150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Gifhorn

Der beste Weg zum Kindheitstraum: Auf zur Jugendfeuerwehr

Joachim Voß Veröffentlicht am 11.11.19
Der beste Weg zum Kindheitstraum: Auf zur Jugendfeuerwehr

So viel Spaß macht der Ausbildungsdienst bei der Jugendfeuerwehr in Gifhorn. Jugendfeuerwehrwart Felix Kahle und seine beiden Stellvertreter Jörg Fenske und Fabien Koch denken sich immer wieder was Neues aus.

Foto: privat

Die Freiwillige Feuerwehr Gifhorn zählt 120 Aktive in ihren Reihen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Kaum eine ehrenamtliche Tätigkeit verlangt den Helfern so viel Engagement und Zeitaufwand ab wie der Dienst bei der Feuerwehr. Und doch ist es der Gifhorner Wehr gelungen, die Zahl der Aktiven auf hohem Niveau zu stabilisieren. Einen entscheidenden Anteil daran trägt die Jugendfeuerwehr.

Im Jahre 1964 begann es, dass sich die Gifhorner Feuerwehrleute ernsthaft Sorgen um ihren Nachwuchs machten. Im Wirtschaftwunderland Deutschland war es mit steigendem Wohlstand nicht mehr so selbstverständlich, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Grund genug, eine Jugendfeuerwehr zu gründen. Seitdem lernt der Nachwuchs, also die 10- bis 18-Jährigen, bei der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt schon früh die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements für die Gesellschaft kennen – ob durch Wissensvermittlung, praktische Übungen oder beim Freizeitspaß. Und dieses Bewusstsein ist eine wesentliche Voraussetzung für eine nachhaltige Bindung an ehrenamtliche Tätigkeiten.

So lief der Unterricht in der Jugendfeuerwehr 1971 ab – nur wenige Jahre nach der Gründung der neuen Jugendgruppe.

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Die Bilanz heute, 55 Jahre später, kann sich sehen lassen: Mit 37 Mitgliedern ist die Jugendgruppe fast ein Drittel so groß wie der Kreis der Aktiven, also der stets Einsatzbereiten. Um dieses Verhältnis stabil zu halten – oder bestenfalls noch mehr Jugendliche zu gewinnen –, entwickeln die Jugendwarte ständig zeitgemäße Ideen, Heranwachsende zu begeistern. Seit Januar 2019 hat Felix Kahle dieses Amt inne. Der 22-Jährige, der als Elektroniker bei Siemens in Brauschweig beschäftigt ist und durch Großvater und Vater das Feuerwehr-Gen in sich trägt, hat viele spannende Aktionen für die Jugend auf dem Plan. Fester Termin ist das Treffen freitags von 17 bis 19 Uhr: „Dann gibt es, wie für die Aktiven auch, Theorie und Praxis im Wechsel“, so Felix Kahle. „Wir erklären, wie ein Einsatz abgearbeitet wird, welche Löschmittel und welche Brandschutzverordnungen es gibt und vieles mehr.“ Die Theorie ist also alles andere als grau – „und sehr angesagt sind die praktischen Übungen, also zum Beispiel wie im Ernstfall Schläuche ausgerollt und Leitern aufgestellt werden“.

Mit 16 Jahren können die Jugendlichen in den aktiven Dienst wechseln. Zuvor können sie bereits die so genannte Truppmann-Ausbildung absolvieren. Sie beginnt in der Regel gegen Jahresende und findet an fünf Wochenenden jeweils von Freitag bis Sonntag statt. Neben intensivem Theorieunterricht gilt auch für die Praxis schon die härtere Gangart. Dazu gehören unter anderem der Schaumangriff beim PKW-Brand, der Löschangriff mit Wassereinsatz und das Sich-selbst-Retten mit einem Seil aus dem ersten Stockwerk. Dafür werden auch Noten verteilt, und es gilt, die Abschlussprüfung zu bestehen. Felix Kahle weiß: „Diese Prüfung haben bisher alle bei uns bestanden.“

Stolz und mit Pokal in den Händen kehrten die Nachwuchsbrandschützer der Gifhorner Jugendfeuerwehr vom Bundeswettbewerb zurück.

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Am Ende wartet aber nicht nur die Prüfungsurkunde. Viel wichtiger ist den Absolventen eine andere Auszeichnung: Sie erhalten einen Pieper und werden im Ernstfall wie alle Aktiven informiert. So haben die Jugendlichen schon früh die Möglichkeit, in Einsätze eingebunden zu werden – und dann muss jeder Handgriff sitzen. „Selbstverständlich nehmen wir die Jugendlichen nicht mit an jeden Einsatzort, wenn sich zum Beispiel ein schwerer Verkehrsunfall mit Todesfolge ereignet hat“, versichert Felix Kahle. „Aber bei vielen Einsätzen rücken sie natürlich mit aus, denn vor Ort wird jede helfende Hand gebraucht.“

Doch die Gemeinschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr wird auch für die Jugendlichen nicht nur durch das ständige Üben für den Ernstfall zusammengeschweißt. Für gute Laune sorgen auch die gemeinsamen Feldlager, die zweimal pro Jahr stattfinden. Dann wird in der Woche vor Ostern in der Nähe von Gifhorn gezeltet, es werden Kanutouren unternommen oder die Fahrt in den Sommerferien zum Beispiel an den Tankumsee mit der Teilnahme an Schnellbootaktionen der Wasserwacht und mit Spiele-ohne-Grenzen-Events. Dafür sind neben Felix Kahle jeweils die zwei stellvertretenden Jugendwarte – zurzeit Jörg Fenske und Fabien Koch – sowie zusätzlich acht Betreuer im Einsatz.

Auch Kanutouren unternimmt die Gifhorner Jugendfeuerwehr.

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Bei diesen Unternehmungen geht es jedoch nicht allein um den Spaßfaktor: „Kameradschaft, gegenseitige Akzeptanz, Respekt und Vertrauen in die anderen sind sehr wichtig für unsere Gemeinschaft, in der sich jeder auf den anderen verlassen können muss“, so Felix Kahle. „Das geht durch unsere vielen Aktionen miteinander bei den Heranwachsenden nach und nach in Fleisch und Blut über.“ Dafür sprechen auch die Zahlen: Von den Jugendlichen, die in den Kreis der Gifhorner Aktiven eintreten, bleibt rund die Hälfte der Feuerwehr erhalten. Der Rest zieht fort, etwa um andernorts mit einer Ausbildung zu beginnen.

Für die Jugendlichen bietet die Freiwillige Feuerwehr Gifhorn also nicht nur eine sinnvolle Möglichkeit, sich für die Mitmenschen zu engagieren, sondern festigt auch die soziale Bindung und Empathie zu anderen. Und dennoch gibt es immer etwas zu verbessern: „Zurzeit sind bei uns von den 37 Mitgliedern der Jugendfeuerwehr nur sechs weiblich. Der Anteil der Frauen bei unseren aktiven Feuerwehrleuten ist viel höher, liegt sogar über dem Bundesdurchschnitt. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf“, räumt Felix Kahle ein.

Große Hoffnungen setzen die Gifhorner Kameradinnen und Kameraden auf weiblichen Nachwuchs aus der Kinderfeuerwehr, die erst vor fünf Jahren gegründet wurde. Immerhin, die jetzigen sechs Mädchen und jungen Frauen bei der Jugendfeuerwehr haben genau diesen Schritt gemacht. Auch hier ist also ein Anfang getan.