, wie Leute in der Menge das Weite suchten. Als Teenager habe ich mich kaum für die Bands interessiert, es sei denn, befreundete Bands haben gespielt. Wir waren eher immer im Trubel unterwegs. Wenn wir selbst gespielt haben, versuchten wir natürlich trotzdem so viele Bekannte wie möglich zu mobilisieren.
Nach meinem Abi habe ich angefangen, in der Grille in der Veranstaltungstechnik zu arbeiten. Und so kam ich auch früh zum Altstadtfest dazu, um gemeinsam mit Marion Friemel und Christian Rohrbeck die Bühne der Stadtjugendförderung zu organisieren und zu bespielen – erst nur die Technik, bei der ich vor allem für das Licht zuständig bin, inzwischen aber auch im Booking. Deswegen komme ich leider weniger dazu, andere Bands und Acts auszuchecken,
da ich natürlich immer an unserer Bühne bin.
Ihr seid ein eingespieltes Team. Wem fallen welche Aufgaben zu?
Vor einigen Jahren noch hat Marion mit dem Fachbereich Bildung und Jugend gemeinsam das Programm erstellt, dann haben sich Kompetenzen verschoben und sie hat mich zügig mit ins Boot geholt. Ich war ja als Techniker eh schon dabei und bin durch meine Band gut vernetzt in der Region. Und Christian ist ein technisches Urgestein. Schon weit bevor es die Bühne am Brunnen für die Jugendförderung gab, hat er für guten Sound auf dem Altstadtfest gesorgt.
Und warum geht‘s nur mit Teamarbeit?
Weil man ganz unterschiedliche Kompetenzen braucht. Christian weiß, was es braucht, um eine Bühne in dieser Größe technisch zu bespielen, damit das Publikum das bestmögliche Erlebnis auf dem Altstadtfest bekommt. Marion hat lange Jahre Erfahrung mit der Organisation von Konzerten, Budgetplanung und der Kommunikation mit der Stadt. Und als Musiker kann ich abschätzen, was die Bands für ihren Auftritt brauchen, manchmal schon bevor ich deren Technical Rider gesehen habe. Ich bin quasi das Kommunikationsrohr zwischen Booking und technischer Umsetzung mit den Bands.
Zwischen Booking, Technik und Mikrofon fühlt sich Till Siedentopf ziemlich wohl – schließlich ist er selbst Sänger bei Final Impact.
Foto: Lena Roßmannek

Woher kommt eigentlich die ganze Technik?
Mikrofone, Lautsprecher, Lampen – das meiste stammt aus der Grille, dort ist über die Jahre ein beachtliches Lager entstanden. Die Bühne in der Grille bauen wir ab und in der Stadt im Prinzip wieder auf. Hin und wieder mieten wir etwas dazu, um die Wünsche einer Band oder auch ein neues Lichtkonzept umzusetzen.
Wie kann man sich bei Euch für einen Platz bewerben?
Meistens haben wir 12, 13 Slots zu vergeben. So auch in diesem Jahr. Um einen Platz zu bekommen, müssen sich die Acts bei uns bis zum 31. Januar des jeweiligen Jahres bewerben. Meist treffen so zwischen 50 und 100 Bewerbungen ein und wir hören uns jede Bewerbung vernünftig an.
Worauf legt Ihr bei der Auswahl Wert?
Wir schauen, dass wir nicht jedes Jahr exakt das gleiche anbieten. Sobald wir alles durchgehört haben, geht dann das Basteln am Programm los. Es gibt einige Bewerbungen von Agenturen, die ihre Künstler:innen aus der ganzen Republik anbieten. Wir müssen natürlich immer schauen, dass es im Budget bleibt. Und möchten auch größtenteils lokal und regional bleiben.
Von Hip-Hop und Hard Rock über Polka bis zu klassischen Top-40-Coverbands versuchen wir immer Abwechslung ins Bühnenprogramm zu kriegen. Es gibt keine Musikrichtung, die wir kategorisch ausschließen. Es sei denn, es melden sich Bands mit demokratiefeindlichen oder menschenverachtenden Inhalten. Da achten wir schon drauf.
Beliebt sind natürlich Coverbands, die mit bekannten Songs für Stimmung sorgen. Wir möchten aber auch Acts mit eigener Musik und Texten und speziell jungen Künstler:innen die Chance geben. Als Musiker liegt mir das sehr am Herzen, sie zu fördern und ihnen die Aufregung zu nehmen. Jeder Act hat mal klein angefangen. Wir möchten da für eine Wohlfühlatmosphäre sorgen.
Welche Bedeutung hat das Altstadtfest für die lokale Musikszene, was darf sich in Zukunft vielleicht ändern?
Stadtfeste haben den Ruf, es dürften nur Coverbands spielen. Dem wollen wir entgegenwirken. Wir wollen Bands und Künstler:innen mit eigenen Songs auch die Möglichkeit geben, in den Abendslots zu spielen. Wenn wir sehen, jemand kam vor zwei, drei Jahren gut an, vergeben wir einen besseren Slot bei der nächsten Bewerbung. Man muss natürlich immer verschiedene Interessengruppen beachten. Doch ich sehe es auch, wie befreundete Bands häufig nur die Nachmittagsslots bekommen. Und wir möchten regionalen Bands das Gefühl geben, dass sie für einen tollen Auftritt belohnt werden und im Spielplan klettern können.