KURTs Gastro-Serie

Panorama-Café : Diese Torte ist ein Brummer und jeden Höhenmeter wert

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 29.10.19
Panorama-Café : Diese Torte ist ein Brummer und jeden Höhenmeter wert

Bei der Verköstigung der Torte scheint es KURT-Schleckermäulchen Malte, als würde er Wolken probieren.

Foto: KURT

Fernab der klassischen Mittagsküche entdeckten KURT-Schleckermäulchen Malte und seine Begleitung diesmal eine ganz andere Seite der Gifhorner Gastronomie: Das Panorama-Café im Wasserturm beherbergt nicht nur die womöglich beste Limonade der Stadt, sondern arrangiert auch außerordentliche Kuchen und Torten. So hoch über der Stadt kann man da fast ins Schwärmen geraten.

Meine Begleitung holt mich – mit gut 15-minütiger Verspätung – am Bahnhof Gifhorn Stadt, dessen fertiggestellte Bauarbeiten aufopferungsvoll durch das wohlklingende Förderungsprogramm „Niedersachsen ist am Zug III“ mit 1,7 Millionen Euro bezuschusst wurden, in ihrem bordeauxroten Kleinwagen ab. Eigentlich eine Frechheit, denn das Etablissement unserer Wahl ist das Panorama-Café im Wasserturm, der bereits von Bahnsteig 1 aus gesehen zwischen den Häusern aufragt. Ein Fußmarsch wäre also absolut drin gewesen, und doch kommt es mir heute – gelegen, da ich mit den Nachbeben des vorabendlichen Prosecco on Ice ringe.

Am Wasserturm angekommen durchfährt mich eine Welle der Erleichterung: Das Treppensteigen wird einem hier durch einen parallel zum Turm gebauten Fahrstuhl abgenommen. In der vierten Etage – direkt unter dem Dach – halten wir, und damit stehen wir praktisch schon direkt im Laden. Von außen hätte ich mir das Café ein wenig größer vorgestellt, denke ich mir, und ehe sich dieser Eindruck bei mir breitmacht, staune ich schon über den Ausblick. Es ist ein klarer Tag, und mit Blick in den Süden darf man die Harzer Bergkette als Caspar-David-Friedrich-Silhouette am Horizont erahnen. Östlich ist Wolfsburg – sehr viel näher – aufgebaut, oder eher hingestellt, Schornsteine qualmen, der Laagberg steht auf, dahinter schmollt Westhagen. Im Norden, und hier fällt die wahre Schönheit zusammen, wiegen die höchsten Baumkronen der Stadt in einem für diese Jahreszeit überraschenden Grün, das Kaminrot der katholischen St. Bernward-Kirche dringt vorsichtig durch die Wipfel und verabschiedet die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Das titelgebende Panorama verzückt auf Anhieb!

So eine schöne Aussicht auf Famila gibt´s nur vom Wasserturm aus.

Foto: KURT

Zu unserem Tisch werden wir von der männlichen Bedienung – schulterlanges blondes Haar, großgewachsen, nonchalant – geführt und über die heutigen Auswahlmöglichkeiten informiert. Denn anders als in anderen Gifhorner Lokalen ist die Spezialität des Hauses nicht eine sorgsam ausgewählte Menükarte, die dann pflichtbewusst abgearbeitet wird, sondern eine feine Variation an Kuchen und Torten. Wir bestellen dringlichst eine Flasche stilles Wasser, denn auch meine Begleitung klagt über eine lange Nacht, dazu eine hausgemachte Limonade aus Mango, Maracuja, Minze, Zitrone, Limette und Basilikum. Für das süße Entrée wählt meine Begleitung ein Stück Pflaumenkuchen, ich den Kirschkuchen. Auf unseren Wunsch hin besteht der Hauptgang diesmal aus einem eigens für uns entworfenen Pasta-Teller, der spontan angerichtet wird – ein großes Lob an die Küche, denn warme Speisen waren an dem Tag und zu der Uhrzeit im Panorama-Café, das seit einem Pächterwechsel nun auch dienstags und mittwochs geöffnet hat, eigentlich gar nicht vorgesehen. Und für den Abschluss erwarten wir je ein Stück Erdbeertorte und Zitronentorte.

Großartige Pasta!

Foto: KURT

Der Kuchen ist formidable, das wird schon mit dem ersten Anstich klar: Der Boden ist saftig und trägt die Quarkschicht und den Fruchtbelag. Im Gegenteil zu vielen gutgemeinten, aber häufig missratenen WG-Küchen-Versuchen bleibt alles an seiner Stelle, nichts sackt weg. Denn seien wir mal ehrlich: Es gibt nichts Traurigeres als einen Kuchen, der nach 20 Minuten an der frischen Luft droht von der Platte zu rutschen. Die Limonade, in einer geschliffenen Graskaraffe gereicht, ist ein echter Hit und leidet an chronischer Unterschätzung. Selten hat ein Erfrischungsgetränk so gut geschmeckt wie hier! Der Geschmack ist frei von großindustriellen Sweetenern, die einzelnen Noten treten nacheinander zum Vorschein, so als würde man direkt aus einer Saftpresse schlürfen. Gerade im Hochsommer, wenn man nach einem anstrengenden Altstadtbummel auf dem Nachhauseweg ist, rate ich wegen dieser Limonade zu einem Besuch im Panorama-Café – sie ist jeden Höhenmeter wert!

Leckere hausgemachte Limonade.

Foto: KURT

Nach dem ersten Warmmacher landen wir nun bei unserer Pasta, die mich schon vom ersten Bissen an stärkt. Garniert mit Pilzen, gelben Zucchini, roten Paprika, Blattsalat und Spinat in Sahnesauce mag der Hauptgang zwar in einem deutlichen Kontrast zu den übrigen Gängen stehen, doch gerade das Deftige liefert den nötigen Punch. Die Portion ist groß und lecker und sättigend, so dass sich ursprüngliche Beschwerden (es gab tags zuvor auch Gin Tonic) vollkommen in Luft auflösen. Die teilchenbeschleunigergroßen Tortiglioni sind die vollkommen richtige Wahl. Auf Schlaumeier, die einem bei Tisch erklären wollen, wie man mit Gabel und Löffel spritzerfrei seine Spaghetti aufkurbelt, möchte man in der Öffentlichkeit getrost verzichten.

Wie sich herausstellt, folgt das wahre Goldstück unseres Besuchs aber erst noch: Die Zitronentorte ist ein sagenhafter Brummer, bei dem man natürlich nicht in Kalorien denken darf. Hat man diesen Parameter für sich rausgerechnet (oder in den Fitnessplan der kommenden Woche eingerechnet), diktiert der Genuss. Wie schon beim Kirschkuchen steht das Tortenstück fest auf dem liebevoll verschnörkelten Porzellan. Eingerahmt von einem Herzen aus Kakaopulver und einer Schokoladenglasur macht unser Nachschlag alleine optisch schon einiges her. Bei der Verköstigung scheint es mir, ich würde Wolken probieren. Die Torte ist fluffig, die Zitrone nicht zu übereifrig, die Sahne auf den Punkt geschlagen. Geschmacklich kommt wenig an dieses kleine Wunder der Konditorei heran.

Wem das noch nicht als Empfehlung reicht, dem lässt sich mit dem Intérieur kommen: Das Panorama-Café versprüht die warme Atmosphäre eines Blockhauses in den Alpen. Überall gibt es kleine Dinge zu entdecken, die Deko wirkt zusammen und macht den Besuch heimelig. So als würde man vor einem Kamin sitzend in eine flauschige Decke eingewickelt sein und Socken häkeln, während der Verlobte gerade draußen vom Holzhacken kommt und auf seinem Norwegen-Pullover die Schneeflocken schmilzen. Und hoch oben über der Stadt, mit dem Blick gen Harz gerichtet, ist man diesem Traum auch noch mal ein bisschen näher.

Panorama-Café im Wasserturm
Braunschweiger Str. 37a, Gifhorn
Di. - So. 9 bis 18 Uhr