KURTs Gastro-Serie

Chilli Imbiss in Gifhorn: Von diesem Falafelteller würde sogar Herkules satt

Malte Schönfeld Veröffentlicht am 23.11.19
Chilli Imbiss in Gifhorn: Von diesem Falafelteller würde sogar Herkules satt

KURT-Genießer Malte arbeitet sich am Falafelteller ab – und hat das Gefühl, dass die Portion kaum kleiner wird.

Foto: KURT Media

Wer in einem Imbiss nur einen Imbiss vermutet, der täuscht sich manches Mal ganz gewaltig. KURT-Feinschmecker Malte und seine Begleitung stellten bei einem Besuch des Döner-Bistros Chilli an der Braunschweiger Straße fest: Dieser Laden kann locker mit so manchem Restaurant mithalten! Und mag die Schlange noch so lang sein (was wohl ausdrücklich für Qualität der Speisen und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis spricht) – hungrig wird hier niemand nach Hause gehen. Die wagenradgroßen Portionen haben‘s in sich.

Es ist beinahe nicht zu glauben, was hier los ist, nämlich der Teufel, die Kunden stehen bis vor der Tür Schlange. Es ist Montagmittag und damit Dönertag. Preiswerter wird man seinen Kebab wohl nirgendwo bekommen. Eine Fünfergruppe Handwerker speist ganz fürstlich in einer der Sitzecken, auf der anderen Seite des Raumes stärken sich vier Schüler, wahrscheinlich für die Doppelstunde Sport gleich, oder um den Physikkurs zu vergessen. Ganz vorne am Tresen gibt grad eine Mutter die Bestellung für sich und ihre Tochter auf, etwas dahinter stehen meine Begleitung und ich. Etwas nervös schauen wir auf die Uhr, wie lange mag das noch dauern? Ich blicke zurück, noch immer stellen sich die Gäste an, kein Ende ist in Sicht, die Sitzgelegenheiten sind ausgeschöpft. Geht ganz schön ab bei Chilli, denke ich mir.

Rotkohl, Weißkraut, Tomaten und Gurke, eine Peperoni, Zwiebeln, eine Kräutersauce, eine Sour-Cream-Sauce, eine scharfe Sauce, dazu Falafelscheiben und eine Menge Pommes: Das nennen wir mal eine Ansage!

Foto: KURT Media

Ein Döner Schrägstrich Imbiss Schrägstrich Restaurant Schrägstrich Fast-Food – was für eine Palette an Erwartungen, die erfüllt werden wollen. Der Kunde unter Zeitnot, der mal eben kurz eine Tasche auf die Hand will. Der Kunde in der Mittagspause, der sich seinen ritualisierten Dönerauflauf mit Pilzen schmecken lassen möchte. Der Kunde im Urlaub, der sich hier mit seinen Freunden trifft, um bei der traditionellen Pizza Sucuk den Fußball vom Wochenende zu besprechen. Wie kriegen die das bloß hin, frage ich mich, so viele Wünsche zu erfüllen? Die Antwort liegt auf der Hand beziehungsweise steht sie vor mir: Bei Chilli wird ruhrpottig malocht, Kette gegeben, losgewetzt. Und somit schwindet die Warteschlange vor uns beinahe sekündlich, während die Leute hinter uns immer mehr werden.

Nun sind wir an der Reihe. Unsere Wahl fällt zur Vorspeise auf die Linsensuppe. Für den Hauptgang wählt meine Begleitung einen Feta-Burger mit der Zugabe von Falafelscheiben, ich hingegen entscheide mich zugunsten des Falafeltellers. Bei einem Blick in die Karte wird mir bewusst, wie viel Angebot hier herrscht: 17 verschieden Pizzen (dazu die Pizzabrötchen), sieben Typen Baguettes, zwölf Dönergerichte von Cheese Döner über Döner Deluxe bis hin zu den Klassikern des Lahmacun, ein Dutzend Burger-Varianten und noch mehr Aufläufe, dazu die Salate und Beilagen. Bei Chilli entscheidet man sich nicht für eine Speise, sondern praktisch gegen alle anderen.

Wir setzen uns in die Nische der gerade verschwundenen Handwerker, unsere Bedienung wischt nochmal eben über den Tisch, dann sind bereits die Linsensuppen fertig, die mit einem Korb warmen Weißbrots bereitgestellt werden. Im Grunde ist das schon fast ein Hauptgericht, denn hier ist der Tunker König. Speziell für die Herbst- und Wintermonate ist das ein ganz, ganz feiner Aufwärmer, wenn draußen wieder Böen die Braunschweiger Straße durchrütteln und man schnell zu Kräften kommen möchte. Ich gebe der Suppe für die Spritzigkeit noch etwas Zitrone hinzu, dann wird weitergetunkt. Das Weißbrot ist außen angenehm kross, innen sehr weich.

Mehr als nur eine Vorspeise: Bei der Linsensuppe, die mit leckerem und warmem Weißbrot serviert wird, ist der Tunker König.

Foto: KURT Media

Wir haben soeben unsere Suppen bis auf den Boden leergelöffelt, da kommen bereits unsere Hauptgerichte, was sehr zuvorkommend ist, da der Laden noch immer prallgefüllt ist. Der Falafelteller ist das, was man wohl umgangssprachlich eine Ansage nennt: Rotkohl, Weißkraut, Tomaten und Gurke, eine Peperoni, Zwiebeln, eine Kräutersauce, eine Sour-Cream-Sauce, eine scharfe Sauce, dazu die Falafelscheiben und eine Menge Pommes. Hier kommt zusammen, was zusammengehört. Im Falafelteller verschwimmt dann der Imbiss mit dem Restaurant, stabiler Mittelstand, das Rückgrat der Gesellschaft. Die Portion ist wohl für Herkules oder Michael Phelps konzipiert, sie ist riesig, und so wie die tatkräftigen Männer hinter dem Tresen die Kunden im Akkord versorgen, arbeitet man sich von oben nach unten, von rechts nach links, ohne dass man das Gefühl hat, der Teller würde leerer werden.

Zum Abschluss hätten wir gerne noch eine kleine Nachspeise in Form von Baklava bestellt, dieser in Zuckersirup eingelegten Blätterteig-Kostbarkeit, schlecht für die Waage, aber hervorragend als süßes Finale. Leider sind wir dafür etwas zu früh dran, erst am Nachmittag würden diese zubereitet, erklärt man uns. Heute finde ich das tatsächlich gar nicht schlimm, denn meinen Gürtel musste ich schon um ein Loch weiterstellen. Meine Begleitung und ich sind uns aber einig, dass wir uns das Baklava beim nächsten Besuch keinesfalls durch die Lappen gehen lassen wollen.

Ich nehme einen letzten Schluck von meiner Cola Light, wir räumen unsere Plätze und zahlen. Ein Freund hatte uns eingangs aufgetragen, nach unserem Besuch doch bitte noch eine Dönertasche mitzubringen. Wir müssen ihn vertrösten, denn der Andrang ist noch immer gewaltig. Es scheint so als würde ganz Gifhorn bei Chilli zu Gast sein. Zeitgleich wird am Tresen geschuftet, Essen wird über die Theke gereicht, Fleisch vom Spieß abgeschnitten, Alufolie verpackt, Pommes frittiert, Teigböden ausgerollt, Salat nachgefüllt, Saucen angemischt.

Ich denke mir: Wer hier nicht satt wird, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Chilli Bistro & Imbiss
Braunschweiger Straße 5, Gifhorn
Mo. - Do./So. 11 bis 23 Uhr
Fr./Sa. 11 bis 3 Uhr