KURTs Gastro-Serie

Umaya: Ein schmackhafter Hauch von "Lost in Translation"

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 20.08.19
Umaya: Ein schmackhafter Hauch von

Genuss-Schreiber Malte taucht die Kappa Maki in Sojasauce – das Hantieren mit Stäbchen fällt ihm aber schwer.

Foto: KURT

Für ihr zweites gemeinsames Abendessen im Rahmen von KURTs Gastro-Serie waren Genuss-Schreiber Malte und seine Begleitung im japanischen Restaurant Umaya an der Braunschweiger Straße in Gifhorn. Fernab des Buffets, was man dort kosten darf, entschieden sich die beiden für eine bunte Mischung aus klassischer japanischer Küche, die den Genießer zu wilden Phantasien angeregt hat...

In dem Film „Lost in Translation“ von Sofia Coppola treffen sich Bob (Bill Murray) und Charlotte (Scarlett Johansson) eines späten Abends in der Hotelbar. Charlotte wird von einem Bediensteten an einen Platz begleitet, direkt daneben sitzt Bob, der Suntory Whisky trinkt. Es ist der Whisky, für den er in Tokio kleine Werbefilmchen drehen soll – er, der etwas ausgediegene Hollywood-Schauspieler. Die großen Tage sind gezählt, wenn nicht gar vorüber, die Ehe liegt in Scherben und er nachts wach, allein, in seinem Hotelzimmer, mit einem Jetlag, auch vom Leben. Die junge Charlotte, gerade ein Studium der Philosophie abgeschlossen, begleitet ihren Gatten, einen gefragten Rock-Fotografen, nach Tokio, windet sich tagsüber verloren in ihrem endlosen Bett, schaut auf der Fensterbank sitzend aus dem tausendsten Stock hinab auf das ameisige Gewusel und rückt in einem Hotel-Kursus Blumen in einer Vase zurecht. Später, an der Hotelbar, bestellt sie einen Wodka Tonic.

In dem Film „Lost in Translation“ von Sofia Coppola treffen sich Bob (Bill Murray) und Charlotte (Scarlett Johansson) eines späten Abends in der Hotelbar. Charlotte wird von einem Bediensteten an einen Platz begleitet, direkt daneben sitzt Bob, der Suntory Whisky trinkt. Es ist der Whisky, für den er in Tokio kleine Werbe-
filmchen drehen soll – er, der etwas ausgediegene Holly-
wood-Schauspieler. Die großen Tage sind gezählt, wenn nicht gar vorüber, die Ehe liegt in Scherben und er nachts wach, allein, in seinem Hotelzimmer, mit einem Jetlag, auch vom Leben. Die junge Charlotte, gerade ein Studium der Philosophie abgeschlossen, begleitet ihren Gatten, einen gefragten Rock-Fotografen, nach Tokio, windet sich tagsüber verloren in ihrem endlosen Bett, schaut auf der Fensterbank sitzend aus dem tausendsten Stock hinab auf das ameisige Gewusel und rückt in einem Hotel-Kursus Blumen in einer Vase zurecht. Später, an der Hotelbar, bestellt sie einen Wodka Tonic.

Mochi: Das typisch japanische Dessert wird eigentlich an Neujahr verzehrt. Wir gönnten uns die kleinen eisgefrorenen Kugeln mitten im Sommer – und können sie nur empfehlen.

Foto: KURT

Wir lassen uns die Karte kommen und inspizieren genau, was es werden soll. Meine Begleitung und ich einigen uns auf zwei Bento Boxen jeweils mit Udon-Nudeln in gebratenem Gemüse, zwei Riesengarnelen, drei Frühlingsrollen und sechs Kappa Maki, wobei meine Begleitung die Riesengarnelen gegen Gemüsekroketten tauscht. Damit entscheiden wir uns nachdrücklich gegen das Buffet, da wir uns einig sind, dass es zu einer Lokalität dazugehört, sich an der Menü-Karte abzuarbeiten. Der junge Kellner ist mit unserem Hochdeutsch zwar nicht vollends vertraut, das macht aber nichts. Seine charmante Art und die furchtlose Ins-kalte-Wasser-gestoßen-worden-Mentalität imponieren sehr.

Was mir auch imponiert, ist der Plastikbaum einer japanischen Nelkenkirsche, der sich hinter meiner Begleitung auftürmt. Da es noch früh am Abend ist und der Tag sonnig, ist die weihnachtliche Lichterkette an ihm leider ausgeschaltet. Das allgemeine Ambiente wiederum ist hell, vornehm einladend, im Hintergrund läuft Late-Night-Jazz vom Band. Wie in „Lost in Translation“, denke ich mir wieder. Bloß dass da eine Band spielt.

Wir können es kaum erwarten, dass unser Essen kommt, und als es dann nach kurzer Dauer da ist, arbeiten wir uns abwechselnd durch die einzelnen Fächer, die unsere Portiönchen in der Bento Box voneinander teilen. Ich habe so meine Probleme, die Garnele zu schälen, bin aber auch zu schüchtern, um nach wirklicher Hilfe zu fragen, weshalb sich Gäste mit ratlosen Gesichtern nach mir umdrehen.

Die Udon-Nudeln gefallen mir als Sattmacher, während das Drumherum als Zwischendurch immer eingeschoben wird. Der große Vorteil meiner Begleitung besteht ohne Zweifel darin, dass sie mit Stäbchen essen kann, weshalb die Nudeln für sie auch keine Hindernisse mit sich bringen. Ganz eurozentristisch wechsele ich also auf eine Gabel und komme mir dabei vor wie ein Neandertaler. Immerhin unser angeregtes Gespräch über die Missbrauchsvorwürfe gegen den US-Schauspieler Kevin Spacey, die scheinbare Liberalisierung der sogenannten westlichen Gesellschaft und die (un)mögliche Trennung von Kunst und Künstler vermittelt den weiteren Gästen im Raum, dass in meinem Kopf überhaupt etwas Homosapienshaftes vorzugehen vermag.

Die Bento Box präsentiert die einzelnen Portiönchen in kleinen Fächern – darunter auch zwei Riesengarnelen.

Foto: KURT

Ich widme mich den Frühlingsrollen, die ein absoluter Evergreen sind. Man darf sich da nicht täuschen lassen, »
» denn fernab ihres Namens sind sie zu jeder Jahreszeit der korrekte Last-Way-Out, wenn man mal nicht weiter weiß. Dasselbe gilt für Sushi: Die schier endlosen Kombinationsmöglichkeiten erlauben solides Wie-Immer, doch im Grunde sind der Neugierde keine Grenzen gesetzt. Auch deswegen bin ich ein Fan dieser Bento Box, die in verschiedenen Variationen angeboten wird und damit als ein Spiel zwischen Basics und New Kitchen verstanden werden darf.

Zum Nachtisch suchen wir uns verschiedene Mochis in den Geschmacksrichtungen Vanille, Schokolade, Cheesecake und Matcha aus, die eisgefroren ein wohltuender Kontrast zum Hauptgang sind; ein typisch japanisches Dessert, das an Neujahr verzehrt wird. Die Portionen sind nicht sonderlich groß, aber es gibt auch nichts Schlimmeres als einen Nachtisch, der seine Rolle völlig überschätzt.

Als wir das Umaya verlassen, ziehen langsam aber sicher Wolken auf, ein Schauer bahnt sich an. Am Ende von „Lost in Translation“ hastet Bob noch einmal hinter Charlotte hinterher, die mit einem durchsichtigen Regenschirm durch Tokio watet. Er gibt ihr einen zarten Kuss, der erste und einzige zwischen ihnen.