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Super Oma, die Zweite: Besuch bei den Klawitters

Redaktion Veröffentlicht am 21.11.19
Super Oma, die Zweite: Besuch bei den Klawitters

Oma Klawitter zusammen mit Schwiegertochter Sandra (links), Tochter Petra (2. von rechts) und Enkelin Jette.

Foto: Çağla Canıdar

Alle Omas sind Super-Omas! Margarete Klawitter belegte bei dem Wettbewerb „Gifhorn sucht die Super-Oma“, den die Gifhorner Stadthalle und KURT zusammen ausriefen, den zweiten Platz. Super-Oma Bärbel Kessler stellten wir Euch bereits im vergangenen Monat vor – nun wollten wir auch die starke Zweitplatzierte kennenlernen, die ebenfalls von der Jury ausgewählt wurde und in der Voting-Gunst auch ganz weit oben stand. An einem kühlen, verregneten Herbsttag machten sich Çağla Canıdar und Sophie Isabell Bremer vom KURT-Team auf den Weg zu ihr.

Wir werden in einem schmucken, weißen Fachwerkhaus umgeben von viel Grün im wäldlichen Gifhorner Ortsteil Winkel willkommen geheißen. Margarete (79), ihre Tochter Petra (49) und ihre Schwiegertochter Sandra (46) sowie Enkelin Jette (12) erwarten uns im Klawitterschen Wohnzimmer munter. Ruckzuck finden wir am großzügigen Esstisch Platz und werden zu Ölgebäck, Kaffee und Tee eingeladen. Das Haus von Margarete und ihrem Mann ist mit schönen Holzmöbeln, bunter Herbstdeko und alten, eingerahmten Fotografien eingerichtet. Sogar Erdbeeren aus dem Garten finden sich auf dem Wohnzimmertisch wieder – neben einer waschechten Kürbis-Vase.

Beim Fotoshooting wird zunächst am Wohnzimmertisch posiert. Fröhlich geht‘s daher – Oma Klawitter lacht: „Uns geht‘s ja gut, da können wir ja lächeln.“ Für das zweite Motiv geht‘s in die Küche, wo die Oma und ihre Enkelin Jette stolz das Ölgebäck präsentieren, das sie zusammen gebacken haben. Tatsächlich hat Oma Klawitter insgesamt neun Enkelsöhne und Enkeltöchter: Philemon (21), Johanna (20), Natalie (19), Ole (18), Ruben (17), Maja (15), Piet (13), Jette und Jons (11). Die fünfzehnjährige Maja hat ihre Großmutter für „Gifhorn sucht die Super-Oma“ nominiert, kann aber leider nicht dazukommen, da sie krank ist.

„Ich war sehr überrascht, als ich von der Nominierung erfuhr“, erinnert sich Margarete. „Aber ich wusste ja, dass die Kinder mich lieb haben...“ Als die Enkel noch klein waren, passte Oma Klawitter vor allem auf Ruben und Philemon auf, als die Mutter arbeiten ging. „Als sie zurückkehrte, sangen wir ‚Jetzt kommt die Mama!‘ und klatschten uns auf die Schenkel“, erzählt Margarete lachend. Mit einem gemeinsamen Lied brachte sie dem Ältesten, Philemon, spielerisch das Einmaleins bei – und zur Belohnung gab‘s 2 Euro, wenn er es richtig aufsagte. „Ich habe halt so meine Tricks“, zwinkert die Oma.

Über die frühen Erziehungstage sagt sie: „Es war oft schwer, aber genauso war es schön.“ Ihre Tochter Petra weiß: „Oma braucht Leute um sich.“ Dieser Wunsch lässt sich an Petras Geburstag am ersten Weihnachtsfeiertag bestens verwirklichen: Immer am 25. Dezember kommen alle 19 Verwandten zusammen und feiern gemeinsam Weihnachten. Dazu gehören natürlich alle vier Kinder der Klawitters – Andrea (51), Carmen (50), Petra (49) und Michael (44) – sowie ihre jeweiligen Partner. Als Festmahlzeit gibt‘s Heidschnucke oder Ente.

Lieblingstradition: Gemeinsam backen Oma Klawitter und Enkelin Jette gerne. Für das KURT-Team gab‘s leckeres Ölgebäck.

Foto: Çağla Canıdar

Auch außerhalb der Familie stellt Oma Klawitter ihre fürsorgliche Ader unter Beweis: So besucht sie ältere Menschen im Christinenstift, darunter eine Dame, die Margarete früher viel geholfen hat, als ihre eigenen Kinder noch klein waren. Denn Oma Klawitter ist überzeugt: „So wie man reinruft, so schallt es auch raus.“ Mittlerweile fährt Philemon sie und ihren Mann im Auto, wenn‘s mal wohin gehen soll. Tochter Petra stimmt lachend zu: „Das ist keine schlechte Investition.“

Die Erziehung der eigenen Eltern hatte einen etwas anderen Einfluss auf Margarete.: „Meine Eltern waren sehr streng“, erinnert sie sich. „Wenn ich ausgehen wollte, hieß es auf einmal, ich müsse arbeiten. Da war ich immer stinksauer.“ Dennoch habe sie viel gelernt im Elternhaus. Die Strenge habe sie in der Erziehung der eigenen Kinder und Enkel jedoch abgelegt: „Wenn ein Kind zum Beispiel etwas nicht aufessen will, was es auf dem Teller hat, dann ist das auch okay so.“

Gut eine halbe Stunde ins Gespräch vertieft, stößt Enkelin Natalie unerwartet zu uns. Die 19-jährige Fahrzeugsattlerin kommt von der Arbeit. Oma Klawitter gibt den Anstoß, sie solle uns doch ein Foto des selbstgenähten Fahrzeugsessels von ihrer Abschlussprüfung zeigen. Die Fertigstellung habe ganze 16 Stunden gedauert! Uns wird sofort klar: Da schwingt enormer Stolz mit. Oma Klawitter weiß die Erfolge ihrer Enkel mehr als zu schätzen: „Das geht immer runter wie Sahne!“, lacht sie. „Die Kinder sind alle wunderbar gelungen.“

Einen Ratschlag gibt Oma Klawitter ihren Enkelkindern stets mit auf den Weg: „So wie sie behandelt werden möchten, sollen sie auch andere behandeln.“ Und auch das ansprechen, was ihnen nicht gefällt. Oma Klawitter folgt dem christlichen Glauben und lies sich im Alter von 27 Jahren großtaufen. Den Glauben vermittelte sie auch an ihre Kinder. Es sei ihr vor allem wichtig, dass ihre Kinder und der jeweilige Partner oder die Partnerin zueinanderhalten. „Ich bin froh, dass sie alle einen guten Weg gewählt haben.“

Oma Klawitter freut sich riesig über den Überraschungsbesuch ihrer 19-jährigen Enkelin Natalie.

Foto: Çağla Canıdar

Die Gifhornerin stammt gebürtig aus Schlesien und flüchtete während des Krieges. Sie ging in Wolfsburg zur Schule, ihr Vater fand Arbeit bei Volkswagen. 1983 zogen ihr Mann und sie dann ins Gifhorner Weilandmoor. „Als Frau eines selbständigen Handwerkers hat sie nicht nur vier Kinder großgezogen, sondern auch im Betrieb mitgeholfen, hatte Federvieh und einen großen Gemüsegarten“, schrieb Maja in ihrer Nominierung für den Wettbewerb.

Bei den vier eigenen Kindern sollte es nicht bleiben: „Immer wieder kam das Ultraschallbild“, lacht Margarete. „Familie, das war mein Auftrag.“ In der Familie sei es wichtig, Verantwortung zu übernehmen und sich auch zu entschuldigen, wenn man etwas Unrechtes getan hat.

Oma Klawitter freut sich bereits auf den Besuch von Enkelin Johanna, die in Kaiserslautern wohnt. Und auch die Gifhorner Enkelinnen kommen immer wieder gerne vorbei: „Omas Haus ist wie ein zweites Zuhause für mich“, verrät Natalie. Denn auch wenn die Enkelkinder schon berufstätig oder in der Ausbildung seien, „ich bin und bleibe die Großmutter“, erklärt Oma Klawitter stolz. Zu Recht.