KURTs Gastro-Serie

KURT-Feinschmecker Malte führt uns auf den Gifhorner Weihnachtsmarkt

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 13.12.2019
KURT-Feinschmecker Malte führt uns auf den Gifhorner Weihnachtsmarkt

Erstmal einen Gühwein: KURT-Genießer Malte wärmt sich für den kulinarischen Weihnachtsmarkt-Test auf.

Foto: KURT Media

Fernab der kleinen Restaurants, urigen Gaststätten, hell erleuchteten Cafés und Bistros, der hoch frequentierten Imbisse und Grillstuben gibt‘s in Gifhorn einen Ort, der zum Ende des Jahres hin mit einem ganz besonderen Angebot lockt: der Weihnachtsmarkt. KURT-Feinschmecker Malte zog diesmal deshalb durch die festlich geschmückte Innenstadt und gab sich dem adventlichen Treiben hin. Entlang der unzähligen Buden, die mit ihrem feinen Handwerk, der Glaskunst oder den Schneekugeln werben, entfaltet sich eine sorgenfreie Weihnachtswelt wie in einem Aufklapp-Kinderbuch.

Glühwein mit eingelegten Kirschen gibt es bei „Webers Spezialitäten“.

Foto: KURT Media

Selbst wenn man es wollte, könnte man es nicht leugnen: Im vorangeschrittenen Jahr, das irgendwo zwischen Heiligabend und Silvester seinen Kulminationspunkt findet, spielt der Weihnachtsmarkt eine unverkennbare Rolle. Sollte mir im Hochsommer jemand mit einer Packung Spekulatius und einer Tüte Zimtstangen kommen, würde ich die Person für verrückt erklären, vielleicht auch aus meinem Bekanntenkreis streichen. Gewisse Dinge ergeben nur zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Sinn. Hier aber nun, in der Gifhorner Innenstadt, will ich das alles haben und sehen und hören und riechen: Die komischen Plastik-Einhorn-Gehräder, das aufgedrehte Kind, das am Mantelzipfel der Mutter zieht und zerrt, Michael Bublés „Christmas“ aus den Boxen, Schokobananen am Spieß.

Meine Begleitung trifft mich auf dem Marktplatz, nur wenige Meter weiter erwartet uns die erste Pflichtaufgabe: „Webers Spezialitäten“. Von außen funkeln die roten Christbaumkugeln im Schein der Lichterketten, es sind Tannenbäume aufgestellt, Fähnchen weisen auf die Krakauer, Bratwürstchen und das Schaschlik hin, innen werden Sitzbänke angeboten, der Boden ist ausgelegt mit grünem Teppich, die Fassade sieht aus wie in einem Grimm‘schen Märchen. Herkömmlicherweise am City-Brunnen, nun also vor dem Kavalierhaus. Warum der Umzug? Das fragen sich auch die Stammkunden, meint der Betreiber während er uns zwei Kirschglühwein mit eingelegten Kirschen rührt. Konzepte und Pläne hätten sich geändert, das sei schade, im nächsten Jahr wolle er sich aber wieder für die alte Standfläche bewerben. Und die Feuerzangenbowle, wo ist die überhaupt geblieben? Musste wegen Auflagen weichen, sagt er. Aber auch da wolle er am Ball bleiben. Wir trinken unseren Glühwein aus und piksen fröhlich in die Kirschen.

Krosser Blumenkohl mit Kräutersauce.

Foto: KURT Media

Eine weitere Institution ist „Helgas Glühweinhütte“, die traditionell auf der Allerbrücke neben der Ziegenplastik steht. Ohne die beiden Betreiber Karin Kuznik und H1-Wirt Holger Hirsch wäre der Weihnachtsmarkt praktisch undenkbar. Egal, zu welcher Tageszeit man die Bude passiert, an den Stehtischen sammeln sich Grüppchen von Menschen, die sich eine kleine Auszeit genehmigen und ihre behandschuhten Hände an den heißen Tassen reiben. Met, Eierpunsch, Punsch alkoholfrei, Kakao mit Baileys oder ohne, Lumumba (auch mit Veterano) – das Sortiment stellt jeden Gast zufrieden. Meine Begleitung und ich entscheiden uns dagegen für einen Glühwein mit Amaretto, der nämlich bei „Helgas“ mit einigen Haselnüssen serviert wird. Laien picken sich die gerne als erstes aus der Tasse, doch der Kenner wartet bis zum Schluss, beißt dann in die leicht angeweichten Nüsschen, die mit ihrer rustikalen Note dem süßen Wein vorzüglich unter die Arme greifen. Ich treffe einen alten Schulkollegen, der frisch eine Prüfung absolviert hat. Gefeiert wird das hier bei „Helgas“ und ich stelle mir die rhetorische Frage: Ja, wo auch sonst?

Auch für die vegane Begleitung gab es was zu Essen: Gitterkartoffen mit Chilisauce und BBQ-Salz.

Foto: KURT Media

Nach zwei Glühwein und Schuss ploppt vor mir und meiner Begleitung hingegen eine ganz andere Frage auf: Wäre es nicht auch mal an der Zeit, was zu essen? Eine Basis, die sogenannte „Glühwein-Grundlage“ oder kurzschnell „Ge-Ge“ gesprochen, ist der beste Ratgeber. Somit schlendern wir weiter und versuchen – so ein bisschen angeschuppert – nicht im Kopfsteinpflaster hängenzubleiben. Geradewegs steuern wir auf die „Grüne Hütte“ hinzu, die eingekreist von Schütte, dem Tui-Reisecenter und dem Schuh-Outlet im Grunde nicht zu verfehlen ist. Hier warten köstliche Champignons, geschwenkt im Wok, und der gebratene Blumenkohl, den ich nun bestelle. Die Saucen-Auswahl ist ideal: Kräuter, Knoblauch oder Cocktail. Keine Experimente, kein Trara, einfach nur der krosse Blumenkohl, außen knackig, innen heiß (Vorsicht: Nicht die Zunge verbrennen!). Meine Begleitung, vegan unterwegs und deswegen bei meinem Kräutersaucen-Fetisch allenthalben zum Zuschauen verdammt, wird wiederum von „XXL Pommes“ gegenüber von Gmyrek angesprochen, hier sollen es die Gitterkartoffeln mit Chilisauce sein. Es ist eine große Portion, zwei Holzspieße bekommen wir gereicht, also darf ich auch ein wenig naschen. Den Unentschlossenen, die sich bei all der weihnachtlichen Kulinarik nicht entscheiden können, sei dieser Rückhalt ans Herz gelegt. Twister Pommes, Curly Fries, Pommes Spezial – wer wird da nicht glücklich? Auch hier ist die Saucen-Auswahl groß, dazu stehen verschiedene Salz-Sorten zur Debatte. Tipp: Hier auch mal mit den Kindern Halt machen. So was können Pommes nämlich auch.

Nach diesem Stärkebeilagen-Hauptgang zurück ins Leben, zurück ins Gedränge, zurück zum Heißgetränk. Im Wista-Wohnzimmer orientieren wir uns am Ausschank, dessen Besonderheit das Angebot aus Rot- und Weißwein mit Bio-Touch ist. Keine chemischen Pestizide, versichert mir die sehr gesprächige Dame hinter dem Tresen. Ich nicke und gestehe, bisher noch keinen normalen Wein als Glühwein erhitzt getrunken zu haben, ob das denn überhaupt üblich sei. Da, wo sie herkomme, nämlich vom südlichsten Zipfel der Pfalz, sei das gang und gäbe. 600 Kilometer wären sie zu uns in den Norden gefahren, der Stand wäre komplett neu und frisch und quasi in Erstnutzung, um hier ihren Wein anzubieten, sagt sie. Ich staune und bestelle für meine Begleitung einen Dornfelder Rot und für mich einen Cuvée Rouge, die Pfälzerin geizt nicht mit dem Amaretto, so dass mir nach dem dritten Schluck augenblicklich die Ohren glühen. Heißt ja nicht umsonst Glühwein, denke ich mir, während meine Begleitung von einer Frau für jemand anderes gehalten wird und großes Gelächter ausbricht.

Für die Mitbewohnerin gab es noch ein Lebkuchenherz von „Mandelpyramide“.

Foto: KURT Media

Nach der dritten Tasse stellt sich die Realität nun etwas anders da. Es ist Donnerstagabend, die ersten Buden haben jetzt bereits dicht gemacht, die Mengen lösen sich auf, Schüssel und Teller werden ein letztes Mal abgetrocknet, Öfen abgestöpselt, Michael Bublé hat ausgedient. Meine Begleitung und ich kundschaften den letzten Laden aus, es ist die „Mandelpyramide“ vor Becker, die Kleinigkeiten und Süßigkeiten verkauft. Ohne gebrannte Mandeln können wir den Weihnachtsmarkt nicht verlassen, sagt sie, und ich kaufe meiner Mitbewohnerin noch ein Lebkuchenherz, auf dem mit Zuckerguss „Höllenweib“ gespritzt steht. Lustig, lustig, später bei der Übergabe dann peinlich, peinlich. Was soll‘s. Einen Abend auf dem Weihnachtsmarkt kann mir keiner versauen. Viel schöner kann es nicht mehr werden...

Der Weihnachtsmarkt in Gifhorns Innenstadt hat montags bis samstags von 11 bis 19 Uhr geöffnet, sonntags von 12 bis 19 Uhr – die Buden am City-Brunnen haben bis 20 Uhr geöffnet. Einzelne andere Buden machen auch länger.