Prostitution

Doku über Gifhorner Prostituierte: "Lovemobil" zieht mit Erfolg um die Welt

Sophie Isabell Bremer Veröffentlicht am 16.11.19
Doku über Gifhorner Prostituierte:

"Lovemobil"-Protagonistin Milena wartet in ihrem Sex-Mobil an Gifhorns Straßen auf Kundschaft.

Foto: Christoph Rohrscheidt

Der Dokumentarfilm über die Tiefen des Lebens dreier Prostituierten im Gifhorner Landkreis befindet sich auf spannender Tour von deutschen und internationalen Filmfestivals. KURT berichtete bereits über die Vorstellung von "Lovemobil" beim renommierten Schweizer Filmfestival Locarno. Nun kommt die Dokumentation, die den Gifhornern wohl am nächsten steht, zum nicht weniger achtbaren Braunschweig International Filmfestival - und kurz darauf kommt die Regisseurin zu einem Atelier-Gespräch in die Gifhorner Grille und zeigt dort Ausschnitte ihres Films.

Die Filmemacherin Elke Margarete Lehrenkrauss, die aus Gifhorn stammt und am Otto-Hahn-Gymnasium ihr Abitur ablegte, berichtet von der bisherigen Festivalsaison. In Locarno sei der Film in der Kategorie "semaine de la critique" super angekommen - von den ausverkauften Vorstellungen kaum zu schweigen. Die Filmemacherin freut sich, dass der Film auf ein Thema aufmerksam macht, von dem viele nur etwas am Rande mitkriegen. "Die Dokumentation vermittelt ein anderes Bild von Prostituierten", erklärt die Filmemacherin. "Im Vergleich zum Stereotyp der emanzipierten Sexarbeiterin, dem viele Glauben schenken." Den Preis von Locarno gewann der Film zwar nicht, aber Elke Margarete Lehrenkrauss zeigt sich unbeschwert: "Die Jury hat eben ihren eigenen Geschmack." Aber auch ohne eine gesonderte Auszeichnung kam der Film ausgezeichnet an: So werde er in den Schweizer Städten Luzern, Zürich und Basel im Kino zu sehen sein.

Filmemacherin Elke Margarete Lehrenkrauss lässt die Frauen in ihrem Film „Lovemobil“ selbst zu Wort kommen.

Foto: Uli Gaulke

Nach Locarno ging's weiter zum Film Fest Osnabrück, wo Elke Margarte Lehrenkrauss ihren Dokumentarfilm als Eröffnungsfilm präsentieren durfte. Dazu schaffte es das "Lovemobil"-Filmteam, einen Hauptpreis des Festivals abzusahnen: Den Friedensfilmpreis Osnabrück. Die Jury lobte den Film für seine zutiefst humane Perspektive auf die Prostituierten, die es schafft, sie individuell zu portraitieren und so ihre Menschlichkeit hervorhebt. "Die Zuschauer in Osnabrück hatten eine sehr emotionale Reaktion auf den Film", erzählt Elke Margarete Lehrenkrauss. "Als Niedersachsen sind sie mit den Lovemobilen vertraut und konnten einen persönlichen Bezug zu der Problematik finden."

Seine internationale Premiere feierte "Lovemobil" beim Los Angeles Documentary Film Festival, wo der Film den Preis der besten internationalen Dokumentation verliehen bekam. Und auch von Filmfestivals in Mazedonien, Georgien und dem US-Staat Maine konnten die Filmemacher Preise mit nach Hause nehmen, unter anderem den Cinematic Vision Award vom internationalen Camden Filmfestival. "Es ist witzig, wo man überall hinkommt", lacht Elke Margarete Lehrenkrauss. Im Ausland habe der Film eine ganz andere Wirkung auf die Zuschauer, als in Deutschland: "Sie haben eben einen größeren Abstand zu dem Thema", erklärt sie. "Wir diskutierten Deutschland vielmehr als Einwanderungsland aus einem globalen Blickwinkel."

Und schließlich wird der Film wieder ganz nah an seinen Ort der Erschaffung kommen. Das diesjährige internationale Braunschweiger Filmfestival nominiert den Film für den "Heimspiel"-Preis. Zudem kürt Elke Margarete Lehrenkrauss als Jurymitglied das beste Schauspieltalent.

Wer es nicht zur Vorstellung nach Braunschweig schafft, kann das Atelier-Gespräch in der Gifhorner Grille besuchen: Dort stellt die Regisseurin ihren Film persönlich vor und zeigt Filmausschnitte. Veranstalter der Diskussionsrunde sind SoDiStra (Sozialdiakonische Straßenarbeit im Landkreis Gifhorn), das Netzwerk gegen häusliche und sexuelle Gewalt, die Polizeiinspektion Gifhorn, der Kreisverband der Landfrauen sowie Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Gifhorn, des Landkreises Gifhorn und der Samtgemeinde Meinersen.

Filmfestival Braunschweig:
Donnerstag, 21. November
21 Uhr, Universum Filmtheater
Neue Straße 8, Braunschweig

Atelier-Gespräch in Gifhorn:
Montag, 25. November
19 Uhr, Grille
Ludwig-Jahn-Straße 12, Gifhorn