150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Gifhorn

Der Küchentrupp sorgt für Stärkung im Dauereinsatz

Joachim Voß Veröffentlicht am 04.09.19
Der Küchentrupp sorgt für Stärkung im Dauereinsatz

Der Einsatz der Feuerwehr-Feldküche ist auch beim Gifhorner Altstadtfest stets gefragt.

Foto: Michael Uhmeyer

Wenn der Anruf des Kreisbrandmeisters eingeht, wird es ernst. Dann muss Hubert Schwanke schnellstens seine sechs Kollegen des Verpflegungstrupps für einen Einsatz zusammentrommeln. Treffpunkt ist wie für die ehrenamtlichen Rettungskräfte die Zentrale der Freiwilligen Feuerwehr an der Fallerslebener Straße in Gifhorn. Dort befindet sich die Küche, dort lagern die Vorräte. In Windeseile wird das Logistikfahrzeug beladen und los geht‘s zum Einsatzort.

Was alles an Bord sein muss, um die Kameradinnen und Kameraden mit der Feldküche zu versorgen, lässt sich schwer vorhersagen. „Wie katastrophal die Folgen des Orkans Kyrill werden würden, der im Januar 2007 durchs Land tobte, konnte niemand ahnen. Unser Einsatz dauerte mehr als zwölf Stunden. Da reicht keine Kaltverpflegung mit Bockwurst und Brötchen auf die Hand, denn bei solchen Dauereinsätzen ist irgendwann der Erschöpfungszustand erreicht und man muss zwischendurch Kraft tanken, um durchzuhalten“, weiß Feldküchenchef Hubert Schwanke. Für solche Fälle wurde Mitte der 60er Jahre das Verpflegungsteam geschaffen, das fortan für das leibliche Wohl der Einsatzkräfte sorgen sollte.

Organisatorisch ist die „Gulaschkanone“, wie sie im Volksmund gern genannt wird, aber nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr, sondern beim Katastrophenschutz des Landkreises Gifhorn angesiedelt. Denn kluge Planer dachten damals bei der Anschaffung dieser Einrichtung voraus und mutmaßten, dass es nicht nur Hausbrände, sondern auch mal Brandkatastrophen geben könnte. Wie richtig diese Vermutung war, zeigte das große Feuer vor 44 Jahren bei Meinersen, das fünf Feuerwehrkameraden das Leben kostete und riesige Flächen verwüstete. Für Einsätze dieser Dimension ist die Feldküche in der Lage, 500 Portionen Suppe oder 300 Menüs mit Fleisch, Kartoffeln und Gemüse bereitzuhalten. Inzwischen verfügt das Einsatzfahrzeug samt Anhänger immerhin über zwei Kocheinheiten für Suppen à 130 Liter, weitere zwei Einheiten für Pfannen und zwei Backöfen. Somit können im Ernstfall nicht nur die Einsatzkräfte, sondern auch von einer Katastrophe betroffene Anwohner fürs Erste versorgt werden.

Um auf Einsätze solcher Größenordnungen vorbereitet zu sein, bedarf es einer sehr sorgfältigen Logistik. „Für den Einkauf ist bei uns hauptsächlich unser Logistik-
zugführer Steffen Albrecht zuständig. Wurst- und Käseaufschnitt, Margarine und Marmelade besorgt er bei einem Gifhorner Discounter, Brot und Brötchen bei einem ortsansässigen Bäcker, Fleisch von einem Triangeler Schlachter, geschälte Kartoffeln von einem Neubokeler Bauern und das Gemüse kaufe ich bei einem Wolfsburger Großhändler“, verrät Hubert Schwanke.

Dass die Gifhorner Feldküche jeden Burger-Schuppen der Region mühelos in den Schatten stellt, hat sich längst herumgesprochen. Das Verpflegungsteam ist auch bei offiziellen Anlässen wie dem Gifhorner Altstadtfest, dem Pflanzen- und Gartenmarkt, dem Erntedankfest, dem Wietzendorfer Zeltlager und der jährlichen Stadtwehrversammlung sehr gefragt. Dann werden auch schon mal Steaks, Rouladen, Sauerfleisch und Schlachteplatte gereicht. Der Renner dort wie bei den Einsätzen ist aber immer: das Moorfrühstück, also ein Brötchen mit einer dicken Scheibe Jagdwurst – eine perfekte und leckere Stärkung.

Was die wenigsten wissen, obwohl es doch so lecker schmeckt: Unter den sieben Aktiven des Verpflegungstrupps befindet sich kein Sterne-Koch. Wie manche andere des Teams auch, arbeitet Hubert Schwanke bei VW. „Ich habe mich von meinem Vorgänger bei der Versorgungseinheit anlernen lassen. Und um bei der Zubereitung von Gaumenfreuden fit zu werden oder zu bleiben, verpflegen wir jeden Freitagabend die Mitglieder unserer Gifhorner Wehr mit unseren Spezialitäten. Da kommt oft die Hälfte unserer aktiven Feuerwehrleute, also rund 50 Personen, zusammen, die genüsslich satt werden wollen“, erzählt Hubert Schwanke. Diese wöchentliche Zusammenkunft – jeweils nach dem Übungsdienst der Freiwilligen Feuerwehr – bietet allen endlich mal die Gelegenheit, sich ohne Adrenalinschübe völlig entspannt bei Buletten, Currywurst oder Suppe ganz privat zu treffen. Das schweißt zusammen.