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Späte Ehre für Nazi-Opfer: Gifhorns Boxmühle heißt jetzt Johann-Trollmann-Halle

Bastian Till Nowak, Çağla Canıdar Veröffentlicht am 01.11.19
Späte Ehre für Nazi-Opfer: Gifhorns Boxmühle heißt jetzt Johann-Trollmann-Halle

Gifhorns Boxmühle heißt jetzt Johann-Trollmann-Halle: Der Vorsitzende des Boxclubs Gifhorn Werner Kasimir (von links), Diana Ramos-Farina, Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich und Alfonso Ramos-Farina enthüllten das neue Namensschild.

Foto: Çağla Canıdar

Für acht Tage war der in Wilsche geborene Johann „Rukeli“ Trollmann Deutscher Meister im Halbschwergewicht. Dann wurde dem Sinto von den Nationalsozialisten der Titel aberkannt. 1944 starb er im Außenlager Wittenberge des Konzentrationslagers Neuengamme. Die Geschichte ist kaum bekannt – das soll sich nun ändern. Dazu hat die Gifhorner Stadtverwaltung die Boxmühle im Cardenap 2-4 ganz offiziell in Johann-Trollmann-Halle umbenannt. Alle Bürgerinnen und Bürger waren dazu eingeladen. Bürgermeister Matthias Nerlich hat das neue Schild mit dem Namensschriftzug enthüllt - auch der Großneffe von Johann Trollmann, Alfonso Ramos-Farina, und die Urgroßnichte , Diana Ramos-Farina, waren dabei.

Johann "Rukeli" Trollmann kam am 27. Dezember 1907 in Wilsche zur Welt und wuchs in Hannover auf. Schon früh zeigte sich sein Box-Talent. Er war der Publikumsliebling, doch 1928 kam die erste große Enttäuschung: Statt Rukeli wurde ein ihm unterlegener Kontrahent für die olympischen Spiele nominiert. Mit der Machtübernahme der NSDAP im Januar 1933 begannen die Diffamierungen gegen den als „undeutsch“ und „Zigeuner“ verunglimpften Boxer, der mittlerweile als Profi im Ring stand. Sein Sieg am 9. Juni 1933 gegen Adolf Witt machte ihn zum Deutschen Meister im Halbschwergewicht – acht Tage nach dem Kampf wurde ihm der Titel jedoch aberkannt.

Eine Aufnahme von 1928: Johann "Rukeli" Trollmann als Norddeutscher Meister der Amateure beim Verein "Herus" in Hannover.

Foto: Gemeinfrei

Rukeli Trollmann hielt sich dann als Jahrmarkt-Boxer über Wasser. Aus Protest gegen rassistische Schikanen erschien er bei seinem letzten Kampf mit blond gefärbtem Haar und weiß gepuderter Haut im Ring und ließ sich blutig prügeln. 1938 wurde Rukeli ins Arbeitslager Hannover-Ahlen verschleppt, wurde zwangssterilisiert, musste in der Wehrmacht kämpfen und wurde an der Ostfront verwundet. Nach dem Ausschluss aus der Wehrmacht landete er im KZ Neuengamme, wo er abends nach der Zwangsarbeit gegen SS-Männer boxen musste. Er wurde von Mithäftlingen ins Nebenlager Wittenberge geschmuggelt, musste dort aber wieder kämpfen. Nach dem Sieg gegen einen Kapo erschlug ihn dieser hinterrücks.

Im Jahr 2003 hat der Bund Deutscher Berufsboxer Rukeli Trollmann den Deutschen Meistertitel nachträglich zuerkannt. In Hannover wurde im August 2004 ein Weg nach ihm benannt. Und jetzt - am 1. November 2019 - wurde die Boxmühle in Gifhorn in Johann-Trollmann-Halle umbenannt. Außerdem soll in einem Neubaugebiet in Wilsche auch noch eine Straße nach ihm benannt werden.