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Zwischenfazit zur Hinserie: So schneiden die Ligen ab - Welche Konzepte im Amateurfußball haben gefruchtet – und welche nicht

Jens Neumann Veröffentlicht am 20.11.2020
Zwischenfazit zur Hinserie: So schneiden die Ligen ab - Welche Konzepte im Amateurfußball haben gefruchtet – und welche nicht

Eine Wertung nur nach der Hinrundentabelle wäre fair – und würde für Oberligist MTV Gifhorn den Klassenerhalt bedeuten.

Foto: Sebastian Priebe/regios24

Eine Sportart, drei Ebenen – drei unterschiedliche Wege: König Fußball hat in unserer Region vor dem Saisonstart verschiedene Varianten gewählt, wie seine Regentschaft die Corona-Krise möglichst schadlos überstehen kann. Und mit dem „Lockdown light“, ausgelöst durch die zweite Welle, zeigt sich nun, welcher Weg wohl der richtige war. Oder anders gesagt, wer seine Hausaufgaben ordentlich gemacht hat und eine entsprechend gute Note verdient.

Eines haben alle gemeinsam: Weder auf Verbands- noch auf Bezirks- oder Kreisebene rollt das Leder noch im November. Bis mindestens Monatsende bleiben die Sportanlagen geschlossen – für die Amateurfußballer ruht das runde Leder im Spiel-, aber auch im Trainingsbetrieb. Fraglich ist nur noch, ob es zumindest auf Verbandsebene im Dezember noch einmal rundgeht und der MTV Gifhorn dort in der Oberliga womöglich noch einen Kaltstart hinlegen muss.

Die Verbandsebene

Auf seiner Ebene hat der Niedersächsische Fußballverband (NFV) beschlossen, die – nach dem Corona-bedingten Saisonabbruch im Sommer 2020 – auf 20 Mannschaften angewachsene fünfthöchste deutsche Spielklasse in zwei Staffeln mit je zehn Teams zu splitten. Aufgeteilt wurden diese Staffeln nach den Bezirksgrenzen, der MTV Gifhorn geht in der Oberliga Hannover/Braunschweig auf Punktejagd und hat dort – so sah es die Planung vor – neun Vorrunden- und neun Rückrundenspiele zu absolvieren.

Nach diesen 18 Begegnungen soll die Liga erneut geteilt werden: Die Mannschaften, die auf den Plätzen 1 bis 5 liegen, nehmen ihre bisher erzielten Ergebnisse gegen die Konkurrenz mit in eine Aufstiegsrunde und treten dort gegen die fünf Top-Teams der Oberliga Lüneburg/Weser-Ems an. Am anderen Ende der Tabelle spielen die Teams, die im Endklassement der Staffeln auf den Plätzen 6 bis 10 geführt werden, im gleichen Modus die Absteiger aus. Zehn weitere Partien kämen somit hinzu, macht summa summarum 28 Saisonspiele – und somit immerhin noch zehn Begegnungen weniger als in einer 20er-Staffel.

Durch den Lockdown light hat der SSV Kästorf bereits jetzt Winterpause.

Foto: Sebastian Priebe/regios24

So weit, so gut. Doch selbst bei 28 Spielen war der Zeitplan durch den späten Saisonstart Anfang September schon sehr eng gestrickt, die Partien der Vor- und Rückrunde sollten bereits am 14. Februar 2021 abgeschlossen werden. Nun wurden Corona-bedingt vier Spieltage abgesetzt, die Nummern 5 und 6 dürften im Dezember folgen. Dass diese Spiele allesamt im Zeitrahmen nachgeholt werden können, scheint ausgeschlossen – eine Wertung nach der Hinrundentabelle wäre die logische und auch die einzig sportlich faire Lösung, für die es im Zeugnis insgesamt eine
3 geben dürfte.

Und es wäre eine Lösung, die ganz nach dem Geschmack des MTV Gifhorn wäre: Denn durch den 2:0-Sieg bei der SVG Göttingen in der letzten Partie vor dem „Lockdown light“ schoben sich die Schwarz-Gelben noch auf den vierten Tabellenplatz vor – und wären damit im Falle einer vorgezogenen Wertung in der Aufstiegsrunde dabei. Oder anders gesagt: Sie hätten ihr Ziel, den Klassenerhalt, bereits vorzeitig in der Tasche und damit Planungssicherheit.

Die Bezirksebene

Sowohl die Landesliga als auch die Bezirksligen hat der NFV-Bezirk Braunschweig jeweils geteilt – maximal zehn Mannschaften sind pro Staffel vertreten. Unsere hiesigen Landesligisten SSV Kästorf, SV GW Calberlah und MTV Isenbüttel haben im Norden somit nur 18 Saisonspiele zu bestreiten, maximal ein Relegationsspiel kann noch hinzukommen. Und auch in den Bezirksligen sieht es in dieser Hinsicht gut aus für die SV Gifhorn, den MTV Gamsen, VfR Wilsche-Neubokel und Co: Sie werden ebenfalls nicht mehr Begegnungen bestreiten müssen.

Keine Frage: Der NFV-Bezirk hat mit den kleineren Staffeln alles richtig gemacht für den Fall, dass die Corona-Pandemie zu weiteren Spielabsetzungen führen wird. Allerdings haben sich die Verantwortlichen mit einer 3+ oder einer 2- nicht zufriedengeben wollen, sondern wollten mit aller Macht noch ein Einserkandidat werden. Sie wollten auch von denjenigen eine gute Note bekommen, die im Vorfeld geschimpft hatten: „16 oder 18 Saisonspiele – das ist doch ein Witz. Da haben wir ja mehr Vorbereitungswochen als Spiele.“

Also wählte der Bezirk einen neuen Weg, blähte seinen sonst im K.-o.-Modus ausgetragenen Bezirkspokal auf, ließ sechs Vorrundenspiele im Gruppenmodus vor dem Punktspielstart austragen – und verlor damit wertvolle Zeit. Der gesamte September wurde dem Pokal eingeräumt, der für die meisten Teilnehmer nur noch eine unnötige Belastung war, auf die er gut und gerne hätte verzichten können. So wie der TuS Neudorf-Platendorf beispielsweise, der aufgrund von Personalproblemen zu den letzten beiden Spielen gar nicht mehr antrat.

Die Punktspiele begannen erst im Oktober – und nach der erneuten Corona-Zwangspause verabschiedeten sich viele Mannschaften mit lediglich drei (!) Partien in die Winterpause. Ihnen drohen Englische Wochen im Falle des Re-Starts, eine Wertung ist dagegen schlichtweg unmöglich. Und statt einer 3+ oder einer 2- erlebte der NFV-Bezirk so einen Notensprung in die falsche Richtung – auf dem Halbjahreszeugnis steht wahrscheinlich sogar eine 5!

Die Kreisebene

„Im Moment dürfen wir zu Recht sagen: Wir haben im Sommer mit dem Blick in unsere Glaskugel richtig gelegen“ – diese Worte von Timo Teichert, dem Spielausschuss-Vorsitzenden des NFV-Kreises Gifhorn machen deutlich, dass hier die mit Abstand beste Lösung gewählt wurde! Denn während der Verband und der Bezirk nun reichlich Kopfschmerzen bekommen könnten, wie die Saison denn möglichst schadlos zu überstehen ist, lehnen sich Timo Teichert und Co relativ entspannt zurück. „Wir sind mit einem leichten Lächeln durch die erneute Corona-Zwangspause gekommen.“

Ja, auch der NFV-Kreis Gifhorn hatte sich – obwohl die Fahrten hier im Vergleich zu den höheren Ligen kurz sind – dazu entschieden, seine Staffeln zu teilen und beispielsweise in der Kreisliga nur mit 8er-Staffeln spielen zu lassen, die obendrein noch regional eingeteilt wurden. „Wie? Wir haben nur 14 Saisonspiele?“ Auch der Gifhorner Spielausschuss bekam diesen Satz mehrfach zu hören. „Wir wussten, dass es ,Motzkis’ geben wird. Die Planungen im Vorfeld waren wirklich eine Herausforderung, sie haben echt Nerven gekostet. Wir haben zwei Sitzungen gebraucht, um alles zu diskutieren. Wir haben das Für und Wider durchgekaut – und waren der Meinung, dass eine zweite Welle kommen wird. Wir haben uns dann gesagt: Wir verschaffen uns so Zeit für den Fall der Fälle“, betont Timo Teichert. Deswegen wurde auch nur eine einfache Pokalrunde gespielt und die Saison bereits im September gestartet.

Die „Motzkis“ sind längst verstummt – aus ihnen sind inzwischen Schulterklopfer geworden, die gespannt in die Nachbarkreise Wolfsburg und Helmstedt schauen, die ihre Staffeln nicht geteilt haben und nach Lösungen suchen müssen, wie sie ihre ganzen Partien – mehr als zwei Drittel sind hier noch offen – über die Bühne bekommen können. Der NFV-Kreis Gifhorn geht dagegen mit nur wenigen Nachholspielen in die zweite Saisonhälfte, die erst Mitte April 2021 fortgesetzt wird.

Wer ein Referat hält und mit seinen Argumenten überzeugt, der macht es eben sehr gut! Und deshalb gibt es eine 1 für den NFV-Kreis Gifhorn, der seine Aufgabe mit Bravour gemeistert hat.

Fußball-Zeugnis

Die Verbandsebene:

Zwei Staffeln, eine Auf- und Abstiegsrunde, 28 statt 38 Spiele – der NFV hat den Spielplan zwar mächtig straff durchgetaktet. Eine sportlich faire Lösung wäre durch eine Wertung nach der abgeschlossenen Hinrunde jedoch möglich, bevor es direkt mit Auf- und Abstiegsrunde weitergeht. Nicht gut, aber zumindest: befriedigend! Note 3!

Die Bezirksebene:

Geteilte Staffeln, maximal 18 Spiele – ein wirklich guter Ansatz, der durch den vorgeschalteten, aufgeblähten Bezirkspokal und den dadurch extrem späten Saisonstart kaputt gemacht wurde. Teilweise haben Teams erst drei Punktspiele bestritten – eine Wertung ist unmöglich, unnötige Englische Wochen werden kommen und für weiteren Frust bei den Fußballern sorgen. Das ist mangelhaft! Note 5!

Die Kreisebene:

Geteilte Staffeln, maximal 14 Spiele – eine einfache Pokalrunde und viel, viel Luft im Spielplan, trotz Corona-bedingter Ausfälle! Mit viel Weitsicht und einem guten Gespür für die Situation haben die Verantwortlichen im Kreis Gifhorn diese schwierige Saison geplant und sich auch von kritischen Stimmen nicht beirren lassen. Wirklich: sehr gut! Note 1!