KURTs Partner-Team Wob Racing

Ein geiles Gefühl, bis auf einmal ein Reifen wegfliegt

Jannis Gaus Veröffentlicht am 22.10.19
Ein geiles Gefühl, bis auf einmal ein Reifen wegfliegt

„Das Gefühl, einen Rennwagen fahren zu dürfen, ist einfach unbeschreiblich“, sagt Jannis Gaus.

Foto: Wob Racing

Die glorreiche Saison von KURTs Partner-Team Wob Racing geht mit zwei Top-Ten-Plätzen in der internationalen Formula Student zu Ende – aber noch steht der selbstgebaute, flitzende Wagen der Ostfalia-Studierenden nicht in der Garage. Knapp zehn Partnern wurde am Sponsoren Race Day die Ehre zuteil, den Rennwagen Emma zu einer Probefahrt auszuführen. Einer der Auserwählten, Jannis Gaus aus Isenbüttel, teilt seine Erfahrungen mit KURT.

Mein erstes Mal in einem Rennwagen war genauso aufregend, wie man es sich vorstellt – und doch unerwartet brenzlig. Die ganze Saison der flotten Emma und ihrer engagierten Studentenmannschaft hatte ich über KURT und Social Media mitverfolgt und gespannt bei den Rennen mitgefiebert. Im Mai konnte ich Emmas Schönheit schon einmal beim Sponsoren-Rollout genießen. Aber jetzt war es tatsächlich so weit: Ich durfte als einer von wenigen Emma Probe fahren. Unglaublich! Ganz aufgeregt fuhr ich morgens nach Wolfenbüttel zum Exer-Gelände, wo der lang ersehnte Sponsoren Race Day stattfinden sollte. Bevor wir zum Probefahren zugelassen wurden, war ein Test nötig: In fünf Sekunden sollten wir es schaffen, aus dem Auto auszusteigen. Dabei wurde die Zeit gestoppt. So schnell muss man nämlich sein bei einem Unfall, wenn der Motor anfängt zu brennen. Das alles in fünf Sekunden: Ich drücke den Notausknopf, stecke das Lenkrad ab, öffne meinen Sechspunktgurt per Schnellverschluss und stütze mich mit den Armen ab, um aus der Liegeposition aus dem Wagen zu springen. Gar nicht so einfach. Da hatte ich echt Angst, zu langsam zu sein – und dann nicht fahren zu dürfen! Aber zum Glück war das Rennteam zufrieden mit mir.

Jannis Gaus aus Isenbüttel durfte ans Steuer von Rennwagen Emma.

Foto: Wob Racing

In einer provisorischen Umkleidekabine in einem PKW-Anhänger zogen wir uns um, während Emmas Stammfahrer uns die letzten Tipps gab. Die Spannung stieg immer weiter und die Aufregung kribbelte in meinen Gliedmaßen: Ich sollte als Zweiter an die Reihe kommen. Zunächst fuhr ich langsam an, um mich an den Rennwagen zu gewöhnen. Der ging total ab, das war ein wahrlich unbeschreibliches Gefühl. Man betätigt einmal das Gaspedal und schon ist die volle Leistung da. Die Reifen kleben förmlich am Boden; bremst man, verkeilen die Räder sofort. Zwei Disziplinen sollte ich fahren: eine Rennbahn in Achterform und eine gerade Strecke – wobei ich es zu letzterer aber nicht mehr schaffen sollte.

Dreimal durfte ich die Achter-Bahn fahren. Zunächst war ich noch so vorsichtig, dass der Teamleiter nur meinte: „Gib mal ‘n bisschen Gas.“ Unfassbar, wie der Wagen einen bei 30 km/h in der Kurve an die Seite drückt. Ich schien fast rauszufliegen. In der dritten Runde passierte das Unerwartete: Beim Wechseln in die Linkskurve der Acht brach der Wagen plötzlich aus. Emma drehte sich schlagartig, und dann stand ich. Alle kamen auf mich zugerannt und fragten, ob es mir gut gehe. Ich sah zur linken Seite einen Reifen durch die Luft schießen: Mein rechtes Hinterrad war abgeflogen. Zum Glück riss es nur eine Bierzeltgarnitur samt Gläser zu Boden und niemand wurde verletzt. Auch ich kam ohne jegliche Kratzer davon.

Es stellte sich heraus: Die Materialermüdung und ein feiner Riss in der Felge setzten meinem Rennen ein Ende – und damit auch dem gesamten Race Day. Die Ersatzfelgen befanden sich leider in Wolfsburg, also konnte Emma erst in den nächsten Tagen repariert werden. So schnell kann‘s gehen... Die anderen Teilnehmer nahmen es mir glücklicherweise nicht übel, alle reagierten mit vollem Verständnis. Nach der grandiosen Fahrt hieß mich Felix Dilk natürlich in der Formula Student willkommen – nächstes Mal aber bitte ohne Sachschaden.

KURTs Partner-Team Wob Racing blickt auf eine gelungene Rennsaison zurück.

Foto: Wob Racing

Zum Abschluss des Tages grillten wir mit dem ganzen Team und allen Sponsoren. So wie sich das gehört: sehr studentisch. Irgendwer macht eben die Fleischpackung auf und haut den Inhalt auf den Grill. Nachträglich fiel ihnen auf, dass wir noch Nudelsalat brauchen.

Eines ist mir am Ende des Tages klargeworden: Ich will noch mal! Und länger. Rennwagenfahren macht süchtig – mich zumindest. Der Respekt vor den Profifahrern wächst, wenn man es selbst hautnah miterlebt. Und nicht alleine dem Fahrer sei Lob geboten: Emma, in all ihren Einzelteilen und Facetten, wurde komplett von jungen Studenten hergestellt. Wenn das nicht beeindruckend ist!