Mensch & Umwelt

Wo die Larven im Boden sind, ist der Sportplatz schnell hin - Uwe Beckmann ist Platzwart beim MTV Gifhorn und hat den Kampf mit den Krähen aufgenommen

Jens Neumann Veröffentlicht am 08.10.2021
Wo die Larven im Boden sind, ist der Sportplatz schnell hin - Uwe Beckmann ist Platzwart beim MTV Gifhorn und hat den Kampf mit den Krähen aufgenommen

Ein übermächtiger Gegner für den MTV Gifhorn: Erstaunliche Kondition und Schnelligkeit bewiesen die Krähen beim Zerhacken des Rasenplatzes.

Foto: Steve Smith (Unsplash)

Alles Gute kommt von oben, zumindest sprichwörtlich. „Von wegen!“ So könnte in diesen Tagen kurz und bündig die Antwort der Verantwortlichen des MTV Gifhorn lauten. Denn das, was da von oben kam, war alles andere als gut: Krähen richteten immer wieder große Schäden auf dem Rasenplatz im GWG-Stadion an der Flutmulde an – und sorgten sogar dafür, dass die Oberliga-Fußballer der Schwarz-Gelben einmal ihr Heimrecht tauschen mussten.

Wenn man es sportlich betrachten würde, könnte man sagen: Dieser Gegner war einfach übermächtig, den Gastgebern fehlten schlichtweg die Mittel, um ihn aufzuhalten. Die schwarzen Vögel spielten in Überzahl und nutzten diese geschickt und eben auch konsequent aus, um den Rasen immer mehr zu zerhacken. Sehr zum Leidwesen von Uwe Beckmann, dem MTV-Geschäftsführer und Platzwart in Personalunion.

„Wir haben das Problem schon vor den ersten beiden Saison-Heimspielen gehabt“, berichtet Uwe Beckmann und fügt an: „Da haben wir schon Hunderte von kleinen Rasenstücken ausgestochen und wieder eingesetzt.“ Vor der dritten Partie, die vor heimischer Kulisse stattfinden sollte, reichte selbst das nicht mehr: Die Krähen hatten für dieses Mal gewonnen, der MTV Gifhorn musste unplanmäßig auswärts beim SV Arminia Hannover antreten.

Bleiben wir sportlich, zumindest, was die Sprache angeht. Die schwarzen Vögel hatten – sozusagen in bester Torjägermanier – den richtigen Riecher bewiesen und waren zur Stelle. Nicht auf der Jagd nach Toren und Punkten, aber auf der Suche nach Futter, weit unten im Boden. „Die Krähen riechen die Larven der Wiesenschnaken, die sehr eiweißreich sind, sogar durch die Grasnarbe“, erklärt Uwe Beckmann, warum sich die Vögel gleich in Scharen auf den Rasen stürzten und mit ihren Schnäbeln den Platz zerhackten.

„Krähen sind intelligente Tiere ohne Scheu. Sie riechen die Larven der Wiesenschnake, die sehr eiweißreich sind, sogar durch die Grasnarbe.“
Uwe Beckmann, Geschäftsführer und Platzwart des MTV Gifhorn in Personalunion

Foto: Privat

Dabei bewiesen die Krähen eine erstaunliche Kondition und Schnelligkeit zugleich. „Wir haben die Löcher gestopft, dem Platz den Rücken zugedreht – und wieder war er hin“, macht Uwe Beckmann deutlich, in welchem Tempo die Vögel auf der Jagd nach ihrem Futter zur Sache gingen. Immer und immer wieder – und immer an den gleichen Stellen – machte Beckmann das Tatmuster aus. „Wir haben die Flächen dort tief ausgegraben und die Larven im Boden gefunden.“

Sie waren der Auslöser, die Krähen der Übeltäter. Die Löcher im Boden mussten mit neuem Sand, der eigens angemischt wurde, aufgefüllt werden, damit Rollrasen verlegt werden konnte, der jedoch erst noch anwachsen musste.

Doch damit nicht genug: Experten aus dem Sportplatz-Bau machten sich vor Ort ein Bild, ebenso wie Schädlingsbekämpfer. Zudem holten sich die Schwarz-Gelben auch Ratschläge beim Städtischen Bauhof ein. „Wir behandeln jetzt biologisch mit sogenannten Nematoden“, berichtet Uwe Beckmann. Das sind Fadenwürmer, die als natürliche Gegenspieler der Larven eingesetzt werden und diese „auf natürliche Weise“ bekämpfen.

Die Larven waren die Ursache, die Krähen die Übeltäter.

Foto: Pixabay

Nach dem Heimrechttausch bekamen die Gifhorner ihren Rasen zum NFV-Pokalspiel gegen Lupo Martini gerade noch fit, mussten dafür aber ein wahres Mammutprogramm abspulen. „Wir waren mit zwei Mann vier Tage hintereinander im Einsatz – jeweils etwa sieben Stunden am Tag“, zeigt Uwe Beckmann auf, wie viel Arbeit nötig war, um den Platz wieder spielfähig zu machen.

Und auch die Nematoden machten ihren Job im Boden, erste Erfolge waren zu erkennen. Doch zum Sieg gegen die Vögel reichte es noch nicht. „Ein wenig haben die Krähen nach dem Lupo-Spiel noch gehackt. Markus Meyer musste danach noch mal circa 50 Stück Rasen ausstechen und wieder einsetzen“, unterstreicht der MTV-Platzwart. „Krähen sind eben intelligente Tiere ohne Scheu und nicht dauerhaft zu vertreiben.“

Gründe für das tierische Problem gebe es viele aus Sicht von Uwe Beckmann. Zum einen sei es der Witterung geschuldet – es war warm, es war feucht, der letzte „ordentliche Bodenfrost“ sei verdammt lang her. Zum anderen kämen noch Einflüsse durch Müll hinzu. „Essensreste, die einfach so weggeworfen werden, oder in den Mülltonnen liegen, bieten für die Tiere hervorragende Möglichkeiten und locken die Krähen zusätzlich an. Also ist nicht nur die Natur, sondern auch der Mensch verantwortlich“, meint Uwe Beckmann.

Fürs kommende Jahr hat der MTV-Platzwart bereits seine ersten Lehren gezogen. „Wir werden im Frühjahr viel Kalkstickstoff auf den Rasen bringen müssen. Ansonsten haben wir ein tierisches Problem.“ Denn nicht alles Gute kommt von oben...